Dienstag, 3. Januar 2012

8. April

KV 284 (205 b) Klaviersonate D-Dur "Dürnitz-Sonate"

Odyssee 7, 98 - 132

Endlich kommt Odysseus in Korfu zum Palast von König Alkinoos, den Homer  so beschreibt:

Gleich dem Strahle der Sonn' und gleich dem Schimmer des Mondes
Blinkte des hochgesinnten Alkinoos prächtige Wohnung.
Eherne Wände liefen an jeglicher Seite des Hauses
Tief hinein von der Schwelle, gekrönt mit blauem Gesimse.
Eine goldene Pforte verschließt die innere Wohnung;
Silbern waren die Pfosten, erhöht auf eherner Schwelle,              
Silbern das Kranzgesims, und golden der Ring an der Pforte.       
Hunde von Gold und Silber standen zur Seite der Pforte,
Welche Hephästos selbst mit hohem Verstande gebildet,
Dort des hochgesinnten Alkinoos Haus zu bewachen,
Unvergänglicher Art und jung für ewige Zeiten.
Drinnen reihten sich Sessel um alle Wände des Saales
Tief hinein von der Schwelle, und Teppiche deckten die Sessel,
Fein und zierlich gestickt, der Weiber künstliche Arbeit.
Allda saßen stets der Phäaken hohe Beherrscher
Festlich bei Speis' und Trank und schmausten von Tage zu Tage.
Goldene Jünglinge standen auf schönerfundenen Sockeln
Ringsumher und hielten in Händen brennende Fackeln,
Um den Gästen im Saale beim nächtlichen Schmause zu leuchten.
Fünfzig Weiber dienten im weiten Palaste des Königs,
Diese bei ihren Mühlen mahlten gelbes Getreide,
Jene saßen und webten und drehten emsig die Spindel,
Anzuschaun, wie die Blätter der hohen wehenden Pappel;
Selbst geschmeidiges Öl wohl glitte vom dichten Gewebe.
Denn gleichwie die Phäaken vor allen übrigen Männern
Hurtige Schiffe zu lenken verstehn, so siegen die Weiber
In der Kunst des Gewebes; denn ihnen hatte Athene
Künstlicher Werke Geschick verlieh'n und kluge Erfindung.
Außer dem Hofe liegt ein Garten, nahe der Pforte,
Eine Huf ins Gevierte, mit ringsumzogener Mauer.
Allda streben die Bäume mit laubigem Wipfel gen Himmel,
Voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven,
Oder voll süßer Feigen und rötlich gesprenkelter Äpfel.
Diese tragen beständig und mangeln des lieblichen Obstes
Weder im Sommer noch Winter; vom linden Weste gefächelt,
Blühen die Knospen dort, hier zeitigen schwellende Früchte,
Birnen reifen auf Birnen, es rötet sich Apfel an Apfel,
Traube auf Traube erdunkelt, und reif schrumpft Feige auf Feige.
Allda prangt auch ein Feld, von edlen Reben beschattet.
Einige Trauben dorren auf weiter Ebne des Gartens,
An der Sonne verbreitet, und andere schneidet der Winzer,
Andere keltert man schon. Hier stehen die Herling' in Reihen,
Dort entblühen sie erst, dort bräunen sich leise die Beeren.
An dem Ende des Gartens sind immerduftende Beete,
Voll balsamischer Kräuter und tausendfarbiger Blumen.
Auch zwei Quellen sind dort: die eine durchschlängelt den Garten,
Und die andere gießt sich unter die Schwelle des Hofes
An den hohen Palast, allwo die Bürger sie schöpfen.



So wortreich und souverän Homer den Palast auf Korfu schildert, so abwechslungsreich gestaltet Amadé 1775 seine Klaviersonate und führt die gesamte Palette der damals technischen Besonderheiten wie Kreuzen der Hände, Oktavgänge und Tremoli vor. Mit dieser Sonate übertrifft er ihre fünf Vorgänger an Virtuosität und Länge.  Der erste Satz könnte ein Klavierauszug einer Symphonie sein. Der letzte Satz ist einer von nur zwei Variationssätzen in Mozarts Sonatenœuvre. Im pianistischen Glanz kehrt Amadé sich vom Privaten ab, wendet sich mit orchestraler Bravour nach außen und nutzt alle Effekte des neuen Hammerklaviers aus. Zwölfmal verändert Mozart im Finale ein anmutig gavotte-artiges Thema und ist verschwenderisch in der Wahl seiner technischen Mittel.
Der kurbayerische Freiherr Thaddäus von Dürnitz, Widmungsträger, ist ein Münchner Musikliebhaber. Lise de la Salle, gleich alt wie Mozart, französische Pianistin aus Cherbourg, interpretiert Amadés Sonate kongenial.




Lise de la Salle, geb. 1988, mit russicher Großmutter (Klavierlehrerin), beginnt mit 4 Jahren
das Klavierspiel, hat ihren ersten von Radio France übertragenen Konzertauftritt mit 9, studiert ab ihrem 11. Lebensjahr am Konservatorium in Paris, mit 17 macht sie das Abitur, wenige Tage zuvor spielt sie ihre dritte CD ein.



Ich möchte die Zuhörer vergessen lassen,
dass das Klavier ein perkussives Instrument ist.
Ich will damit singen.












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