Dienstag, 3. Januar 2012

19. Januar

Mozart KV 38 Apollo et Hyacinthus seu Hyacinthi Metamorphosis

Odysse 2, 257 - 295

Die Volksversammlung in Ithaka löst sich auf, die Freier gehen zurück zum Haus des Odysseus, Telemach betet am Strand, verzagt. Ihm erscheint Göttin Athene in Mentors Gestalt. Zwar seien die wenigsten Kinder so tüchtig wie ihre Väter, aber er solle allen seinen Mut zusammennehmen, sein Ziel zu erreichen. Die Freier werde ihr Schicksal ereilen, er selbst, so Mentor/Athene, werde ihm das Schiff rüsten, ihn auf der Reise begleiten und Freiwillige suchen als Ruderer.
Eine wunderbare Blume wächst aus des Hyazinthos Grab, im Schmerz über den Tod des Knaben  lässt Apollo sie sprießen ...


Amadé bewegt sich im Mythen-Kreis von Hellas, wo die Göttin Athene Telemach ermutigt, endlich sein Schicksal selbst zu bestimmen.
Benediktiner-Pater Rufinus, alias Philosophieprofessor Widl verfasst zur traditionellen Aufführung am Schulende des Universitätsgymnasiums in Salzburg das Theaterstück Clementia Croesi - auf Lateinisch versteht sich. Die hierzu in Inhalt und Aufbau sinnvolle Ergänzung ist die ebenfalls vom Pater verfasste Comedie Apollo et Hyacinthus, die von der Liebe des Apollo zu dem schönen Jüngling Hycinthos handelt, den der Gott im Spiel unabsichtlich tötet.
Das heikle Thema der Knabenliebe vermeidet der Pater, er führt einfach zwei weitere Personen ein: als Vater des Hyacinthus den Oebalus und als Schwester des Knaben die Melia, die nun Gegenstand der Liebe Apollos wird.

Der elfjährige Amadé, der zwischen zwei langen Tourneen - 4 Jahre England, Frankreich, Holland und bald über ein Jahr Wien - in Salzburg an seiner Fortbildung im Kontrapunkt und Komponieren von Anfang Dezember bis April arbeitet (Die Schuldigkeit des ersten Gebots und eine wunderbare Grabmusik entstehen) soll die lateinische Komödie vertonen.
Das kindliche Musikgenie erfüllt den Auftrag meisterlich. Das Duett (Nr. 8 Natus cadit) ist eines jener unerklärlichen Wunder mozartscher Musik, die noch 200 Jahre später ins Erstaunen versetzt.

KV 38: Prologus
KV 38: 1. Chrous "Numen o Latonium!"
KV 38: 2. Aria "Saepe terrent Numina"
KV 38: 4. Aria "Laetari"
KV 38: 6. Duetto "Discede crudelis!"
KV 38: 8. Duetto "Natus cadit"
KV 38: 9. Terzetto "Tandem post turbida"

Nr. 1
CHORUS
Numen o Latonium!
Audi vota supplicum,
qui ter digno
Te honore
certant sancte colere:
hos benigno Tu favore

subditos prosequere.
OEBALUS
O Apollo, creditam
tibi semper protege

CHOR
Gottheit aus Latonas Schoß!
Hör' der Flehenden Gebet,
dreifach würdig du der Ehre,
die sie dir wetteifernd weihn:
deine Güte, deine Huld
folge ihnen immerdar.

OEBALUS
O Apoll, schütze
stets und würdige
deines Lichtes
mein Land Lakonien.

CHOR
Gottheit aus Latonas Schoß! usw.
et dignare lumine
Oebali Laconiam.

CHORUS
Numen o Latonium, etc.


Nr. 2
HYACINTHUS
Saepe terrent Numina,
surgunt et minantur,
fingunt bella,
quae nos angunt,
mittunt tela,
quae non tangunt;
at post ficta nubila
rident et iocantur.

Et amore
et tremore
gentes stringunt subditas;
nunc amando,
nunc minando
salva stat auctoritas.

Saepe terrent, etc.
HYAZINTH
Oft schrecken die Götter,
stehen auf und drohen,
täuschen Krieg vor,
der uns ängstigt,
schleudern Pfeile, die nicht treffen;
aber nach gespieltem Wetter
lachen sie und scherzen wieder.


