Dienstag, 3. Januar 2012

4. Mai

Mozart KV 294 Rezitativ und Arie für Sopran
                           "Alcandro, lo confesso" "Non so d'onde viene"     

Odyssee 9, 231 - 255

Odysseus beim Kyklop:

"Er trug eine mächtige Ladung
Trockenes Scheiterholz, das er zum Mahle gespaltet,
Und in der Höhle stürzt' er es hin, da krachte der Felsen;
   

Und wir erschraken und flohn in den innersten Winkel der Höhle
Aber er trieb in die Kluft die fetten Ziegen und Schafe
Alle zur Melke herein; die Widder und bärtigen Böcke
Ließ er draußen zurück in des Vorhofs tiefem Gehege.
Hochauf schwang er und setzte den mächtigen Block vor den Eingang,
Fürchterlich groß! die Gespanne von zweiundzwanzig starken
Und vierrädrigen Wagen, sie schleppten ihn nicht von der Stelle,
Jenen gewaltigen Fels, den das Ungeheuer emporhob.
Setzte sich drauf und melkte die Schafe und meckernden Ziegen
Alles, wie es der Brauch, und die Säuglinge legt' er ans Euter.
Ließ von der weißen Milch die Hälfte gerinnen und setzte
Sie zum Trocknen hinweg in dichtgeflochtenen Körben,
Und die andere Hälfte verwahrt' er in weiten Gefäßen.
Machte er Feuer an und sah uns stehen und fragte:
Fremdlinge, sagt, wer seid ihr? Von wannen trägt euch die Woge?
Habt ihr wo ein Geschäft, oder kreuzt ihr ohne Bestimmung
Hin und her auf der See, wie landumirrende Räuber,
Die das Leben wagen, um bei Fremden zu plündern?"




Mozart aber begegnet  (nach dem ersten handfesten erotischen Erlebnis kurz vorher in Augsburg mit seinem Bäsle Maria Anna Thelda - eine erfrischend unkomplizierte Lustspielerei, die - wenn auch nur postalisch - noch über Jahre weitergehen wird) in Aloysia Weber, der fünfzehnjährigen Tochter des Bassisten und Kopisten Fridolin Weber einem Mädchen, dessen Reize und vortrefflicher Gesang seine Leidenschaft entbrennen lassen.
Die überschwengliche Verehrung für Aloysia trifft die Geliebte und Künstlerin gleichermaßen.
Im Februar 1778 komponiert Amadé für sie KV 294Am 12. März 1778 singt Aloysia Weber die Arie in einer Akademie bei Cannabich - großer Beifall. Mozart bezeichnet die Arie als die beste, die Aloysia Weber hat, sie passt ihr wie ein Kleid auf den Leib.

KV 294

CLISTENE
Alcandro, lo confesso,
Stupisco di me stesso. Il volto, il ciglio,
La voce di costui nel cor mi desta
Un palpito improvviso,
Che lo risente in ogni fibra il sangue.
Fra tutti i mici pensieri
La cagion ne ricerco, e non la trovo.

Che sarà, giusti dei! questo ch'io provo?

Non so d'onde viene
Quel tenero affetto,
Quel moto che ignoto
Mi nasce nel petto,
Quel gel che le vene
Scorrendo mi va.

Nel seno a destarmi
Si fieri contrasti
Non parmi che basti
La sola pietà.


Ich gesteh's, Alcandro:
ich staune über mich selbst. Das Antlitz, die Miene,
die Stimme dieses Mannes erregen in meinem Herzen
ein unwillkürliches Beben,
welches das Blut in allen Adern fühlt.
In allen meinen Gedanken
forsche ich nach dem Grund, aber ich finde ihn nicht.
Was wird es sein, gerechte Götter,
was mir widerfährt?


Ich weiß nicht, woher
jenes zärtliche Gcfühl kommt,
jene unbekannte Regung,
die in meiner Brust entsteht,
jener Kälteschauer, der mir
durch die Adern läuft.
Dass sich in meinem Herzen so furchtbar
widerstreitende Gegensätze erheben,
dafür scheint mir nicht
das bloße Mitleid Grund genug zu sein.
















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