Donnerstag, 20. Dezember 2012

20. Dezember_neu

Mozart KV 600 Sechs deutsche  Tänze
             KV 603 Zwei Kontretänze


Odyssee 24, 121 - 146

Die Seele Amphimedons erzählt, wie Penelope die Freier hinhielt.
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Mit Mozarts Ernennung seiner Ernennung zum "k. k. Kammerkompositeur" 1788 bekommt er die Aufgabe, auch Tanzmusiken für die Wiener Redoutenbälle, die vom Kaiser geförderten Maskenbälle für alle Volksschichten, zu komponieren. 
Am 29. Januar 1791 schreibt Amadé 6 deutsche Tänze und am 5. Februar zwei Kontretänze für die Redoute.
Die Werkgruppe KV 600 ist wegen ihres ländlichen Charakters und der kindlichen Einfachheit huete eine der bekanntesten Gruppen von Tänzne. Im Trio der Nr. 5 imitieren Flöte und Piccolo abwechselnd einen Kanarienvogel, welchen Mozart hatte - und liebte ...


KV 600
KV 603




























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Freitag, 20. April 2012

29. Dezember_2.Durchg_2.Aufl

Mozart KV 626 Requiem: Rex tremendae
                                            Recordare
                                            Confutatis  

Odyssee 24, 439 - 471

Die Verwandten der Freier sinnen auf Rache.
Da kommen Phemios der Sänger und der Herold Medon.
Medon:
"Männer von Ithaka, was Odysseus vollbracht, das hat er, ich kann es euch beschwören, nicht ohne den Ratschluss der Unsterblichen vollendet. Ich selbst habe den Gott gesehen, der ihm in Mentors Gestalt immer zur Seite war und bald dem Odysseus das Herz kräftigte, bald umhertobend im Saale die Besinnung der Freier zerrüttete. Das Werk dieses Gottes ist es, daß sie sterbend übereinandertaumelten."

Dann ergreift Halitherses das Wort:
"Ihr selbst seid schuld an allem, was geschehen ist. Warum waret ihr so träge, warum habt ihr meinen und Mentors Rat nicht befolgt und habt eure üppigen Söhne nicht im Zaume gehalten, als sie Tag für Tag hingingen, dem abwesenden Manne sein Gut verprassten und unwürdige Forderungen an seine Gemahlin richteten, als käme er nimmermehr zurück?"
Getümmel und Zwiespalt. Die Mehrheit stimmt Medon und Halitherses zu. Die anderen gehen vor die Stadt, machen sich auf, mit Eupeithes an der Spitze, den Tod des Sohnes und der andern Freier zu rächen. 
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Mozart todkrank. Bis zum 5. Dezember 1791, seinem Todestag, verfasst er den Eröffnungssatz des Introitus (Requiem aeternam) mit allen Orchester- und Vokalstimmen. Vom Kyrie und dem größte Teil der Dies-irae-Sequenz sind die Gesangsstimmen und Bass fertig, und sonst einige wichtige Orchesterpartien  skizziert. Das Lacrimosa bricht im 9. Takt ab. (Vor kurzem wurde eine Skizze für eine Amen-Fuge entdeckt, die offenbar die Sequenz nach dem Lacrimosa beenden sollte). Sanctus, Benedictus und Agnus Dei fehlen.



Seiner Witwe Constanze Mozart ist verständlicherweise daran gelegen, das unvollständige Werk abzuschließen, um die zweite Hälfte der Kaufsumme zu erhalten. Sie beauftragt daher andere Komponisten, meist Schüler oder Kollegen Mozarts. 1792 wird mit der von Süßmayr gefälschten Unterschrift Mozarts das Manuskript dem Boten des anonymen Auftraggebers  übergeben. 




KV 626 4. Rex tremendae
KV 626 5. Recordare
KV 626 6. Confutatis


Franz Josef von Wallsegg (1763 - 1827)
Ein Jahr nach dem Tode seines Vaters, des Reichsgrafen Franz von Paula Anton Josef von Wallsegg (die Mutter war schon früher verstorben) heiratet  Franz Josef mit 16 die junge Maria Anna von Flammberg. Die Grafen von Wallsegg residieren auf dem Hohen Markt in Wien, auch in Schottwien und Klamm.
Im südlichen Niederösterreich iegt Schloss Stuppach. Als Graf Franz Josef von Wallsegg 1786 die Nachfolge seines Vaters antritt, übersiedelt er auf Wunsch seiner jungen Gattin von der Burg Klamm nach Schloss Stuppach, wo sie ein repräsentativeres Leben in Form eines eigenen "Hofstaates" zelebrieren.
Franz von Wallsegg, Musikliebhaber und Dilettant, hat in Stuppach eine Gruppe von Musikern um sich gesammelt, mit denen er Konzerte veranstaltet, er dirigiert und komponiert auch selbst. Mit seinen kompositorischen Leistungen aber ist er nicht immer glücklich. Anton Herzog, Lehrer an der Patronatsschule in Klamm, berichtet, dass Franz Werke zeitgenössischer Komponisten kaufte, diese abschrieb und von seinen Musikern den Kompositeur erraten liess.
Oft wurde von diesen, wenn auch mit einem leisen Lächeln, Graf Wallsegg als Tonsetzer bezeichnet ...
Als seine 21-jährige Gattin stirbt und er eine Totenmesse für sie aufführen will, bestellt er annym über Mittelsmänner das berühmte Requiem bei Mozart. Sein großes Haus in Wien verkauft er und lebt zurückgezogen auf Schloss Stuppach, wo er verstirbt; mit seinem Tod erlischt das Geschlecht.
Mozarts Requiem hatte er unter seinem Namen am 14. Dezember 1793 im Neukloster in Wiener Neustadt aufgeführt,  ohne zu wissen, dass es bereits am 2. Januar 1793 im Jahn-Saal in Wien seine Uraufführung erlebt hatte.


