Dienstag, 3. Januar 2012

6. Mai

KV 297b (Anh 9) Sinfonia concertante

Odyssee 9, 294 - 333

Odysseus erzählt in Korfu den Phäaken weiter vom menschenfressenden Kyklopen:
Kaum hat er die zwei Gefährten verspeist und reichlich Milch dazu getrunken, da schläft er, lang hingestreckt, schon ein. Zu töten wagten sie ihn nicht, denn vor der Höhle hat der Riese einen mächtigen Fels gewälzt, den sie nicht hätten beiseite zu schieben vermocht. Am nächsten Morgen frass er nochmals zwei und trieb dann seine Herde auf die Weide.
Er, Odysseus, habe einen Plan gehabt. Er haute von der Keule des Kyklpen ein klafterlanges Stück ab, glättete es, spitzte es an und härtete es im Feuer. Sie losten 5 Leute aus, die ihm den Spieß ins Auge drehen mussten. 

Während Odysseus auf die Tötung des Kyklopen sinnt, flammt in Mozarts Zeit der alte Streit zwischen Österreich und Bayern um die Vormachtstellung im Reich wieder auf. Die ersten Wellen revolutionären Gedankenguts von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit schwappen aus Amerika nach Europa über.


Gestern Monntag den 23.ten nachmittag um 4 uhr sind wir gott lob und danck glücklich hier angekommen; wir sind also 9 täg und 1/2 auf der Reise gewesen, wir haben geglaubt wir können es nicht aushalten. ich hob mich mein lebetag niemahl so ennuirt. sie können sich leicht vorstellen was das ist. wenn man von Mannheim und von so viellen lieben und guten freunden wegreiset, und dann zehnthalb Tage, nicht allein ohne diese gute freunde, sondern ohne menschen, ohne eine einzige Seele, mit der man umgehen oder reden könnte, leben muß.

Amadés Mutter sitzt immerhin mit im Wagen - er ignoriert sie schlichtweg. Die Fahrt nach Paris wird für beide zur Tortur: Mozart verlässt Mannheim unter Tränen, von Meile zu Meile bewußter, dass Reisen Abschiednehmen heißt, und dass seine Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe mit dem gesellschaftlichen (väterlichen) Erfolgsauftrag unvereinbar ist. Mutter Mozart empfindet schmerzhaft ihre Situation als fünftes Rad an diesem Reisewagen, der sie von ihrem Leben, ihren Freunden, ihrem Mann, ihrer Tochter - und ihrem Sohn - immer weiter wegbringt.

Paris empfängt die Reisenden von seiner unwirtlichsten Seite. Durch ein Gewirr von übelriechenden Gassen und vorbei an Hauseingängen, die zu öffentlichen Aborten verkommen sind, finden die völlig erschöpften Salzburger endlich zu ihrem düsteren Zweibettzimmer im Gasthof »Lion d'argent«.

Für den Musikdirektor Legros komponiert er im April 1778 eine Symphonie concertante, KV 297b (Anhang 9), aufgeführt wird sie nicht.

Mozart erkennt: Paris hat nicht auf ihn gewartet. Er selbst ist weder erfahren noch gewandt genug, um im richtigen Moment die richtigen Leute mit dem richtigen Maß an Unterwürfigkeit oder Überheblichkeit für sich einzunehmen. Sein Selbstbewußtsein ist schwer angeschlagen, seine Schwierigkeiten wachsen sich allmählich zur Persönlichkeitskrise aus.

Den Kopfsatz der konzertanten Sinfonie stellt Amadé mit dem Solistenquartett sowohl en bloc als auch solistisch gegen das Orchester. Die zehn Variationen des volkstümlichen Themas im Finale grenzt Mozart jeweils durch einen Tutti-Refrain formal ab.



Inzwischen vegetiert Amadés Mutter in Verlassenheit vor sich hin: 
Ich size den ganzen tag allein in zimmer wie in arest, welches noch darzue so dunckel ist und in ein kleines höffel geth das man den ganzen tag die Sohn nicht sehen kan, und nicht einmahl weis was es vor ein weiter ist, mit hartter miehe kan ich bey einen einfahlenten liechten etwas weniges stricken, und für dises zimmer müssen wier das Monat 30 liver bezahlen, der eingang und die stiegen ist so öng das es ohnmöglich wehre ein Ciavier hin auf zu bringen, der wolfgang mues also ausser haus bey Monsieur le gro Componieren weill dorth ein Ciavierist, ich sehe ihme also den ganzen tag nicht, und werde das reden völlig vergessen. meine kost von trater ist auch Superb für 15 Sol zu mitag bekomme ich 3 speisen, erstlich eine Supen mit Krutter [Croutons] die ich nicht mag, 2ten ein bröckel schlechtes fleisch 3ten etwas von einen kalbsfus in einer schmuzigen brihe, oder eine stein harte leber.



















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