Dienstag, 3. Januar 2012

29. März

Mozart KV 208 Il Rè pastore

Odyssee 6, 85 - 109


So sieht er heute aus der Strand, wo Nausikaa und ihre Mägde die Pferde abspannen und weiden lassen. Die Mächen waschen, legen die Wäsche auf dem Ufer des Meeres in die Sonne zum Trocknen, baden, salben sich mit Öl, nehmen ein Mahl und beginnen mit Ball spielen. Nausikaa, in ihrer Anmut an Artemis erinnernd, singt ein Lied.  





Mit einem ähnlichen Idyll wie den waschenden Mädchen verzaubert uns Amadé in seiner Serenata vom königlichen Hirten Aminta.
1775 wird Erzherzog Maximilian Franz Salzburg besuchen. Zu diesem Anlaß gibt Fürsterzbischof Hieronymus Colloredos Mozart den Auftrag, die Serenata in zwei Akten Il re pastore nach dem Libretto von Pietro Metastasio zu komponieren. Die im Titel thematisierte Einheit von Königtum und Naturverwurzelung drückt Amadé musikalisch aus durch die Verbindung von Instrumenten mit traditioneller Hirtenspiel-Konnotation (wie etwa Flöten) und Tonarten sowie Gattungen, die Mozart häufig als Chiffre für Herrscher (Es-Dur) oder höfisches Verhalten (Menuett) einsetzt.
Die undramatische aber verwickelte Handlung spielt in Griechenland ein paar Jahrhunderte nach der Odyssee, sie behandelt eine Episode aus dem Leben von Alexander dem Großen.
Der Problematik fehlender äußerer Dramatik, die aus der mehr aus Missverständnissen als existentiellen Konfliktsituationen bestehenden Handlung resultiert, begegnet Mozart, indem er die Arien zum Ausdruck eines inneren Dramas werden lässt und so eine dramaturgische Fortschreitung innerhalb der Oper erzielt.
In der Aminta-Aria Aer tranquillo e dì sereni findet der junge Komponist einen unerwechselbaren Ton, in dem Szene, Affekt und Musik in eins fallen. Die Uraufführung findet statt im April 1775 - akklamiert vom hoch aristokratischen Publikum. Tags darauf spielt Mozart auch als Violinsolist auf, nachdem der Erzherzog selbst mit einigen adeligen Dilettanten, darunter auch Erzbischof Colloredo, gegeigt hat.
Mozart schätzt dieses Jugendwerk zeitlebens hoch: Die  Ouvertüre erweitert er mit einem Final-(KV 213c) und Marschsatz (KV 214) zu einer Sinfonie. Für ihren langsamen Satz greift Amadé auf Amintas Eingangslied Intendo amico rio zurück, das er auch 1778 (mit Aloysia Weber als Solistin) in Mannheim konzertant zur Aufführung bringt. 1784 schließlich erinnert er sich an seinen , wenn er für die bekannteste Arie des Werkes, L'amerò, sarò costante, "Eingänge" und Kadenz niederschreibt: Keine Geringere als Constanze soll die Beteuerungen von standhafter Liebe, dem König als Hirten in den Mund gelegt, beim häuslichen Musizieren für ihren Mann neuerlich zum Erklingen bringen!










In zeitgemäßem Klang erfreut uns Wolfgang Staribacher samt Mozartband mit Amadés Musik, Wolferl wäre angetan ... 








KV 208: Overtura
KV 208: 3. Aer tranquillo
KV 208: 4. Si spande al sole
KV 208: 7. Vanne à regnar
KV 208: 10. L'amerò, sarò costante
 


Handlung:
Aminta freut sich auf die bevorstehende Heirat mit seiner Geliebten Elisa. Da kommt Alessandro vorbei, der soeben die phönizische Stadt Sidon von ihrem Tyrannen Strato befreit hat. Alessandro will den rechtmäßigen König von Sidon wieder einsetzen. Agenore teilt Alessandro mit, dass dieser König niemand anderes als Aminta ist, der von seiner Herkunft nichts weiß und unerkannt als Schäfer lebt. Alessandro will nun nicht nur Aminta zum König erheben, sondern ihm auch Tamiri, die Tochter des gestürzten Strato und Geliebte des Agenore, zur Frau geben. Während sich Agenore und Tamiri entschließen, aus Gründen der Vernunft dem Gebot des Königs zu folgen, und sich auch Elisa schon mit dem Verlust ihres Geliebten abgefunden hat, widersetzt sich Aminta: Er teilt Alessandro mit, dass er lieber auf den Thron als auf Elisa verzichtet. Der gerührte Alessandro stimmt nun zu, dass Aminta als König seine Elisa heiraten darf. Für Agenore und Tamiri, die so großen Edelmut bewiesen haben, will er ein anderes Königreich suchen, damit auch diese ihre Tugend als Herrscher unter Beweis stellen können.


N. 3 Aria
AMINTA
Aer tranquillo e di sereni,
Freschi fonti, e verdi prati
Sono i voti fortunati,
Della greggia e del pastor.

Che se poi piacesse ai fati
Di cambiar gl'offici miei,
Avran cura allora i Dei
Di cambiarmi e mente e cor.


Nr. 3 Arie
AMINTAS
Sanfte Lüfte, heitere Tage,
grüne Wiesen, frischer Quell
sind das allerhöchste Glück
des Hirten und der Erde.

Gefiele es einst dem Schicksal,
meine Pflichten zu ändern,
sollen die Götter Sorge tragen,
mir zu wandeln Herz und Sinn.


N. 4 Aria
ALESSANDRO
Si spande al sole in faccia
Nube talor cosi,
E folgora, e minaccia
Su l'arido terren.


Ma poi, che in quella foggia
Assai d'umori uni,
Tutta si scioglie in pioggia,
E gli feconda il sen.


Nr. 4 Arie
ALEXANDER
Vor der Sonne Angesicht
ziehen manchmal Wolken auf.
Sie dräuen, und Blitze zucken
hinab zur dürren Erde.


Wenn sich auf diese Weise
der Gewittergroll zusammenbraut,
löst alles sich in Regen auf
und labt die Brust.



N. 7 Duetto
ELISA
Vanne a regnar ben mio,
Ma fido a chi t'adora
Serba se puoi quel cor.
AMINTA
Se ho da regnar ben mio,
Sarò sul trono ancora
Il fido tuo pastor.

ELISA
Ah che il mio re tu sei!

AMINTA
Ah che crudel timor!

ELISA, AMINTA
Ah proteggete o Dei,
Questo innocente amor


Nr. 7 Duett
ELISA
Gehe hin und herrsche, mein Geliebter;
bewahre aber in deinem Herzen, wenn du
kannst, Treue für deine Geliebte.

AMINTAS
Liebe. Wenn ich herrschen muß,
werde ich auch auf dem Thron
dein treuer Hirte sein.

ELISA
Ach, daß du mein König bist!

AMINTAS
Ach, welch schlimmen Ängste!

ELISA, AMINTAS
Ach, schützt, o Götter,
diese reine Liebe.

N. 10 Rondeaux
AMINTA
L'amerò, sarò costante:
Fido sposo, e fido amante
Sol per lei sospirerò.


In sì caro e dolce oggetto
La mia gioia, il mio diletto,
La mia pace io troverò.


Nr. 10 Rondo
AMINTAS
Lieben werde ich sie und beständig sein.
Als Gatte und Geliebter treu,
seufze ich um sie allein.


In dem lieben, holden Wesen,
werde ich die Freude finden,
meine Wonne, meinen Frieden
 







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