Dienstag, 3. Januar 2012

9. Februar

Mozart  KV 86 (73v) Antiphone "Quaerite primum regnum dei"
     
Odyssee 4,  1 - 27

Als Telemach und sein Begleiter Peisitratos in Sparta eintreffen, verabschieden sich gerade die frisch vermählten Kinder von ihrem Vater, König Menelaos.    
Seine Tochter Hermione hat er mit dem Sohn des Achilleus vermählt, seinen Sohn Megapenthes mit Alektors Tochter. Der Abschiedsschmaus des Hochzeitsfestes ist in vollem Gang, als die beiden fremden Besucher gemeldet werden.


In Bolgna ist zwar kein Hochzeitsschmaus im Gange, aber dort geschieht wieder ein Mozartsches Wunder. Zur kurzen Antiphone KV 86 - in nur einer halben Stunde komponiert - gibt es eine lange Geschichte, die Leopold an seine Frau und Amadés Mutter berichtet:
"Er must nämlich den 9ten october nachmittag um 4 Uhr auf dem accademischen Saal erscheinen; alda gab ihm der Princeps accddemiae und die 2 Censores - die alle alte Capellmeister sind - in gegenwart aller Mittglieder eine antiphona aus einem antiphonario vor, die er in einem Nebenzimmer, wohin ihn der Pedellus führte und die thüre zuschloss, 4 Stimmig setzen muste. Nachdem er solche fertig hatte, wurde solche von den Censoribus und allen Capellmeistern und Compositoribus untersucht, und alsdann darüber Votiert, welches durch weis und schwarze Kugeln geschieht.
   da nun alle Kugeln weis waren; so wurde er geruffen, und alle Klatschten bey seinem Eintritte mit den Händen und wünschten ihm glück; nachdem ihm vorher der Princeps accademiae im Nahmen der Gesellschaft die Aufnahme angekündigt hatte. Er bedankte sich, und dann war es vorbey. Herr Prinsechi und ich waren unteressen auf einer anderen Seyte des Saals in der accademischen Bibliotheck eingesperrt. alle verwunderten sich, daß er es so geschwind fertig hatte, da manche 3 Stunde mit einer Antiphona von 3 zeihlen zugebracht. N. B. du must aber wissen, daß es nichts leichtes ist, indem diese Art der Composition viele Sachen ausschlüssset die man nicht darinne machen darf, und das man ihm vorhero gesagt hat. Er hatte es in einer starken halben stunde fertig."


In Rom ist Amadé von Papst Clemens XIV. mit dem Orden vom Goldenen Sporn ausgezeichnet worden. Ob der Papst allerdings Zeit und Muße hatte, sich mit einem welschen Wunderkind näher zu befassen, erscheint zweifelhaft. Gerade mal ein Jahr war er in Amt und Würden, erst im 185. Wahlgang gewählt und nahezu nur mit den Jesuiten beschäftigt, die kurz darauf verboten werden - hartnäckig hält sich die Meinung, dass dieser mächtige Orden den Papst vier Jahre später vergiftete.


KV 86

Quaerite primum regnum
Dei et justitiam ejus:
Et haec omnia
adjicientur vobis.
Alleluja.


Suchet zunächst das Reich Gottes
und seine Gerechtigkeit:
und dies alles
soll euch zuteil werden,
Alleluja.


PS
Was Leopold in seinem Brief allerdings verschweigt: Martini legte die von ihm verfaßte exemplarische Fassung der Antiphon als Arbeit Mozarts der Jury vor ...  













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