Dienstag, 3. Januar 2012

15. Januar

Mozart KV 32 Galimathias musicum (Quodlibet)

Odyssee 2, 84 - 128

Als einziger in der Versammlung hält Antinoos dagegen:
Er gibt alle Schuld Penelope, Telemachs Mutter. Sie halte die Freier bald vier Jahre hin, habe versprochen, wenn sie den Mantel fertig gewebt, werde sie einem der Freier das Ja-Wort geben. Eine ihrer Mägde habe Penelopes Betrug offenbart, nachts habe sie das, was sie am Tag gewebt, wieder aufgetrennt. Telemach solle seine Mutter zu Ikarios ihren Vater schicken, um einen der Freier zu wählen. Antinoos droht an, eher würden die Freier nicht weichen.


Hendrik Hooft 

In den Niederlanden herrschen ähnliche Spannungen wie auf Ithaka.
Nach dem Tod seines Vaters 1751 steht Wilhelm V. seit 1759 unter der Vormundschaft des Herzogs Ludwig Ernst von Braunschweig, gegen den die Patriotenbewegung unter Leitung von Joan Derk van der Capellen tot den Pol, Hendrik Hooft und Jan Bernd Bicker heftig opponiert. Hendrik Hooft, reicher Kaufmann und Amsterdams Bürgermeister, erfährt in der vorwiegend jungen, republikanisch gesinnten Bevölkerung großen Zuspruch. Ihr Bestreben richtet sich gegen den vermehrt monarchischen Machtanspruch des Hauses Oranien-Nassau, die Patrioten wollen die Wiedereinführung einer starken republikanischen Regierung.

Komponiert hat Mozart das Quodlibet als amüsante Festmusik zur Feier der Installation Whilhelms V. (siehe 11. Januar) zum Erbstatthalter der Niederlande im März 1766 im Haag. »Verworrenes Zeug reden« bedeutet das aus der Mode gekommene Sprichwort »Galimathias reden«. Die disparaten Einzelsätze knüpft Amadé zu einer vorgeblichen Einheit zusammen, mit den üblichen Gattungsbezeichnungen ist sie nicht zu fassen.
Dass es Mozart hier um einen musikalischen Spaß geht, direkt und süddeutsch derb, beweist sich an allen Ecken und Enden. Schon die unterschiedlichen, eine zyklische Abrundung verhindernde Tonarten der ersten (D-dur) und letzten (F-dur) Nummer sind symptomatisch.



Aber auch naiv-plakativ gesetzte musikalische Scherze, wie die orientalisch anmutenden Dissonanzen der Melodiestimme im Quintenbaß (Nr. 4), der harte Abbruch der Schlußkadenz im Übergang von Nummer 5 zu Nummer 6, der im vierstimmigem Chorsatz blödelnd malträtierte »Vanitas«-Gedanke (»Eitelkeit! Eitelkeit! ewig's Verderben! wenn all's versoffen ist, gibts nichts zu erben«)


oder der mehr als bescheidene, etüdenhafte Cembalosatz von Nummer 13 und einige Anleihen beim Volkslied Eahna achte müassens sein (acht Sauschneider!) oder beim Schuhplattler (Nr. 5) deuten auf den nicht allzu tiefsinnigen Charakter hin, aber immerhin gibt es auch eine Schlussfuge: Sie verwendet die holländische Nationalhymne Willem von Nassau. 

„Galimathias“ (franz. Ungereimtes, Unsinn) = Nonsens-Couplets im Alt-Wiener Volkstheater















Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen