Dienstag, 3. Januar 2012

15. März

Mozart KV 193 (186g) Dixit und Magnificat C-Dur 

Odyssee 5, 145 - 179

Odysseus' Liebe zur Nymphe Kalypso ist erloschen, er will weg, zurück auf seine Heimatinsel. Kalypso kommt zu ihm an den Strand, wo er weinend sitzt, gebietet ihm, Bäume zu fällen, ein Floß zu bauen. Sie werde ihn mit Proviant und Kleidern versehen.
Odysseus argwöhnt, sie meine es nicht ehrlich. Sie solle ihm schwören, dass sie nichts Böses im Schilde führe.
  


Auch Mozart scheint es, wie Odysseus, eilig zu haben, von Salzburg weg zu kommen. 1774 vertont Amadé - zu seiner Zeit üblich - zur Teilvesper KV 193 nur die beiden Ecksätze, Psalm 109 und das Canticum Magnificat.
Höchst charakteristisch für die Fähigkeit des siebzehnjährigen Mozart ist es, wie er  die formale Knappheit mit äußerster Prägnanz der Textausdeutung verbindet. Die Solisten treten völlig zurück hinter den Chor. Bedeutende Textaussagen hebt Amadé hervor, so im Psalm das Juravit Dominus und das Judicabit. Erst bei Gloria Patri kommt im Psalm die Bewegung kurz zur Ruhe, um dann gleich einem lebhaften Fugato zu weichen, das den Psalm festlich beschließt.
Ein strengeres kompositorisches Prinzip waltet im Magnificat vor: die Intonation der Choralmelodie, die der Komponist gleich zu Beginn exponiert, faßt alle Verse wie eine Klammer zusammen und demonstriert damit die Bindung an die Liturgie. Auch hier herrscht imitatorischer Kontrapunkt vor, hebt Mozart wieder wichtige Aussagen wie Fecit potentiam und Suscepit Israel imitatorisch hervor. Er schließt mit einer Fuge über Et in saecula und wartet sogar mit der schulmäßigen Engführung auf.
KV 193: Magnificat

I. Dixit Dominus
Dixit Dominus Domino meo: sede a dextris meis,
donec ponam inimicos tuos scabellum pedum tuorum,

Virgam virtutis tuae emittet Dominus ex Sion:
dominare in medio inimicorum tuorum.

Tecum principium in die virtutis tuae, in splendoribus sanctorum:
ex utero ante luciferum genui te.

Juravit Dominus et non poenitebit eum:
Tu es sacerdos in aeternum secundum ordinem Melchisedech.

Dominus a dextris tuis confregit in die irae suae reges.
Judicabit in nationibus, implebit ruinas;
conquassabit capita in terra multorum.

De torrente in via bibet: propterea exaltabit caput.
Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto.
Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in saecula saeculorum.
Amen.

II. Magnificat
Magnificat anima mea Dominum, et exsultavit Spiritus meus in Deo salutari meo.
Quia respexit humilitatem ancillae suae: ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes.
Quia fecit mihi magna qui potens est, et sanctum nomen ejus.
Et misericordia ejus a progenie in progenies timentibus eum.
Fecit potentiam in brachio suo: dispersit superbos mente cordis sui.
Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles.
Esurientes implevit bonis: et divites dimisit inanes.
Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordia suae.
Sicut locutus est ad patres nostros, Abraham et semini ejus in saecula.
Gloria Patri, etc.



I. Dixit Dominus
Der Herr sprach zu meinem Herrn:
setze dich zu meiner Rechten: bis daß
ich deine Feinde als Schemel dir zu Füßen lege.
Das Zepter deiner Macht streckt der Herr durch Sion aus:
zu herrschen inmitten deiner Feinde.
Bei dir war die Herrschaft am Tag deines Anfangs im Glanz der Heiligen:
vor dem Morgenstern, dem Frühtau gleich, habe ich dich gezeugt.
Der Herr hat geschworen und es hat ihn nicht gereut:
du bist der Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech.
Der Herr zu deiner Rechten: am Tage seines Zorns
wird er Könige zerschmettern.
Er wird über die Völker zu Gericht sitzen, er häuft
die Toten; er wird die Häupter vieler auf der Erde
zertrümmern.
Aus dem Bach am Wege trinkt er: deswegen wird er sein Haupt erheben.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.



II. Magnificat
Hoch preiset meine Seele den Herrn und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heiland.
Denn er hat angeschaut die Niedrigkeit seiner Magd: siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter.
Denn Großes hat an mir getan, der mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten.
Er übet Macht mit seinem Arme und zerstört, die hoffärtigen Geistes sind.
Die Mächtigen stürzt er vom Throne und erhöhet die Demütigen.
Die Hungrigen erfüllt er mit Gütern und die Reichen läßt er leer ausgehen.
Er nimmt sich Israel, seines Knechtes, an, eingedenk seiner Barmherzigkeit.
Wie er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Ehre sei dem Vater, etc.
















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