Dienstag, 3. Januar 2012

2. Mai

Mozart KV 309 (284b) Sonate für Klavier

Odyssee 9, 116 - 192

Odysseus erzählt weiter von den Kyklopen:
Gegenüber dem Kyklopenland lief seine Flotte mit 12 Schiffen in den Scheitel einer vollkommen geschützten Bucht auf einer unbewohnten Insel bei Nacht ein. Sie gingen an Land und schliefen bis zum Morgen. Dann erlegten sie 109 Ziegen und verspeisten sie, die Ziegen leben dort in großer Zahl.
Tags darauf fuhr er mit seinem Schiff hinüber zum Land, um zu erkunden, wer da wohne. In einer Grotte am Meer hauste ein Riese und versorgte seine vielen Schafe.




Wie bei Odysseus das Abenteuer bei den Kyklopen einen tiefen Einschnitt bedeutet, so auch bei Mozart das Jahr 1777. 
Vater und Sohn planen seit langem den Ausbruch aus Salzburg. In Begleitung seiner Mutter verlässt Amadé am 28. September die Salzachstadt Richtung München. Dass der 20jährige ohne den Vater reist, ist nicht etwa dessen Vertrauensbeweis, sondern Folge  der Querelen mit dem Chef: Colloredo gehen diese "Bettelreisen" und Überheblichkeiten Leopold Mozarts im Gewand untertänigster und gehorsamster Katzbuckelei auf die Nerven. Der Domkappellmeister erhält keinen Urlaub, der zutiefst gekränkte Vater muss den Sohn allein ziehen zu lassen.
Bei der Abreise hat Mutter Reisefieber, dem Nannerl kommt ein Erbrechen, der Vater verfällt in Depressionen, und Mozart triumphiert! Am liebsten schwänge er sich selbst auf den Kutschbock, um der Salzburger Misere und der Umklammerung des Vaters zu entfliehen.

Amadé ist frei.
In München der erste Dämpfer. Der bayerische Kurfürst hat keine Vakanz. Amadé verletzt das ständige Mißtrauen des Vaters in seine ernsthaften Bemühungen um eine lukrative Beschäftigung.
Voll zum Ausbruch kommt der Vater-Sohn-Konflikt in Mannheim, wo Amadé und Mutter am 30. Oktober ankommen.



Kurfürst Karl Theodor hat es verstanden, mit der Verpflichtung bedeutender Musiker wie Johann und Carl Stamitz seinen Hof zum wichtigsten Musikzentrum Europas werden zu lassen. Ihr Kompositionsstil beeinflußt die gesamte europäische Musikwelt. Gleichzeitig können die Hofkompositeure mit dem Hoforchester über einen der bedeutendsten Klangkörper in Europa verfügen. Bei seinem Kapellmeister Christian Cannabich ist Mozart nun ständiger und ebenso willkommener Gast.
Er gibt etliche Konzerte bei Hofe, wird zum Musiklehrer der fürstlichen Kinder. Die erhoffte Berufung zum Kammerkompositeur aber bleibt aus. All das unter dem Tenor des Vaters: "Es stunde halt zu erwarten!"
Unter der bigotten Moral des Vaters, berechtigt in jener Welt machtorientierter Pragmatiker und heuchelnder Protegés, deren erstes Gebot Anpassung heißt und in deren Systematik das Kind Mozart erbarmungslos hineinerzogen ist, wird es Amadé immer bewusster: Das Verhängnis, mit seiner Kunst den Adel erfreuen und die Eltern ernähren zu müssen.
Aus einem Brief an den Vater: "Das ist mir nun eins; denn das ist allerweil ein ding, ob ich den dreck fresse, oder der Papa ihn scheis - Nu, so kann ich doch das ding nie recht sagen! ich habe sagen wollen, es ist ein ding ob der Papa den dreck scheist, oder ich ihn fresse! - iezt laß ichs lieber seyn, ich sehe es schon; es ist umsonst. "


Christian Cannabich

Amadé komponiert dennoch unermüdlich. Die Rahmensätze der Sonate KV 309 schreibt er 1777 in Augsburg und vollendet sie einen Monat später in Mannheim. Zentrum der Sonate ist der nachkomponierte Mittelsatz, dessen Charakter Mozart mit Rose Cannabich, der Tochter des kurfürstlichen Musikdirektors vergleicht. Die motivische Ökonomie dieses Satzes zeigt, dass Mozart sich perfekt an den Mannheimer Geschmack anzupassen vermag. Durch leichte Veränderungen gewinnt er dem einprägsamen Anfangsmotiv zahlreiche Facetten ab.

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