Dienstag, 3. Januar 2012

21. April

Mozart KV 255 Rezitativ und Arie (Rondo) für Alt           
                          "Ombra felice" - "Io ti lascio"

Odyssee 8, 303 - 266

Odysseus bei den Phäaken.
Der Sänger Demodokos singt in seinem zweiten Lied davon, wie Hephaistos im rasenden Eifer die Götter anruft:

"Vater Zeus, und ihr andern, unsterbliche selige Götter!
Kommt, hier etwas zu sehn, - den lächerlich schändlichen Frevel:
Wie mich lahmen Mann die Tochter Zeus' Aphrodite
So auf immer beschimpft und herzt den Bösewicht Ares;
Weil er schön und grade zu Fuß ist, aber ich selber
Lahme seit der Geburt! Doch keiner ist schuld an der Lähmung,
Als die Eltern allein! O wär' ich nimmer geboren!  
Aber schaut sie euch an, wie lieb beisammen sie liegen
In meinem eigenen Bett! Das Herz zerspringt mir beim Anblick!
Küftig möchten sie wohl so nicht einen Augenblick liegen!
Wie verbuhlt sie auch sind, sie werden nicht wieder verlangen,
So zu ruhn! Allein ich halte sie fest in der Schlinge,
Bis der Vater zuvor mir alle Geschenke zurückgibt,
Die ich als Bräutigam gab für das schamlos äugelnde Mädchen!
Seine Tochter ist schön, allein unbändigen Herzens!"




Die Götter aber machten Witze und lachten laut, nur Poseidon setzte sich für Ares ein. Nachdem er für alles bürgte, ließ Hephaistos die Ehebrecher los und diese suchten schnell das Weite.

Amadé komponiert 1776 in Salzburg die Abschiedsarie Aphrodites, die einzige für eine Altstimme in Mozarts Werk. "Ombra felice!" - "Io ti lascio" schreibt er für den Altkastraten Francesco Fortini. Mozart verwendet dafür die Rondoform, eine Anregung, die er durch die Vertonung des gleichen Textes von Johann Christian Bach ("der Londoner Bach") von 1774 erhält, deren Refrainthemen Mozart nur leicht verändert übernimmt. Der Text Mozarts erster echter Konzertarie stammt aus einem Libretto zu 'Arsace' von Giovanni di Gamerra.
Konzertarien komponiert Mozart von frühester Jugend bis in sein letztes Lebensjahr. Obwohl von hoher Qualität, sind sie wenig bekannt; von vornherein für kammermusikalische, nicht für Operdarbietungen bestimmmt, werden es Pathosszenen, Schauplätze heftigster Emotionen oder Szenen der Verzweiflung, des Abschieds usw. "Ombra"-Szenen gehören zum Typus des heroischen Gestus mit Beschwörungen des "Schattens" heldischer Ahnen. Hierhin gehört KV 255.    
          
KV 255

ARSACE 
Ombra felice!
Tornerò a rivederti. Apri i bei lumi,
E consola, deh, almeno in questo istante
Con un pietoso sguardo il fido amante.
Porgimi la tua destra, un pegno estremo
Del tuo affetto mi dona.
Ah, che la mia costanza or m'abbandona.


Io ti lascio, e questo addio
Se sia l'ultimo non so.
Ah, chi sa, bell'idol mio,
Se mai più ti rivedrò.
Vengo, oh ciel! deh laseia, oh pene!
Per te sol, mio ben, pavento,
Il più barbaro tormento,
Giusti Dei, chi mai provò!


Glücklicher Schatten!
Ich werde zurückkommen, um dich wiederzusehen.
Öffne deine schönen Augen!
Ach tröste wenigstens in diesem Augenblick
mit einem mitleidsvollen Blick den treuen Geliebten.
Reich mir deine Rechte. Gib mir ein letztes
Unterpfand deiner Liebe.

Ah, daß mich meine Standhaftigkeit jetzt verläßt!
Ich verlasse dich, und ich weiß nicht,
ob dieses Lebewohl nicht das letzte ist.
Ach, wer weiß, meine schöne Angebetete,
ob ich dich jemals Wiedersehen werde.
Ich komme... O Himmel! ...
 Ach, laß ... O Schmerz!
Nur für dich allein, mein Liebes, bin ich in Furcht...
Wer hat schrecklichere Qualen durchgemacht,
gerechte Götter!















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