Dienstag, 3. Januar 2012

14. Mai

Mozart KV 316 (300b) Rezitativ und Arie für Sopran

Odyssee 10, 34 - 77

Odysseus weiter in seinem Bericht: Ithakas Küsten in Sicht!
Die Gefährten flüsterten miteinander, dass Odysseus wohl Gold und Silber  von Aiolus im Schlauch versteckt habe. Egal wohin Odysseus komme, er gewinne immer die Liebe und Achtung aller Menschen. Sie öffneten den Schlauch, mit einem Mal entsausten die Winde und trieben sie über das Meer weit weg von der Heimat, zurück auf die Insel Aiolia. Odysseus wollte sich erst ins Meer stürzen, blieb dann aber an Bord.
Als sie Aiolus um Hilfe baten, jagte der sie fort: Ihm sei nicht erlaubt, einem Mann zu helfen, der selbst von den Göttern gehasst werde.
Und traurig fuhren sie weiter.


Mozart geht es in Mannheim ähnlich wie Odysseus vor Ithaka: Gegenwind. Aus dem Angebot Dalbergs an den dreiundzwanzigjährigen Komponisten, die »Semiramis« zu vertonen, wird nichts. Der Theaterprinzipal hat kein Geld, Amadé will eine Oper ohne Sänger doch nicht so recht gefallen, und zuletzt: Ihn erreicht ein Brief aus Salzburg mit der apodiktischen Aufforderung: Bei dem Empfang dieses wirst du reisen!
Die "erschröckliche Todesangst", auch noch den Sohn zu verlieren und vor dem Erzherzog als Lügner dazustehen, zwingt den Vater zu erpresserischen Maßnahmen. Minuziös rechnet er dem Sohn seine Schulden vor, die er gefälligst in Salzburg abzuverdienen habe, beschuldigt ihn der allerverdammlichsten und bosshaftesten gedanken, den für dich so besorgten Vater in Schand und Spott zu setzen, und droht mit seinem Ableben.


Begonnen hat Mozart  "Popoli di Tessaglia!" - "Io non chiedo, eterni Dei" schon in Paris, vollendet im Januar 1779 in München. Als Bravour-Arie stimmt Amadé sie vollkommen auf die stimmliche Fähigkeit und Person Aloysia Webers ab. Die Szene entstammt Ranieri de’ Calzabigis "Alceste" (Akt I, Szene 2).
Mozart in einem Brief an Aloysia: "Ich muss gestehen, dass diese scena die beste ist, die ich in meinem Leben gemacht habe". Die Singstimme konkurriert immer wieder mit den konzertierenden Instrumenten Oboe und Fagott, wird in höchste Lagen hinaufgetrieben. Die gesamte Arie ist in ihrer Form steigernd angelegt, verzichtet auf konventionelle Da-capo-Teile.


KV 316

ALCESTE
Popoli di Tessaglia!
Ah mai più giusto fu il vostro pianto.
A voi non men che a questi
Innocenti fanciulli Admcto è padre.
Io perdo l'amato sposo,
E voi l'amato re;
La nostra sola speranza,
La nostro amor e'invola
Questo fato crudel.
Né so chi prima in sì grave sciagura
A compianger m'appigli
Del regno, di me stessa, o de' miei figli.  
La pietà degli Dei
Sola ci resta a implorare, a ottener.
Verrò compagna, alle vostre preghiere,
Ai vostri sacrifizi;
Avanti all'ara una misera madre,
Due bambini infelici,
l'ulto un popolo in pianto
Presenterò cosi.
Forse con questo spettacolo funesto,
In cui dolente gli affetti,
I voti suoi dichiara un regno,
Placato all'in sarà del ciel lo sdegno.


lo non chiedo, eterni Dei,
Tutto il ciel per me sereno,
Ma il mio consoli almeno
Qualche raggio di pietà.


Non comprende i mali miei,
Né il terror, che m'empie il petto,
Chi di moglie il vivo affetto,
Chi di madre il cor non ha.



Ich verliere den geliebten Gatten,
und ihr den geliebten König.
Unsere einzige Hoffnung,
den Gegenstand unserer Liebe raubt uns
ein grausames Geschick.
Ich weiß nicht, wen ich in so großem Unglück
zuerst zu beweinen habe,
das Reich, mich selbst oder meine Kinder.
Es bleibt uns nur übrig,
das Mitleid der Götter zu erflehen.
Ich komme als Gesellin eurer Gebete
und eurer Opfer.
Vor dem Altar werde ich eine arme Mutter,
zwei unglückliche Kindchen,
das ganze Volk in Tränen vorweisen.
Vielleicht wird durch dieses traurige Schauspiel,
in dem ein trauerndes Königreich seine Gefühle
und seine Wünsche offenbart,
endlich der Zorn des Himmels besänftigt sein.
Ich verlange nicht, ihr ewigen Götter,
daß der ganze Himmel für mich heiter sei.
Doch meinen Kummer tröste wenigstens
ein Strahl von Erbarmen.
Es versteht nicht meine Leiden
und den Schrecken, der mir die Brust füllt,
der nicht die lebhafte Liebe der Gattin,
der nicht das Herz der Mutter hat.














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