Dona eis requiem!



Rex tremandae maiestatis, 
qui salvandos salvas gratis, 
salva me, fons pietatis.


Recordare Jesu pie, 
Quod sum causa tuae viae, 
Ne me perdas illa die.


Quaerens me sedisti lassus, 
Redemisti crucem passus, 
Tantus labor non sit cassus.


Juste judex ultionis, 
Donum fac remissionis 
Ante diem rationis.


Ingemisco tanquam reus, 
Culpa rubet vultus meus, 
Supplicanti parce, Deus.


Qui Mariam absolvisti 
Et latronem exaudisti, 
Mihi quoque spem dedisti.


Preces meae non sunt dignae, 
Sed tu, bonus, fac benigne, 
Ne perenni cremer igne.


Inter oves locum praesta, 
Et ab haedis me sequestra, 
Statuens in parte dextra


Confutatis maledictis, 
Flammis acribus addictis, 
Voca me cum benedictis.


Oro supplex et acclinis, 
Cor contritum quasi cinis, 
Gere curam mei finis.


König schrecklicher Gewalten,
Frei ist Deiner Gnade Schalten:
Gnadenquell, lass Gnade walten!


Milder Jesus, wollst erwägen,
Dass Du kamest meinetwegen,
Schleudre mir nicht Fluch entgegen.
Bist mich suchend müd gegangen,
Mir zum Heil am Kreuz gehangen,
Mög dies Mühn zum Ziel gelangen.
Richter Du gerechter Rache,
Nachsicht üb in meiner Sache
Eh ich zum Gericht erwache.
Seufzend steh ich schuldbefangen,
Schamrot glühen meine Wangen,
Lass mein Bitten Gnad erlangen.
Hast vergeben einst Marien,
Hast dem Schächer dann verziehen,
Hast auch Hoffnung mir verliehen.
Wenig gilt vor Dir mein Flehen;
Doch aus Gnade lass geschehen,
Dass ich mög der Höll entgehen.
Bei den Schafen gib mir Weide,
Von der Böcke Schar mich scheide,
Stell mich auf die rechte Seite.
Wird die Hölle ohne Schonung
Den Verdammten zur Belohnung,
Ruf mich zu der Sel'gen Wohnung.
Schuldgebeugt zu Dir ich schreie,
Tief zerknirscht in Herzensreue,
Sel’ges Ende mir verleihe.

30. Dezember_2. Durchgang- 2.Aufl_

Mozart KV 626 Requiem: Lacrimosa
                                            Domine Jesu
                                            Hostias

Odyssee 24, 472 - 513

Odysseus und seine Getreuen bereit zum letzten Gefacht. Athene tritt vor Zeus:
"Herr der Götter, willst du die ruhigen Einwohner Ithakas durch Krieg und Zwietracht züchtigen, oder gedenkst du den Streit beider Parteien im Frieden beizulegen?"
Zeus will, dass Odysseus nach seiner Rache König bleibt auf Ithaka. Die Ermordung der Freier solle aus dem Geist getilgt werden, unter allen soll wieder Liebe, Einigkeit und Wohlstand herrschen.


Lacrimosa-Autograph (die durch Süßmayr gefälschte Unterchrift Mozarts fehlt)
KV 626 Lacrimosa


Lacrimosa dies illa, 
Qua resurget ex favilla 
Judicandus homo reus.


Huic ergo parce Deus, 
Pie Jesu Domine, 
Dona eis requiem. 


Domine Jesu Christe! 
Rex gloriae, 
libera animas omnium fidelium defunctorum
de poenis inferni,
et de profundo lacu:
libera eas de ore leonis, 
ne absorbeat eas tartarus, 
ne cadant in obscurum,
sed signifer sanctus Michael 
repraesentet eas in lucem sanctam, 
quam olim Abrahae promisisti 
et semini ejus


Hostias et preces tibi, Domine, 
laudis offerimus;
tu suscipe pro animabus illis, 
quarum hodie memoriam facimus: 
fac eas, Domine, de morte transire ad vitam, 
quam olim Abrahae promisisti 
et semini ejus




Tag der Tränen, Tag der Wehen
Da er vom Grabe wird erstehen 
Um Gericht der Mensch voll Sünden!


Lass ihn, Gott, Erbarmen finden.
Milder Jesus, Herscher du,
Schenk den Toten ew'ge Ruh.


Herr Jesus Christus,
König der Herrlichkeit,
bewahre die Seelen 
aller verstorbenen Gläubigen
vor den Qualen der Hölle
und vor den Tiefen der Unterwelt:
Bewahre vor dem Rachen des Löwen,
dass die Hölle sie nicht verschlinge,
dass sie nicht hinabstürzen in die Finsternis;
oder vielmehr geleite sie Sankt Michael,
der Bannerträger, in das heilige Licht,
dass du einstens dem Abraham verheißen 
und seinen Nachkommen.


Opfergaben und Gebete bringen 
wir zum Lobe dir dar,
nimm sie an für jene Seelen, 
deren wir heute gedenken.
Lass sie, Herr, 
vom Tode hinübergehen zum Leben,
dass du einstens dem Abraham verheißen 
und seinen Nachkommen.

31. Dezember 2. Durchgang_2. Auflage

Mozart KV 626 Requiem : Sanctus
                                             Benedictus
                                             Agnus Dei        

Odyssee 24, 514 bis Ende

Odysseus mit seinen Getreuen beim letzten Gefecht.