Wie durch Huld,
so auch durch Schrecken
binden sie an sich die Völker:

jetzt auf Liebe,
jetzt auf Strenge
ruhet ihre Herrlichkeit

Oft schrecken die Götter, usw

Nr. 4
MELIA
Laetari, iocari
fruique divinis honoribus stat,
dum Hymen optimus
taedis et floribus
grata beata
conubia iungit et gaudia dat.
lam diva vocabor,
si Numen amabo;
per astra vagabor
et nubes calcabo:
et urbes, et regna devoveant se,
et Fauni adorent et Satyri me.
Laetari, iocari, etc
MELIA
Lust und Scherzen und göttlicher Ehren
Genuß erwartet mich,
wenn Hymen, der treffliche,
mit Fackeln und Kränzen
das beglückende Eheband
knüpft und Freuden schenkt.

Schon werd' ich Göttin heißen,
wenn ich den Gott liebe;
durch Sterne werd' ich schweifen,
auf Wolken treten:
und Städte und Reiche
werden mich verehren,
Faune und Satyrn mich anbeten.

Lust und Scherzen und göttlicher Ehren


Nr. 6
MELIA
Discede crudelis!
gaudebo, tyrannus si deserit me!
Vah! insolentem,
qui violat iura!
Discede! discede! nam metuo te.

APOLLO
Est, crede! fidelis,
est mitis Apollo, qui deperit te.
Quid? innocentem
sie abicis dura!
sie perdis amicum, si reicis me.

Quem coeli premunt inopem,
an terris agat exsulem?
Manebo!
Quousque resederit dira,


MELIA
Entweiche, du Böser! Mich freut's,
wenn der Tyrann mich verläßt!
Pah! Du Frecher,
der das Recht bricht!
Entweiche! Entweiche,
denn ich fürchte mich vor dir!

APOLLO
O glaube doch, treu ist und milde
Apollo, voll Liebe zu dir.
Einen Schuldlosen,
Harte, verwirfst du!
Einen Freund verlierst du,
wenn du mich verschmähst.

Soll ich, hilflos gegen des Himmels Groll,
auch auf Erden den Verbannten spielen?
Ich will bleiben!
Bis der Zorn, der das Herz verwundet,
der grimmige, sich gelegt hat,
verberg ich mich.

MELIA
Entweiche, usw.


Nr.  8
OEBALUS
Natus cadit,
atque Deus
me nolente,
nesciente
laesus abit.
Regnum sine Numine
iam non diu stabit:
Numen! quaeso, flectere,
et ad nos revertere!

MELIA
Frater cadit,
atque meus
te iubente,
me dolente
sponsus abit.
Sponsa sine complice
quaeso, quid amabit?
Noli sponsam plectere!

Numen! ah regredere.OEBALUS
Der Sohn tot, der Gott,
ohne daß ich es will,
ohne daß ich es weiß,
beleidigt, verläßt uns.
Ohne Gottes Schutz
wird das Reich nicht lang bestehen:
o Gott, ich flehe,
laß dich umstimmen,
kehre zu uns zurück!


MELIA
Der Bruder tot,
auf dein Geheiß,
zu meinem Schmerz
verläßt mich der Verlobte.
Braut ohne Bräutigam,
ich bitte dich,
wen soll sie lieben?
Strafe nicht die Geliebte!
Gottheit, ach, kehre zurück!


Nr. 9
APOLLO
Tandem post turbida
fulmina, nubila,
tonantis murmura
pax alma virescit
et explicat se.

MELIA
Post vincla doloris
nos iungit amabile pignus amoris.
Post fata beata
nos taeda coronat et erigat te.

OEBALUS
Post bella furoris
vos iungit amabile pignus amoris.
Post fata optata
vos taeda coronat et excitat me.

APOLLO
Post monstra pavoris
nos iungit amabile pignus amoris.
Post fata sperata
nos taeda Coronet et erigat te.

APOLLO
Endlich nach stürmischen
Wettern und Blitzen,
Grollen des Donners
Grünt uns der Friede
Und tut sich auf.

MELIA
Nach schneidenden Schmerzen
vereint uns der Liebe entzückender Bund.
Nach glücklicher Fügung
kröne uns die Ehe und richte dich auf.

OEBALUS
Nach wütenden Kämpfen
vereint euch der Liebe entzückender Bund.
Nach erwünschter Fügung
krönt euch die Ehe und richtet mich auf.

APOLLO
Nach Schreckens Gespenstern
vereint uns der Liebe entzückender Bund.
Nach erwünschter Fügung
kröne uns die Ehe und richte dich auf.

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