Dienstag, 3. Januar 2012

11. Mai

KV 297 (300a) "Pariser Sinfonie"

Odyssee 9, 480 - 521

Die Griechen fliehen vor dem Kyklopen.
Polyphem riss einen Felsbrocken vom Gipfel und schleuderte ihn in Richtung ihres Schiffs. Die aufgwühlte See warf das Boot ans Ufer zurück, Odysseus stieß es mit einer langen Stange vom Land ab und sie ruderten wie wild.
Und dann rief Odysseus zu Polyphem hinauf:

"Sollte dich einst von den sterblichen Menschen
Einer fragen, wer dir dein Auge so schändlich geblendet,
Sag' ihm: Odysseus, der Sohn Laertes', der Städteverwüster, 
Der in Ithaka wohnt, der hat mein Auge geblendet!"

Polyphem antwortete, es sei ihm geweissagt worden, er werde durch Odysseus sein Augenlicht verlieren. Er habe einen herrlichen Kriegshelden erwartet und nicht so einen elenden Wicht und Weichling, der ihm Wein eingiesst und dann sein Auge ausbrennt.
Dann lud der Kyklop Odysseus ein: er wolle ihn herrlich bewirten und ihm sicheres Geleit bei Poseidon, seinem Vater beschaffen.


Mozart ebenfalls in einer Grenzsituation.
Die Logik einer Welt, die dem Aufbegehrenden - wenn überhaupt - erst dann Gehör schenkt, wenn er sich in der Anpassung bewährt hat, lässt Mozart zweifeln: an sich und an jener spätfeudalistischen Gesellschaft, die ihn offenbar als Musiklieferanten nur benötigt, um auf dem Vulkan der bürgerlichen Revolution ihrem Ende entgegenzutanzen.
Im Salon der Madame d'Epinay, wo er den Enzyklopädisten begegnet, denkt er nach über die gesellschaftliche Funktion des Künstlers.

Um Anerkennung ringend, geht Mozart auf den Geschmack des Pariser Publikums ein:
Die Sinfonie Nr. 31 D-Dur ("Pariser") beginnt mit dem "premier coup d’archet" - dem rauschenden Unisono Forte-Einsatz des Orchesters. Zudem setzt Amadé neue Klangfarben ein - er verwendet erstmalig Klarinetten. Uraufgeführt wird das Werk im Juni 1778 in Paris im Rahmen der Concerts spirituels, der ersten öffentlichen Konzertreihe.
Im selben Jahr komponiert Mozart für noch eine weitere Aufführung als Ersatz für den ursprünglichen einen schlichteren, kürzeren Mittelsatz.
Mutter und Sohn sind im April in eine andere Wohnung gezogen. Das neue Zuhause lag zwar zentraler, doch der angeschlagenen Gesundheit der beiden waren die kalten Zimmer nicht zuträglich. Die vernachlässigte Mutter, die kaum noch Ansprache hat, befallen Hör- und Sprachstörungen. Ihr eingeschränkter Bewegungsraum läßt sie erlahmen, und schließlich verabschiedete sich die nutzlos Gewordene ins Delirium.
Amadé erwähnte in den ersten Zeilen seines Briefs an seinen Vater die schwere Erkrankung der Mutter, beschrieb dann seinen Erfolg mit der "Pariser", räsonierte über Voltaires Tod, sprach von seinem Anspruch auf eine gutbezahlte Konzertmeisterstelle, empfahl seine Mutter dem Allmächtigen.
Tatsächlich war diese seit drei Stunden tot.
An einen Freund der Familie, Bullinger, schreibt er:


Allerbester freund!
für sie ganz allein.
Trauern sie mit mir,  mein freund! - dies war der Trauerigste Tag in meinem leben - dies schreibe ich um 2 uhr nachts - ich maß es ihnen doch sagen, meine Mutter, Meine liebe Mutter ist nicht mehr! - gott hat sie zu sich berufen - er wollte sie haben, das sähe ich klar - mithin habe ich mich in willen gottes gegeben - Er hatte sie mir gegeben, er konnte sie mir auch nehmen. Ich bin der Meynung daß sie hat sterben müssen - gott hat es so haben wollen, ich bitte sie unterdessen um nichts als um das freundstück, daß sie meinem armen vatter ganz sachte zu dieser trauerigen nachricht bereiten.

Leopold Mozart will den Sohn nach Salzburg zurückzuholen.  Schulden, ständige ständige Nachfragen der Salzburger, lassen den Vater für eine Wiedereinstellung in Salzburg intervenieren.


Amadé flehte den Vater an, ihn nicht der groben, lumpenhaften und liederlichen Hofmusike auszusetzen, Mozart drehte den Spiess um, verglich seinen Vater mit Odysseus!


"Sie haben sich mit den graf stambock und überhaupt mit der ganzen affaire meisterlich wie ein ulißus gehalten - fahren sie nur so fort - lassen sie sich nicht überführen - absonderlich seyen sie auf ihrer hut wenn sie etwa mit der geschopften gans zu reden kommeten - ich kenne sie. seyen sie dessen versichert - sie hat zucker und honig in Maul, in kopf und in herzen aber Pfeffer - es ist ganz natürlich, daß die ganze sache noch in weiten feld ist, und daß mir viele sachen müsten zugestanden werden, bis ich mich dazu entschliessen könnte, und ich doch, wenn auch alles in richtigkeit seyn würde, doch lieber wo anderst seyn möchte, als zu salzbourg - doch ich darf nichts besorgen, es würde mir schwerlich alles zugestanden werden - denn es ist gar viell -.
doch es ist nichts unmöglich - ich würde, wenn alles in Ordnung und richtigkeit seyn würde kein bedencken tragen - nur um das vergnügen zu haben, bey ihnen zu seyn — doch, wenn mich die salzburger haben wollen, so müssen sie mich und alle meine Wünsche befriedigen — sonst bekommen sie mich gewis nicht."

Mozarts Wille, sich vom höfischen Beamtentum zu emanzipieren und als freier Künstler ebenso frei komponieren zu können, ist erwacht.
KV 297: 1. Allegro Assai
KV 297: 2. Andante (2. Fassung)
KV 297: 3. Allegro










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