Dienstag, 3. Januar 2012

16. April

Mozart KV 249 und 250 (248b) Marsch und Serenade (Haffner-Serenade)

Odyssee 8, 46 - 82

Odysseus - noch immer auf Korfu bei den Phäaken.
Im Hafen ziehen die Ruderer das Schiff ins tiefe Wasser, setzen Mast und Segel und hängen die Riemen in ihre ledernen Wirbel. Als sie darauf zum Schloss des Alkinoos kommen, wimmeln die Säle schon vor Gästen. Alkinoos lässt 12 Schafe, 8 Schweine und 2 Rinder schlachten für das Gastmahl.
Herold Pontonoos führt den blinden Sänger herzu, hängt die Harfe zu seinen Häupten und der Sänger singt nach dem Mahle seine 4 berühmten Lieder (über den Inhalt des vierten erfahren wir nichts).
Sein erstes Lied erzählt vom Streit des Achilles mit Odysseus am festlichen Mahle der Götter, und wie Agamemnon sich freute über den Zwist, eine eigne Erfindung des Sängers, die Ilias schweigt sich aus. *)

*) Der Heerführer der Griechen, Agamemon, freute sich, weil ihm geweissagt worden war, wenn sich die Besten streiten, werde er den Krieg gewinnen - eine Selbsttäuschung, weil damit ein wesentlich späterer Streit gemeint war (der bekannte zwischen Achill und Agamemnon). Odysseus und Achill haben sicher darüber gestritten, wer von beiden der Bessere ist ... 


Zum großen Abschiedsessen mit Gesang für Odysseus passen trefflich Marsch KV 248 und Haffner-Serenade KV 250 des 20jährigen Amadé. Die achtsätzige Serenade, Mozarts umfangreichste und mit 13 Instrumenten auch seine reichstbesetzte, schreibt er 1776 für einen besonderen Anlass: den Polterabend des Salzburgers Franz Xaver Anton Späth und seiner Braut Maria Elisabeth Haffner, einer der vier Töchter des 1772 verstorbenen Bürgermeisters Sigmund Haffner.
Dem Anlass gemäß bringt Mozart sein ganzes musikalisches Können ein, und ihm gelingt der Druchbruch in seiner Komponistenlaufbahn. Auf den obligatorischen Marsch folgen die allein ihrer Länge nach alles bisherige überragenden 8 Sätze.
Mit dem Eröffnungsallegro erinnert Mozart an große Ouvertüren; nach weit ausholender Einführung (Allegro maestoso) beginnt er mit dem wuchtigen Sonatensatz frischester Erfindung, dann schließt er drei Konzertsätze (Andante - Menuetto - Rondeau) mit teilweise außerordentlich virtuosem Soloviolinpart an, wobei allein das quirlige Rondeau über 450 Takte mißt. Mit dem witzigen und charmanten Menuetto galante (mit auffällig unsymmetrischem Trio in Moll) führt er zurück zum symphonisch konzipierten zweiten Teil der Serenade. Ein naives Andante-Thema legt er dem durchkomponierten Variationssatz zugrunde; nur gelegentlich, aber dann um so eindringlicher, bricht ein bitterer, elegischer Unterton in die scheinbare Harmlosigkeit ein. Die Achtsätzigkeit bringt Amadé durch Integration eines dritten Menuetts zustande. Hier gliedert Mozart noch ein zweites Trio an das Menuett. Das Finale übertrifft alles Bisherige, es ist - sogar ohne die verlangten Wiederholungen! - noch umfangreicher als der unerhört lange vierte Salz.
In wahrhaft festlichem Gewand beschließt Mozart sein erstes großes Orchesterwerk, in dem höchstes technisches Vermögen und musikalisches Genie eine vollkommene Einheit bilden, er schenkt uns eine Stunde vollkommenster Musik.

KV 249
KV 250: Allegro Maestoso
KV 250: Andante 

KV 250: Menuetto
KV 250: Rondeau
KV 250: Menuetto galante

KV 250: Andante
KV 250: Menutto
KV 250: Adagio - Allegro Assai 


Siegmund Haffner d. Ä., Handelsunternehmer und reichster Mann der Stadt Salzburg - nach ihm ist in der Salzachstadt die Siegmund-Haffner-Gasse benannt - war in vielen Ehrenämtern dort tätig. Der einzige Sohn Haffners und Bruder der Braut hatte die Hochszeitsmusik bei Mozart bestellt; das Gartenhaus, in dem der Polterabend stattfand, steht noch. Siegmund Haffner der J. wird uns später nochmals begegnen.

























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