Dienstag, 3. Januar 2012

27. Dezember

Mozart KV 621 La Clemenza di Tito

Odyssee 24, 365 - 407


Nachdem Laertes gebadet, gesalbt und das Essen gerichtet ist, kommen der alte Knecht Dolios und seine Söhne müde vom Feld zurück, die Mutter hat sie gerufen, und stehen still im Gemach und staunen. Odysseus lädt sie zum Essen ein, Dolios lobt die Götter, segnet den Heimgekehrten und will wissen, ob es Penelope schon wisse, was Odysseus bejaht.
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Mozart arbeitet bereits an der Zauberflöte, unterbricht die Arbeit für das Requiem und noch im selben Monat braucht Prag für die Krönung von Kaiser Leopold II. zum König von Böhmen dringend eine Festoper.

Antonio Salieri hat aus Terminnot das Angebot der Prager ausgeschlagen,  Mozart übernimmt die Aufgabe.
Inhalt:
Vitellia, die Tochter des ehemaligen Kaisers Vitellius, hasst Titus, weil er sie nicht zur Gattin erwählt hat. Sie überredet ihren Geliebten Sextus, an einer Verschwörung gegen seinen Freund tellzunehmen. Von Annius erfährt sie, dass Titus aus Gründen der Staatsräson seiner Liebe zu Berenice, einer Jüdin, entsagt hat. 
Vitellia schöpft Hoffnung. Annius trifft sich mit Sextus und bittet ihn um die Hand seiner Schwester Servilia, die ihm dieser zusagt. Das Volk begrüsst den siegreichen Kaiser auf dem Forum. Dieser bittet Sextus zu dessen Entsetzen um die Hand seiner Schwester Servilia. Annius will auf seine Braut verzichten, doch diese gesteht dem Kaiser, dass sie nur Annius liebe (Ah, perdona al primo affetto). 
Hochherzig gibt Titus Servilia ihrem Geliebten zurück, während Sextus zu den Verschwörern eilt. 
Publius teilt Vitellia mit, dass der Kaiser sich entschlossen habe, sie zu heiraten. Verzweifelt versucht Vitellia, die Verschwörung aufzuhalten, doch es ist zu spät. Das Kapitol steht in Flammen. Sextus zögert noch, den Mord auszuführen. Im nächtlichen Rom verbreitet sich aber die Nachricht, dass der Kaiser tot sei. Annius berichtet Sextus, der sich töten will, dass nicht der Kaiser, sondern ein Römer, der eine ähnliche Toga trug, getötet worden sei. Vitellia rät zur Flucht, doch Annius will sich dem Gericht stellen. 
Sextus wird durch Publius verhaftet und vom Senat zum Tod in der Arena verurteilt (Tu fosti tradito). Titus kann nicht glauben, dass sein Freund ihn verraten hat. Tief erschüttert lässt er Sextus vorführen. Dieser bekennt dem Kaiser seine alleinige Schuld und Reue, ohne aber den wahren Grund zu nennen, weil er Vitellia schonen will. Nachdem Sextus wieder abgeführt worden ist, bedenkt Titus die Sinnlosigkeit eines Herrschertums, das nur auf Tyrannei gegründet ist. Vitellia hat sich, nachdem auch Servilia und Annius umsonst um Gnade für den Verurteilten gebeten haben, entschlossen, Titus zu gestehen, dass sie selbst die Tat geplant hat. Als die Verurteilten schon zum Tod geführt werden sollen, fällt sie dem Kaiser zu Füssen und bekennt ihre Schuld. Titus ist bewegt und begnadigt die Verschwörer. Das Volk jubelt dem gütigen Herrscher zu.

Die Geschichte des Kaisers Titus ist bereits mehrfach vertont: wie sich der Herrscher seinen Verschwörern gegenüber gnädig zeigt, ja sogar auf seine eigene Liebe verzichtet, um jene glücklich zu machen.
Amadé bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Der materielle Druck und die Sorge um die Familie zwingen Mozart trotz Krankheit (und Reisestrapazen) zum Aufbruch nach Prag. Constanze und Franz Xaver Süßmayr, den Mozart mit der Komposition der Rezitative beauftragt hat, begleiten ihn. 
Was in Wien begonnen wurde, wird während der dreitägigen Fahrt fortgesetzt, kurz vor der Premiere in Prag ist es vollendet.
Mozarts Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Die Ahnung des nahenden Todes läßt ihn immer schwermütiger werden. 
Der Erfolg der Titus-Premiere am 6. Dezember ist mäßig. 
Verständlich, denn der Komponist hat jetzt nur noch die Zauberflöte im Kopf, die er noch in Prag wieder in Arbeit nimmt.
Die Arbeitsüberlastung dieser letzten Tage und die anstrengende Rückreise nach Wien werden ihm endgültig das Leben kosten.




