Dienstag, 3. Januar 2012

17. Januar

Mozart KV 35 Die Schuldigkeit des ersten Gebots

Odyssee 2, 177 - 207

In der Volksversammlung auf Ithaka geht es hoch her:
Eurymachos verspottet Alitherses, er solle nach Hause gehen und seinen Kindern das Schicksal deuten. Die Adler sonnten sich, aber würden kein Schicksal verkünden, Odysseus sei in der Ferne verstorben, Telemach solle mit seiner Mutter Penelope zu ihrem Vater gehen und die Hochzeit ausrichten für einen der Freier.
Bis sich Penelope entschieden habe, würden die Freier weiter feiern, davon bringe sie niemand ab, auch keine bösen Vorzeichen am Himmel.



Wie bei der Diskussion auf Ithaka geht es im Oratorium des 11 Jahre alten Amadé um eine Moralpredigt im Sinne der Vernunft. Der laue Christ steht zwischen den Verlockungen des Weltgeistes und den Ermahnungen der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und des Christgeistes, allegorischen Personifikationen.
Der unfreiwillige Heiterkeitserfolg, den die moralisierenden Rezitative heute hervorrufen, erschwert die Wiederbelebung des Stücks in der Konzertpraxis; was bleibt, ist die Bewunderung der Frühreife und Könnerschaft des kindlichen Genies.

Dass am 12. März 1767 ein Oratorium des zehnjährigen Wolfgang Mozart (Mozart war 11!) ganz hervorragend geklungen habe, belegt das Protokoll des Salzburger Universitätsgymnasiums - Titel:
Die Schuldigkeit des ersten Gebots: Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben von ganzem Deinen Herzen, von Deiner ganzen Seel, von Deinem Gemüth, und aus allen Deinen Kräften. In drey Theilen zur Erwegung vorgestellt von J.A.W.

Fünf Solisten: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Weltgeist als Sopran, Christgeist und Christ als Tenor. Ochester mit den üblichen Streichern sowie  Oboen, Fagotten und Hörnern, an zwei Stellen Altposaune.
Die vollständige Aufführung der drei Teile dauert mehrere Stunden.
Ein ergrimmter Löwe brüllet malt in Fagotten und  Hörnern die Schrecken des ergrimmten Raubtiers. Ein anschließender zweiter Teil schildert die Idylle des schlafenden, seiner Gefahr nicht achtenden Jägers. Das Kontrastpaar wird wiederholt, die Arie ist also vierteilig angelegt usw. usw. Secco   und   Accompagnato wechseln ständig erregt, und wenn die Stimme des Gerichts ertönt, bricht drohend die Altposaune ein. 
Weltgeist lässt nicht locker. Bis zum hohen D klettert er, um die Grämlichkeit dessen, der die Freuden der Welt verachtet, flott und fast ironisch darzustellen.
















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