"Welch ein Tag, ihr Götter", ruft Laërtes, "einen Wettkampf der Tapferkeit beginnen Vater, Sohn und Enkel!"
Die Lanze des Laërtes trifft Eupeithes, durchbohrt die Wange, der Vater des Antinoos rasselt mit seinen Waffen tot in den Staub. Odysseus und Telemach und ihre Genossen wüten mit Schwert und Lanze.
Plötzlich ruft Athene:
"Lasst ab, ihr Ithaker, vom unseligen Kriege!"
Entsetzen ergreift die Herangekommenen, sie fliehen. Odysseus stürzt nach. Doch des Zeus Blitz schlägt in den Boden, Athene selbst bebt zurück.
"Sohn des Laërtes, jetzt lass ab vom Kampf, bezähme dein Herz!"
Athene selbst erneuert zwischen Odysseus und den Häuptern der Stadt den Bund des ewigen Landfriedens. 
Das Paar Penelope/Odysseus verlebt lange glückliche Jahre. Erst in später Zeit erfüllt sich an Odysseus, was ihm einst Teiresias in der Unterwelt von seinen letzten Schicksalen geweissagt hat.










 
Und auch unser Jahr mit Anmadé geht zu Ende.


Mozarts Lebensjahre fallen in eine der aufregendsten Zeiten der europäischen Geschichte: 
Wien ist mehr als jede andere europäische Metropole der Brennpunkt, in dem die exponiertesten Positionen der rivalisierenden Mächte in Staat und Kirche und deren Protagonisten aufeinander treffen. Mozart ist durch dieses ideen- und geistesgeschichtliche Umfeld weit mehr geprägt als bisher angenommen. 
Als Mitglied zweier freidenkerischer Logen und in seinen Werken bezieht er zu den aktuellen Ereignissen explizit Stellung. In Helmut Perls "Der Fall Mozart" sind eine Vielzahl bislang unbekannter historischer Dokumente ausgewertet und zu Mozarts Biografie in Beziehung gesetzt. Das Resultat ergibt nicht nur einen gänzlich veränderter Blick auf die „Geheimnisse" von Leben und Werk (insbeondere seinen letzte Opern), sondern auch ein völlig neues Bild des Komponisten als gesellschaftlich engagiertem Künstler.










KV 626 Sanctus 
KV 626 Benedictus
KV 626 Agnus Dei




Sanctus, sanctus, sanctus 
Dominus Deus Sabaoth! 
Pleni sunt coeli et terra
gloria tua
Osanna in excelsis


Benedictus qui venit 
in nomine Domini
Osanna in excelsis


Agnus Dei
Agnus Dei, 
qui tollis peccata mundi, 
dona eis requiem
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, 
dona eis requiem sempiternam.





Heilig, heilig, heilig 
ist der Herr Gott Zebaoth! 
Voll sind Himmel und
Erde deiner Ehre! 
Hosanna in der Höhe!

Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn! 
Hosanna in der Höhe!

Lamm Gottes, das du trägst die Sünde der Welt, 
schenke ihnen Ruhe
Lamm Gottes, das du trägst die Sünde der Welt, 
schenke ihnen ewige Ruhe 

Mittwoch, 4. Januar 2012

Start Amadysses-Blog

Mit Homer und Mozart durchs Jahr - täglich eine Episode aus der Odyssee und
Musik von Amadé ...


Amadés Werke

- reine Musik - und die Irrfahrten des Odysseus - von Homer in Hexametern erzählt - miteinander verwoben: frappierende Übereinstimmungen und erstaunliche Anknüpfungspunkte ...

Mozart-Fans aus der ganzen weiten Welt versorgen YouTube mit Amadés Musik, ob aus Nord- oder Südamerika, Japan, Rußland, Europa. Beweis für die weltumspannende Faszination seines Genies....

Neugierig auf Don Giovanni, dessen letztes Abenteuer der Tod ist:
Dem Reisenden Erlösung, dem Nach-dem-Leben-Suchenden letzte Wahrheit.

Neugierig auf Leporello, die Kehrseite seines Herrn, Mitreisender und Mitgezeichneter.

Neugierig auf Odysseus, die Irrfahrten allen Lebens.

Neugierig auf Amadé, der diese und andere Figuren auf die Reise schickt,  ihre
Hoffnungen, Ängste, Träume und Alpträume spürbar macht. 
Der seine Konflikte mit Autorität und Rebellion, Liebe und Tod, Geborgenheit und Einsamkeit, Wahrheit und Lüge uns erleben läßt. Der die "innere Geschichte" seines Lebens erzählt, selten konform mit den äußeren Umständen.


Odyssee

Das älteste und einflussreichste Werk der abendländischen Literatur ist Homers Odyssee aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., das handelt von den Abenteuern des Königs Odysseus und seiner Gefährten im Kampf um Troja und auf ihrer überlangen Heimreise und erzählt von der Suche des Sohnes nach dem vermissten Vater.
Der junge König auf der kleinen Insel Ithaka zieht - widerwillig - in den zehnjährigen Krieg, irrt weitere zehn Jahre umher. Unerkannt und als Bettler kehrt er als einziger heim, findet sein Haus voller Fremder, die sein, des Totgeglaubten Eigentum verprassen.
Die - uneinigen - Götter und Halbgötter mit menschlichen Zügen wirken stets mit am ruhelosen Schicksal des listenreichen Helden und einsamen Dulders. Durch die Himmel der Liebe und die Hölle der toten Seelen geht seine Reise. Er trifft Kikonen, Lotophagen, Kyklopen, Laistrygonen, Sirenen, Phaiaken, Kirke und Kalypso, Skylla und Charybdis, durchsegelt Orkane, erleidet Schiffbruch ...  