Jeder Blick aus dem Reisewagen ist ein unbewusstes Abschiednehmen von dieser vorbeieilenden Welt, die er nie richtig zu fassen vermochte und der er schließlich selbst fremd wurde. Was ihm bleibt, sind die Freimaurerideale einer besseren Welt, auf die er nun seinen Glauben an das Leben stützt.
Der höfische Anlass der Komposition, aber auch die aufklärerische Humanitätsidee spiegeln sich im Sujet der Titus-Oper wider, einer Verherrlichung der Milde des Herrschers gegenüber den Intrigen menschlicher Leidenschaften. Mit der Komposition des Librettos von Pietro Metastasio stellt sich Mozart nach Idomeneo überraschend wieder in die Gattungstradition der Opera seria.
Amadé lockert aber die strenge formale Abfolge des dramatischen Aufbaus dieser Gattungstradition auf, der sächsische Hofdichter Caterino Mazzolà gestaltet die Textvorlage in Mozarts Sinn neu. Die Ensemble- und Finalszenen unterbrechen die traditionelle Funktionsverteilung von Rezitativ und Arie. Mozart setzt die unterschiedliche Arienausformung bewusst zur differenzierten Zeichnung der inneren Konflikte ein, eine subtile musikalische Gestaltung von oft klassizistisch anmutender Einfachheit entsteht. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war La Clemenza di Tito eine der beliebtesten Mozartopern, geriet aber bald in Vergessenheit, um erst im 20. Jahrhundert wieder häufiger aufgeführt zu werden.



Ständetheater Prag Uraufführung Titus 6. Sept. 1791
Anstatt nach Rache zu dürsten wie die Verwandten der Freier auf Ithaka, lässt Titus in Rom Gnade walten. 
Der programmatische Inhalt der Titus-Oper, der das Bild des edlen, zur Vergebung bereiten Kaisers zeichnet, soll Leopold II. als Motto vor Augen gehalten werden:
Inmitten bösartiger Intrigen, ja selbst angesichts des Verrates durch seinen Jugendfreund Sesto beharrt der römische Kaiser auf der Herrschertugend der Großmut (ital. clemenza „Großmut“, „Verzeihung“). 


KV 621 Ouverture
KV 621 Atto I
KV 621 Finale


Recitativo
VITELLIA
Ma chè? sempre l'istesso,
Sesto, a dirmi verrai? So che sedotto
fu Lentulo da te; che i suoi seguaci
son pronti già; che il Campidoglio acceso
darà moto a un tumulto. Io tutto questo
già mille volte udii: la mia vendetta
mai non veggo però. S'aspetta forse
che Tito a Berenice in faccia mia
offra d'amor insano
l'usurpato mio trono, e la sua mano?
Parla, di', che s'attende?


SESTO
Dio!


VITELLIA
Sospiri?


SESTO
Pensaci meglio, oh cara,
pensaci meglio. Ah, non togliamo in Tito
la sua delizia al mondo, il padre a Roma,
l'amico a noi.


VITELLIA
Dunque a vantarmi in faccia
venisti il mio nemico? e più non pensi
che questo eroe clemente un soglio usurpò
dal suo tolto al mio padre?
Che mi ingannò, che mi sedusse, (e questo
è il suo fallo maggior) quasi ad amarlo?
E poi, perfido! e poi di nuovo al Tebro
richiamar Berenice! Una rivale
avesse scelta almeno
degna di me fra le beltà di Roma:
ma una barbara, Sesto,
un'esule antepormi, una regina!


SESTO
Ah, principessa,
tu sei gelosa.


VITELLIA
Io!


SESTO
Sì.


VITELLIA
Gelosa io sono,
se non soffro un disprezzo?


SESTO
Eppur...


VITELLIA
Eppure non hai cor d'acquistarmi.


SESTO
Io son...


VITELLIA
Tu sei
sciolto d'ogni promessa. A me non manca
più degno esecutor dell'odio mio.


SESTO
Sentimi!


VITELLIA
Intesi assai.


SESTO
Fermati!


VITELLIA
Addio.


SESTO
Ah, Vitellia, ah, mio nume,
non partir! Dove vai?
Perdonami, ti credo, io m'ingannai.


Duetto
SESTO
Come ti piace imponi:
regola i moti miei.
Il mio destin tu sei;
tutto farò per te.


VITELLIA
Prima che il sol tramonti,
estinto io vo' l'indegno.
Sai ch'egli usurpa un regno
che in sorte il ciel mi diè.


SESTO
Già il tuo furor m'accende.


VITELLIA
Ebben, che più s'attende?


SESTO
Un dolce sguardo almeno
sia premio alla mia fé!


VITELLIA,
Fan mille affetti insieme
battaglia in me spietata.
Un'alma lacerata
più della mia non v'è.
ch'io mi lagni, oh crudele!..


