Dienstag, 3. Januar 2012

7. April

KV 222 (205a) Offertorium de tempore "Misericordias Domini" 

Odyssee 7, 37 - 77

Odysseus auf Korfu.
Er geht staunend durch die Häfen und Versammlungsplätze der Stadt. Am Palast verabschiedet sich das Mädchen/Athene. Vorher erzählt sie noch die Stammesgeschichte des Königshauses. Odysseus soll kühn hineingehen und sich an Arete, die Frau von König Alkinoos, wenden. Sie sei überall hoch geachtet, entscheide sogar oft die Zwiste der Männer. Wenn sie ihm gewogen sei, könne er mit Sicherheit heimkehren.

"Misericordias Domini cantabo in aeternum - Die Barmherzigkeit des Herrn will ich besingen in Ewigkeit" - dies nimmt sich Odysseus vor, wenn er am Hofe des Phäakenkönigs vorsprechen wird, um ihn gewogen zu stimmen für die Hilfe bei der Rückkehr in die Heimat.




Und wir hören staunend in Amadés Geigen die Weise aufleuchten, die in Beethovens Freudenmelodie der Neunten Symphonie erklingt. Sollte der Spätere, der sich in seinen letzten Lebensjahren mit Problemen der Fuge befasste, Mozarts Motette gekannt haben?

In München 1775 wünscht sich Kurfürst Maximilian III. - selbst tüchtiger Musiker -  vom 19jährigen Komponisten der  La finta giardiniera eine kontrapunktische Komposition. Eilig schreibt Amadé das Offertorium de tempore im strengsten Stile antico nieder, eines der kompliziertesten Stücke polyphoner Kunst, das wir von ihm kennen.  Der Text besteht nur aus fünf Worten. Die Kontrastierung von zwei gegensätzlichen Themenkomplexen ist ein wahres Schaustück satztechnischer Virtuosität. Dem harmonisch-homophon gehaltenen Misericordias Domini stellt Mozart das in immer neuen kontrapunktischen Kombinationen erscheinende Cantabo in aeternum gegenüber. Das Ganze entfaltet so etwas wie einen strengen Jubel, weitab von aller neapolitanischen Konvention. 

Padre Martini

Mozart schickt das Werk am 4. September 1776 an Padre Martini nach Bologna, wobei er die Entstehungsgeschichte erzählt und die eilige Niederschrift hervorhebt und die Uraufführung vom 5. März 1775 erwähnt: "Pochi giorni avanti la mia partenza di là, [Monaco] desiderava S : A : Elettorale di sentire qualche mia Musica in contrapunto : ero adunque obligato di scriver questo Mottetto in f retta per dar Tempo à copiar il Spartito per sua Altezza, ed à cavare le Parti per poter produrlo la prossima Domenica sotto la Messa grande in tempo del Offertorio."













.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen