Dienstag, 3. Januar 2012

29. Mai

Mozart KV 339 Vesperae solennes de confessore

Odyssee 11,  1 - 32

Odysseus bei den Phäaken erzählt von seinen Irrfahrten.
Er legte in Gozo, der Insel der Zauberin Kirke nach einjährigem Aufenthalt ab. Kirke schickte sanften Landwind, an der Mündung des Stromes Okeanos, wo die Kimmerer hausen und ewige Nacht herrst, gingen sie an Land. Sie bereiteten das Opfer vor, Odysseus hob mit dem Schwert eine viereckige Grube aus, brachte Opfer für alle Toten, und gelobte ein weiteres in Ithaka: ein Kalb und für Teiresias den stattlichsten Widder.




Araham opfert Isaak 1000 Jahre vor Odysseus und 2600 Jahre später bekräftigt man im Salzburger Dom: ein Gott wird über die Völker zu Gericht sitzen, die Toten häufen und die Häupter vieler auf Erden zertrümmern.
Mozart komponiert 1780 auf einen langen Text mit der geforderten erzbischöflichen Kürze: Kaiser Joseph II. hat umfängliche liturgische Reformen verordnet, die Fürstbsichof Colloredo eifrig umsetzt: mit der Entfaltung operhaft musikalischen Prunks ist es vorbei - mit Mozarts Kirchenmusik in Salzburg auch, es ist seine letzte Arbeit in diesem Metier.
Um so bewundernswerter die Fülle der textausdeutenden, prägnanten Einfälle auf engstem Raum. KV 339 ähnelt KV 321 (siehe 24. Mai -->).
Das Confitebor tibi beginnt Amadé mit einer lang aufsteigenden Unisono-Choralintonation. Erst im Mittelteil des Satzes erteilt Mozart den Solisten das Wort. Dieser Satz gehört in seiner phantasievollen Freiheit der Gestaltung, seiner machtvollen Beweglichkeit zu jenen Stücken, von denen Einstein sagt, niemand kenne Mozart, der nicht solche Sätze von ihm kenne.
Wie in der Vesperae de Dominica (siehe -->) schreibt Mozart auch hier Laudate pueri im stile antico,  er treibt die Strenge der Polyphonie noch weiter.
Das Andante ma un poco sostenuto, ein Sopran-Arioso mit abschließendem Chor, gehört in seinem schwebenden Klangzauber, seiner berückenden Kantabilität und Poesie zum Schönsten Mozartscher Vokalkunst: ein Siciliano, dessen pastoraler Charakter Amadé durch ein Solofagott noch unterstreicht.


Siciliano: Satzbezeichnung für Gesangsstücke, Tanzstücke oder Suitensätze, deren Kennzeichen liebliche, schmerzhaft-süße Melodik ist, im 6/8- oder 12/8-Takt in schleppendem, wiegendem Rhythmus. Charakteristisch die verlängerte erste Achtelnote in vielen 3/8-Gruppen (z.B.  "Stille Nacht, heilige Nacht")















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