Rezitativ
VITELLIA
Doch wie? Sextus, immer dasselbe
kommst du mir zu sagen? 
Ich weiß, daß du Lentidus überredet hast, 
daß seine Getreuen
schon bereit sind, daß das brennende Kapitol
einen Aufruhr entfachen wird. 
All das habe ich schon tausendmal gehört; 
meine Rache hingegen sehe ich noch nicht. 
Vielleicht erwartet man, 
dass Titus vor meinen Augen Berenice
in falscher Liebe
meinen Thron und seine Hand anbietet?
Sprich, sag, was wartet ihr?


SEXTUS 
Oh Gott!


VITELLIA 
Du seufzt!


SEXTUS
überleg es besser, Teure,
Überleg besser. 
Ach, nehmen wir in Titus nicht der Welt die Freude, 
Rom den Vater,
uns den Freund. 
Finde in den alten Geschichten seinesgleichen, 
wenn du es kannst. 
Erfinde einen großzügigeren Helden und einen milderen.

Unnütz, verloren, sagt er, ist ein Tag, 
an welchem er nicht jemanden glücklich gemacht hat.


VITELLIA
Du kamst also, um mir ins Gesicht
meinen Feind zu loben? 
und du bedenkst nicht mehr, 
dass dieser gütige Held einen Thron beansprucht,
den sein Vater dein meinen entrissen hat?
Dass er mich betrog, dass er mich 
(und das ist sein schlimmstes Vergehen) 
fast dahin brachte, ihn zu lieben. 
Aber eine Barbarin, Sextus,
eine Verbannte, mir, einer Königin, vorzuziehen!


SEXUS
Ach, Prinzessin,
du bist eifersüchtig.


VITELLIA 
Ich!


SEXTUS
Ja


VITELLIA
Ich bin eifersüchtig,
wenn ich eine Beleidigung nicht dulde?


SEXTUS
Und doch ...


VITELLIA
Und doch hast du nicht das Herz, mich zu erobern.


SEXTUS
Ich bin ...


VITELLIA
Du bist
von jedem Versprechen frei. Mir fehlt es nicht
an einem würdigeren Vollstrecker meines Hasses.


SEXTUS
Hör mich an!


VITELLIA
Ich hörte genug.


SEXTUS
Bleib!


VITELLIA
Leb wohl.


SEXTUS
Ach Vitellia, ach meine Göttin,
geh nicht fort! Wohin gehst du?
Verzeih mir, ich glaube dir, ich irrte mich.


Duett
SEXTUS
Wie es dir gefällt, so befiehl es: 
Lenke meine Gefühle.
Du bist mein Schicksal;
Alles werd' ich für dich tun.


VITELLIA
Ehe die Sonne untergeht,
Will ich, daß der Unwürdige vernichtet sei. 
Du weißt, dass er ein Reich beherrscht, 
Das der Himmel mir bestimmte.

SEXTUS
Dein Zorn entflammt mich schon.


VITELLIA
Nun gut, was wartet man noch? -


SEXTUS
Wenigstens ein holder Blick 
Sei der Lohn für meine Treue!


BEIDE
Tausend Gefühle zugleich liegen 
In mir in wildem Kampf.
Eine gequältere Seele
Als die meine gibt es nicht.


































Sestetto con Coro
SESTO
Tu, è ver, m'assolvi, Augusto;
Che piangerà l'errore,
Furchè memoria avrà.


TITO
Il vero pentimento,
Di cui tu sei capace,
Val più d'una verace
Costante fedeltà.


VITELLIA, SERVILIA, ANNIO
Oh generoso! oh grande! 
E chi mai giunse a tanto? 
Mi trae dagli occhi il pianto 
L'eccelsa sua bonità.


TUTTi (senza Tito)
Eterni Dei, vegliate 
Sui sacri giorni suoi, 
A Roma in lui serbate 
La sua felicità


TITO
Troncate, eterni Dei,
Troncate i giorni miei,
Quel dì che il ben di Roma
Mia cura non sarà.


TUTTI E CORO (senza Tito) 
Eterni dei, vegliate
Sui sacri giorni suoi,
A Roma in lui serbate 
La sua felicità.




SEXTUS
Es ist wahr, du vergibst mir, Herr, 
Doch mein Herz vergibt mir nicht,
Das bereuen wird den Fehler,
Solange es Erinnerung hat.


TITUS
Die wahre Reue,
Derer du fähig bist,
Gilt mehr als aufrichtige
Dauerhafte Treue.


VITELLIA, SERVILIA, ANNIUS
Oh, Großmütiger! Oh Großer!
Und wer gelangte je so hoch?
Seine erhabene Güte läßt die Tränen 
Aus den Augen fließen.


ALLE (ohne Titus)
Ewige Götter, wachet
Über seine heiligen Tage, 
In ihm bewahret
Das Glück Roms.


TITUS
Beendet, ewige Götter,
Beendet meine Tage,
Dann, wenn das Gedeihen Roms
Nicht mehr meine Sorge sein wird.


ALLE (ohne Titus) 
Ewige Götter, wachet
Über seine heiligen Tage,
In ihm bewahret 
Das Glück Roms.




















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