War es ein oder sind es mehrere Verfasser?

Wie immer die Antwort auf diese Homerische Frage auch lautet: Der Sänger der „Odyssee“ muss besonders gut erzählen, um seinen Zuhörern die bekannten Geschichten aus dem Troja-Sagenkreises schmackhaft zu machen. Atemberaubend die Dramaturgie des Freiermords: Der Erzähler pendelt zwischen gleichzeitigen Ereignissen an verschiedenen Schauplätzen. In Lakedaimon sucht Telemach seinen Vater, die Götterversammlung im Olymp beschließt dessen Heimkehr, Odysseus harrt derweil in der Grotte Kalypsos seines Schicksals. Der Erzähler wechselt zwischen Perspektiven und Zeiten, lässt Teiresias die Zukunft voraussagen und Odysseus  den Phäaken in großer Rückblende seine Irrfahrten berichten.
Und immer hat eine Episode fast genau 30 Zeilen, mit denen der Sänger seine Zuhörer in Atem hält; das Blog bringt jeden Tag eine davon. Hatten die antiken Sänger ihren Vortrag ebenfalls für ein Jahr geplant?




Der listenreiche Protagonist ist ein Trickser vor Gott Zeus, einer, der alle hinters Licht führt – den Kyklopen Polyphem, dem er sich als „Niemand“ vorstellt, bevor er ihn blendet. Oder den getreuen Sauhirten Eumaios, dem er die Lügengeschichte auftischt, er sei ein Ex-Troja-Kämpfer aus Kreta. Odysseus, ein kluger, sein Risiko kühl kalkulierender Politiker  – ob er sich an den Mast binden lässt, um dem Gesang der Sirenen zu lauschen, oder ob er lieber sechs Mann der Skylla opfert, als die gesamte Besatzung an Charybdis zu verlieren. Verblüffend, wie selbstbestimmt und gewitzt Odysseus innerhalb mythischer Zwänge agiert.
In neuzeitlich anmutender Subjektivität brennt Homer sein erzähltechnisches Feuerwerk ab.  Irrfahrten und Odysseus’ verzögerte Heimkehr nach Ithaka haben sich mit spektakulären Bildern von Kampf, Schiffbruch und Rache tief ins kollektive Bewusstsein gegraben.

Überall auf der Welt warten Menschen auf irgendetwas. Penelope ist Metapher für unentwegtes, hoffnungsvolles Warten und Sehnen. Wie oft mag sie aufs Meer hinausgeschaut haben, immer in Erwartung, ein Segel könnte die Heimkehr des Odysseus bedeuten. Ithaka als Wort, als Symbol, als Ziel einer Reise zu sich. 

Und seit Heinrich Schliemanns Ausgrabungen ist der reale Hintergrund all dessen erwiesen, für Adorno ist Odysseus der erste Charakter, der sich nicht den Göttern und dem Schicksal ergibt, sondern dagegen ankämpft, Herrscher wird über das eigne Geschick, auferstanden am 16. Juni 1904 in Dublin als Leopold Bloom.




Wie bei Odysseus sind auch bei Mozart die nahtlos aneinandergefügten Reisen Sinnbild seines von Ruhelosigkeit geprägten Lebens. 1763, im Alter von sieben Jahren, bricht Amadé zur ersten großen Konzerttournee durch Europa auf, der geschäftstüchtige Vater hetzt ihn durch Europa: Salzburg, Wien, Mannheim, London, Paris, Den Haag, Mailand, Mantua, Rom.
Die Kulissen seiner Kindheit und Jugend sind harte Postkutschenbänke, derbes Gasthofsleben, fürstliche Festsäle, gepuderte Hofdamen, das geborgene Familienleben fehlt. Eine Musikkultur, die sich von den Fürstenhöfen in die bürgerliche Welt verlagert und unter wirtschaftliche Zwänge gerät, feiert ihr Wunderkind.

Wer ist dieser Mozart?

Menschen bekennen sich auch nach langer Beschäftigung mit seinem Werk noch immer als Suchende.

Warum klingt seine Musik so einfach?

Kluge Menschen von Hegel bis Hildesheimer sehen in Mozart Genie, gepaart mit Unvernunft und Unreife, im Film "Amadeus" ist er eher ein hysterischer Jüngling als ein rebellischer Mann.

Ein einfühlsamer Kurfürst sagt zu dem 25jährigen: "Man sollte nicht meynen, daß in einem so kleinen kopf so was grosses stecke" ...

Hans Neuenfels rät:
"Bei Mozart musst du alles befragen, sonst kommst du zu keinem Genuss. Winzige Steinchen trägst du zusammen. Du hortest Details. Du drehst die Steinchen um und entdeckst plötzlich eine andere Farbe, einen anderen Klang. Du musst die Steinchen wiederholt ordnen. Du verlierst die Nerven, wirfst alles durcheinander. Da entdeckst du ein neues Bild, und du und ich begreifen: Alles an Mozarts Musik ist abgefangen, abgeschöpft, abgerungen, erfunden, erdacht, entdeckt, erobert, ja, auch ertrotzt, erraten, erfingert, gewagt und erspielt, und ebendieses inbrünstig versteckte Vorher, dieses winzige Davor, dieses Stelldichein mit sich selbst, dieses närrische Nadelöhr, durch das er genüsslich mindestens zwanzig fette Kamele ziehen lässt, treibt ihn liebestoll und todesmutig in die Unfehlbarkeit."



Hört, lest, schreibt: eure Fragen, Ideen, Kritik, Ergänzungen, Erfahrungen mit zwei Großen aus Musik und Literatur!


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Dienstag, 3. Januar 2012

1. Januar

Mozart KV 1 - 5

Odysse 1, 1 - 27

Prolog im Himmel
Homer, der Sänger der Odyssee, ruft die Muse an, ihm zu erzählen von den Taten des vielgereisten Mannes, der, nachdem er das heilige Troja zerstört, gar viel umgetrieben wurde auf dem veilchenblauen Meer der Ägäis. Die meisten der Griechen, die vor Troja gekämpft, sind längst schon zuhause.
Homers Epos beginnt da, wo des Odysseus Irrfahrten bald zu Ende gehen: auf der Insel Gozo, wo Kalypso, die Nymphe wohnt, die sich in ihn verliebt hat.




Die Götter beratschlagen - einer fehlt zum Glück: des Odysseus Intimfeind, Meeresgott Poseidon ...

Scheinbar sehr ordentlich und ganz anders beginnt Amadés Odyssee.
1763 startet das Verzeichnis des Dr. Ludwig Ritter von Köchel (KV), in dem alle Werke Mozarts, des wohl größten Musikgenies  aller Zeiten, chronologisch aufgereiht sind, mit


Nr 1. Menuett und Trio für Klavier,

Zu jener Zeit ist der 7jährige Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart - so lautet sein Taufregistereintrag - als Wunderkind auf Tournee in Paris unterwegs. Der Vater schreibt die Kompositionen seines Kindes, der neben dem Klavier auch Violine spielt, in seiner Schwester Nannerls Notenbuch.  Kleine Meilensteine von untadeliger Scheibweise und  temperamentvollem Charakter. 













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2. Januar

Mozart KV 6 Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 1, 28 - 79

Zeus nimmt als erster das Wort und tadelt die Menschen, die sich über die Götter beklagten. Sie erduldeten nur selbst verschuldetes Unglück. 

Athene setzt sich für ihren Favoriten Odysseus ein, den eine Göttin auf ihrer Insel  von der Heimkehr  auf seine Insel Ithaka abhalte.

Zeus erklärt, nicht er hindere Odysseus an seiner Heimkehr, sondern Poseidon. Dieser verüble es Odysseus, Poeidons Sohn Polyphem geblendet zu haben. Poseidon solle aber nun von seinem Zorn lassen, er könne sich nicht
gegen alle Götter stellen.


1764 weilen Mozarts zwar nicht auf dem Olymp bei Zeus, aber immerhin im Palast von Versailles, wo Leopold, Amadé und Nannerl König Ludwig XV. zwei Wochen lang musikalisch unterhalten.
Vater Leopold Mozart hat 1756 Versuch einer gründlichen Violinschule  veröffentlicht, eines der bedeutendsten
Werke zu diesem Thema. Dass bald der eigene Sohn mit einem derartigen Tempo das Violinspiel erlernen und dazu das Klavier so beherrschen würde, dass er die meisten erwachsenen Virtuosen in den Schatten stellt, übersteigt jedes Vorstellungsvermögen.  Und noch mehr, dass er im Alter von sieben Jahren zu komponieren beginnt.


KV 6 ein Rokoko-Leckerbissen, mit einer liebevollen Widmung an die königliche Prinzessin Madame Victoire de France:

                                           Madame
   Les essais que je mets à vos pieds, sont sans doute médiocres; mais lorsque Votre bonté me permet de les parer de votre Auguste Nom, le succès n'en est plus douteux, et le Public ne peut manquer d'indulgence pour un Auteur de sept ans qui paroit sous Vos auspices.
   Je voudrois, Madame, que la langue de la Musique fût celle de la reconnaissance; je serois moins embarrassé de parler de l'impression que vos bienfaits ont laissée dans mon cœur.  J'en remporterai le souvenir dans mon pays ; et tant que la Nature qui m'a fait Musicien comme elle fait les rossignols, m'inspirera, le nom de Victoire restera gravé dans ma mémoire avec les traits ineffaçables qu'il porte dans le cœur de tous les François.
     Je suis avec le plus profond respect,
                          Madame,
                            Votre très humble, très obéissant et très petit Serviteur
J. G. Wolfgang Mozart.

Noch sind es also andere Personen und Mächte, die das Schicksal von Amadé und Odysseus bestimmen, bald aber werden sie es selbst in die Hand nehmen ...


KV 6 Satz 1 und 2










3. Januar

Mozart KV 7 Sonate für Klavier und Violine

Odyssee 1, 80 - 113

Athene bittet, als sie von Zeus hört, Poseidon solle endlich mit der Verfolgung des Odysseus aufhören, den Götterboten Hermes nach Ogygia (Gozo) zu schicken, damit er der Nymphe Kalypso den Beschluss der Götter verkünde.

Sie selbst will nach Ithaka eilen und den Sohn des Odysseus, Telemach, ermuntern, gegen die Freier vorzugehen, und nach Sparta und Pylos zu reisen, um etwas über seinen verschollenen Vater zu erfahren.


In des Menthes Gestalt steht die Göttin vor dem Palast und muss das Prassen und Nichtstun der Freier mitansehen.

Ähnlich wie Athene die Freierschar, so empfindet der streng katholische Vater Leopold Mozart das Treiben in Paris, "wo man nicht einmal weiß, was ein Rosenkranz ist"; Amadé schreibt derweilen seine vier Violinsonaten KV 6 bis 9 nieder. Das Adagio der Sonate KV 7, kommentiert Mozart, sei von einem ganz beonderen goût.

KV 7







4. Januar

Mozart KV 12 und 13 Sonaten für Klavier und Violoncell

Odyssee 1, 114 - 143

Telechmach sitzt mit traurigem Herzen unter den Freiern, grübelnd: soll er sie vom Hof jagen? Als er den Fremdling erblickt, bittet er ihn herein und zu Tisch. Sie setzen sich abseits der lärmenden Freier, er will sie nach seinem Vater befragen. Diener bereiten ihnen das Essen.


Mozarts sind nach London weitergereist; fünf Tage nach ihrer Ankunft spielen Amadé und Nannerl vor dem jungen König Georg III. und seiner musikbegeisterten Gattin auf. Der Vater "gallopiert" herum, um überall zu reüssieren.
"Denn wegen ein paar Tausend Gulden bin ich nicht nach England gereist" - den unermüdlichen Kampf des Vaters um Anerkennung sollte der Sohn für Liebe halten. Diese Liebe nicht zu enttäuschen, erweist sich als größte Über- forderung, mit der Mozart zeit seines Lebens zu kämpfen  haben wird.

Unter der Obhut des Vaters komponiert er 1764 weitere Violinsonaten, die sich hören lassen können, wie KV 12 und  KV 13.

KV 12
KV 13 Satz 1
KV 13 Satz 2
KV 13 Satz 3



















5. Januar

Mozart KV 15a - r Londoner Skizzen

Odyssee 1, 144 - 177



Üppig schmausen die Freier in der Burg des Odysseus auf Ithaka - danach  zwingen sie den Sänger Phemios, zur Harfe zu singen.

Telemach beschwert sich über die Freier, ist pessimistisch, was den Vater betrifft, fragt den Fremdling, ob er schon einmal Gast im Hause war, woher er komme, wer er sei.

Wir bitten Amadé zu komponieren.

Leopold Mozart beschwert sich über das Londoner Wetter:
Es gibt hier eine Art Nationalkrankheit, die "Erkältung" genannt wird ... für Leute, die nicht sehr stark sind, lautet der
beste Rat, England zu verlassen und sofort wieder den Kanal zu überqueren. Es gibt zahlreiche Beispiele für jene, die sich nach diesem Wechsel des Landes sogleich besser fühlten.


Leopold selbst und seine zwei Wunderkinder siedeln lediglich in das idyllische Dorf Chelsea über.
Der achtjährige Amadé schreibt dort sieben Wochen ein Notizbuch mit Noten voll, danach komponiert er 1765 seine erste Symphonie.

Erik Smith hat seine Skzzen so zusammengefaßt:

"Die Begegnung mit dem Knaben Mozart außerhalb der sorgsamen Beaufsichtigung durch seinen Vater, der er sich, während dieser krank war, ganz offensichtlich entziehen konnte, ist eine erstaunliche Erfahrung...  die melodische Erfindung ist der der meisten seiner angesehenen Zeitgenossen bereits weit überlegen, die Form jedes Stückes ist überraschend gutgelungen, und vor allem stoßen wir auf einen Mozartschen Gefühlsausbruch, zumindest in dem g-moll-Divertimento (KV 15p - r), den wir in den vollendeten Schöpfungen jener Jahre vergeblich suchen. In diesem Zusammenhang sei an den Bericht erinnert, den Daines Barrington genau zu jener Zeit über Mozart verfaßte und in dem es über ein von dem Knaben über das Wort »Perfido« improvisiertes »Zornlied« heißt: »Mitten in dem Stück hatte er sich in eine solche Erregung hineingesteigert, daß er auf sein Cembalo wie ein Besessener einschlug und sich dabei manchmal sogar von seinem Stuhl erhob."

Wir sind still, hören staunend dem 8jährigen Genie zu.

KV 15

















6. Januar

Mozart KV 16 Sinfonie

Odyssee 1, 178 - 212

Athene erzählt ihre Story:
Er heiße Mentes und herrsche über die schiffahrtsliebenden Taphier, sei auch schon Gast des Hauses gewesen,
Laertes kenne ihn, aber der komme ja aus Kummer nicht mehr aus seinem Weinberg heraus und hierher, seit Odysseus verschollen ist. Odysseus lebe noch, werde aber von Wilden gefangengehalten.
Ob er denn Telemach, dessen Sohn sei, weil er ihm so ähnele.

Amadé trägt wie Telemach die Gene seines Vaters in sich.
Ebenso seine Schwester Nannerl, die aus Chelsea berichtet:
In London, wo unser Vater bis zum Tode krank lag, durften wir kein Klavier berühren. Um sich also zu beschäftigen,
komponierte Mozart seine erste Symfonie mit allen Instrumenten -  vornehmlich mit Trompeten und Pauken. Ich mußte sie, neben ihm sitzend, abschreiben. Indem er komponirte, und ich abschrieb, sagte er zu mir: 'Erinnere mich, daß ich dem Waldhorn was Rechts zu thun gebe!'

In Mozarts Sinfonien spiegeln sich die verschiedenen Phasen seine Lebens wieder, sie sind geprägt von seiner spontanen Persönlichkeit. KV 16, seine zweite Sinfonie (die erste ist verschollen), in Chelsea komponiert, läßt die Einflüsse Johann Christian Bachs und Abels erkennen, zwei ebenfalls in London ansässige Komponisten.



Der mystischen "Devise Mozarts" (C-D-F-E,  im Takt 7 bis 10 des Andante Hörner) begegnen wir nicht nur im Credo der Missa Brevis KV 186f, im Sanctus der Missa KV 257,  sondern auch im Schlussatz der Jupitersinfonie KV 551, seiner letzten Sinfonie, wieder!

Meister Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn Johann Sebastian Bachs, sitzt klein Amadé beim gemeinsamen Improvisieren auf dem Schoß. Er wird sein wichtigster Mentor. Dessen in Italien gebildeter Stil befruchtet Mozart nachhaltig, wird ihm immer in Ohren bleiben.  Im 2. Satz Klavierkonzert A-Dur (KV 414)  errichtet er ihm ein Denkmal, er verwendet als Thema die vier Anfangstakte einer Ouvertüre von Bach.

Die Unvergänglichkeit Amadés zeigt uns die Mozartband mit Dalla Prima der CD Volcano Allegre,  so muss das Presto der Sinfonie KV 16 von Anfang 1764 klingen! Mitpfeifen! -->

   














7. Januar

Mozart KV 19 Sinfonia

Odyssee 1, 213 - 251

Athene alias Mentes fragt Telemach, warum die Gäste mit so unbändiger Frechheit im Saale schwärmten, ob hier in dem Gewühl ein Gastmahl oder eine Hochzeit stattfinde.
Sein Vater Odysseus, mutmaßt Telemach, sei ein Raub der Sturmesgöttinnen und er selbst ein Raub der Freier geworden. Alle Fürsten Ithakas und der umliegenden Inseln würden um seine Mutter werben. Sie könne die aufgedrungene Vermählung weder ausschlagen noch vollziehen; deshalb verprassten die Schwelger all sein Gut.



Telemach wie Amadé stehen vor neuen Aufgaben.
Mozarts sind von wieder auf dem Kontinent.
Kirchen-, Hof- und Hauskonzerte stehen in Dünkirchen, Lille, Genf, Antwerpen, Rotterdam, Den Haag, Amsterdam, Utrecht und Brüssel auf der Tagesordnung - ein Tourneeprogramm, das die Kräfte aller Beteiligten bis aufs äußerste strapaziert. Der Spaß am Reisen weicht für die Kinder spürbar dem Streß der Verpflichtung, als Wunderkinder zu funktionieren. Ein ehemals lustvolles Abenteuer artet aus in zwanghafte Belustigung.
Amadé schreibt 1765 die erste der drei "holländischen Sinfonien", KV 19. Ihr ist Mozarts Stress ebensowenig anzumerken wie Telemach: begleitet von seinen Hunden geht er souverän vor dem staunenden Volk zu seines Vaters Platz. Ob er dabei das Andante der Sinfonia vorausahnte?















8. Januar

Mozart KV 19d Sonate für Klavier zu vier Händen

Odyssee 1, 252 - 305

Mentes alias Athene beschwört den Moment, wenn Odysseus in der Tür steht und die Freier bestraft, der Zeitpunkt aber hänge allein von den Göttern ab. Er/sie ermahnt Telemach, eine Versammlung einzuberufen, die Freier fortzujagen. Falls die Mutter eine zweite Vermählung wünsche, dann solle sie die haben. Telemach möge nach Pylos und Sparta fahren, um sich bei Nestor und Menelaos nach seinem Vater zu erkundigen. Er solle auch, alt genug sei er, über die Beseitigung der Freier nachdenken, sich an Orestes ein Bespiel nehmen, der Ägisthos umgebracht habe.
Telemach muss selbständig werden, Amadé auch.



Er ist 9, als er die vierhändige Sonate in C komponiert und am 13. Mai 1765, begleitet von Nannerl, in Hickford's Great Room in London,  Brewer Street aufführt, denn für das Geschwisterpaar stehen fremde Kompositionen nicht zur Verfügung; ein noch stark vom Vater und Johann Christian Bach beeinflusstes Werk, aber Mozarts Eigenständigkeit wächst - wie bei Telemach.


Drei Akkordschläge und eine galant dahinschlendernde Fortsetzung eröffnen den ersten Satz. Das Menuett ist von berückendem Charme, und im Final-Rondo kommt überraschend ein Adagio (Athene alias Mentes schwärmt von Odysseus), bevor es mit dem Thema schließt.


KV 19d 1. Satz
KV 19d 2. Satz
KV 19d 3. Satz















9. Januar

Mozart KV 22 Sinfonie Nr. 5 B-Dur

Odyssee 1, 306 - 334

Athene läßt sich von Telemach nicht aufhalten, fliegt als Vogel davon.
Als Phemion vor der still gewordenen Freierschar von der traurigen Heimfahrt der Griechen von Troja singt, hört Penelope das und steigt aus ihren Gemächern hinunter.

Zwei Jahre vor seiner 1765 in Den Haag komponierten dreisätzigen Sinfonie in B-dur hat Amadé die "Mannheimer Walze" kennengelernt.  Gleich nach dem Hauptthema enthält der Allegro-Kopfsatz das typische Beispiel dieser flächigen dynamischen Steigerung. Zwei kontrastreiche Sätze folgen: Das melancholisch gefärbte g-Moll des Andante, dann das ausgelassene Rondo-Finale im Kehraus-Stil (Molto allegro).
Mozart arbeitet (wie Telemach an seiner Selbstfindung) hart an seiner  Karriere, angeschoben von seinem Vater Leopold (wie Telemach von Athene), verehrt von den Fürstenhöfen in ganz Europa, die das sagenhafte Wunderkind am liebsten live erleben, das zudem unablässig Orchesterwerke und Kammermusik, Stücke zum Zeitvertreib und solche zur höfischen Unterhaltung schreibt. 


KV 22 Satz 2: Andante
KV 22 Satz 3: Molto allegro


Sir Neville Marriner






























10. Januar

Mozart KV 23 Arie für Sopran "Conservati fedele" 

Odyssee 1, 335 - 364

Penelope bittet den Sänger Phemios aufzuhören mit diesem traurigen Lied, es zerreiße ihr das Herz in der Brust.
Telemach schickt seine Mutter wieder nach oben zu ihrer Weberei - er sei Herr im Hause. Nicht der Sänger sei schuld an dem Leid, sondern Zeus, der den Menschen ihr Schicksal nach Gutdünken beschere. Und im übrigen sei immer das neueste Lied das beste.
Penelope, erstaunt, verschwindet in ihren Gemächern, trauert um ihren Odysseus, singt

Bewahre die Treue;
denke daran, daß ich zurückbleibe und leide,

und manchmal wenigstens
erinnere dich an mich.

Denn ich werde durch die Macht der Liebe,
indem ich mit meinem Herzen spreche,
mit dir im Gespräche sein.

und wird vom Schlaf übermannt.

Während Phemios von der Griechen Heimkehr singt, läßt Amadé Artaserse singen:

"Conservati fedele;
Pensa ch'io resto, e peno,
E qualche volta almeno
Ricordati di me.

Ch'io per virtù d'amore,
Parlando col mio core,
Ragionerò con te."
Caroline von Oranien-Nassau-Diez

Vermutlich hat Mozart die 1765 nach dem Libretto Metastasios komponierte Arie 1766 für die Prinzessin Caroline von Oranien-Nassau-Diez, seine große Bewunderin, überarbeitet ...
Erstaunlich und unvergleichlich sind Spannweite und Dimension der Empfindung und des musikalischen Formungsreichtums, die Mozart in seinen rund 50 Konzertarien, diesen »Gelegenheitswerken« vielfach höchsten Ranges, zu Gebote stehen. Schon in den frühesten Stücken setzt sich mit der Aneignung der Tradition unüberhörbar und bezwingend der eigene, ein ganz und gar origineller Ton durch, eine tektonisch disponierende Phantasie, die dem Vorgefundenen neuen Sinn eingibt. Die schlichte, empfindsame Arie »Conservati fedele« ist dem Typus der »Aria cantabile« zuzurechnen. Man vergegenwärtige sich, wie Beseelung die musikalische Substanz ergreift.

Am 1. August 1765 um zehn hat das Schiff mit Familie Mozart in Dover abgelegt; auf Drängen des niederländischen Gesandten hat sich Leopold Mozart entschlossen, den Weg über Holland zu nehmen, die finanziellen Aussichten waren so gut.
Amadés Schwester Nannerl erkrankt am Bauchtyphus, steckt ihn an und beide entkommen nur knapp dem Sterben.


KV 23



















11. Januar

Mozart KV 25 Sieben Variationen für Klavier über "Willem van Nassau"

Odyssee 1, 365 - 398

Die Freier lärmen im Saal, ein jeder von ihnen wäre gern an Penelopes Seite.
Telemach fordert Ruhe, man solle dem himmlischen Gesange lauschen.
Zum Tagesanbruch des nächsten Tags beruft er eine Versammlung ein, Thema: Heimkehr aller Freier.
Wenn ihr es so bequemer und lieblicher findet,
Eines Mannes Hab' ohn' alle Vergeltung zu fressen,
Schlingt sie hinab! Ich will anflehn die ewigen Götter,
Ob euch nicht endlich einmal Zeus eure Taten bezahle,
Daß ihr in unserm Haus auch ohne Vergeltung dahinstürzt!

Antinoos fleht Zeus an, dass Telemach nie die Herrschaft des Eilandes übernehmen solle.
Telemach darauf: Hier in diesem Hause bleibe er in jedem Fall der Herr, auf Ithaka gebe es genug andere Fürsten. Er selbst nähme die Herrschaft aber auch an, weil es nicht übel sei, zu herrschen. Sein Haus fülle sich mit Schätzen und er steige im Ansehen.

Wilhelm V. Batavus Prinz von Oranien

Auch Mozart gewinnt zusehends an Ruhm.
Die acht Klaviervariationen KV 24 und die sieben von KV 25 spielt der zehnjährige Amadé (der Vater gibt ihn als Neunjährigen aus) am 11. März 1766 im holländischen Den Haag zur Feier der Volljährigkeit des oranischen Prinzen Willem V. KV 25 variiert die holländische Nationalhymne »Willem van Nassau«. (Das Thema lässt Mozart übrigens auch am Ende des zur gleichen Zeit geschriebenen Orchesterstückes »Gallimathias musicum« KV 32 fugiert erklingen).
Die Huldigungszyklen gehen in die Musikgeschichte als »Graaf«-bzw. »Wilhelmus-Variationen«, gelegentlich auch als »Holland-Variationen« ein. Vater Leopold Mozart charakterisiert sie in einem Brief trocken als »Kleinigkeiten, in der Geschwindigkeit hingeschrieben«. Das Wunderkind variiert die Themen nach bewährten Figurationsmustern. Es sind saubere rationale Stilübungen, die von der Frische der Themen ihr Leben empfangen.


Willem V. war nach dem Tod seines Vaters unter der Vormundschaft des Herzogs  Ludwig Ernst von Braunschweig, Statthalter der Niederlande gestanden. Auch nach seiner Volljährigkeit 1766 überlässt Wilhelm die Leitung der Staatsgeschäfte dem Herzog von Braunschweig. 1767 heiratet Willem in Berlin Wilhelmine von Preußen, die Tochter des Pinzen von Preußen Ausgust Wilhelm. Nachdem diese mit preußischer Hilfe 1787 die Macht der Patrioten in Holland gebrochen hat, wird der unfähige Willem 1795 von den Franzosen vertrieben und flüchtet nach England.

KV 25