Dienstag, 3. Januar 2012

14. Juni

KV 352 (374c) Acht Variationen für Klavier über den Marsch aus
                          "Les Mariages Samnites"

Odyssee 11, 533 - 562


Odysseus erzählt den Phäaken weiter vom Hades.
Agamemnons Seele schwebte hinweg, nachdem er gehört hat, dass sein Sohn unverletzt von Troja abgefahren sei.
Andere Seelen standen noch trauernd da: Nur Ajas Seele war abgewandt, weil er Odysseus zürnte wegen des Sieges im Streit um die Wehr des Achilleus, den er bereute, weil Ajas dabei umkam.


 

Wie Odysseus sich mit der Vergangenheit der Verstorbenen konfrontiert sieht, so Amadé mit der Planung seiner Zukunft, die aber gleichfalls eng mit der Vergangenheit verknüpft ist.
Dem moralischen und geistigen Anspruch der meist lateinischen Dramen, die er noch bei den Universitätsveranstaltungen in Salzburg gesehen hatte, ist Mozart in Wien längst entwöhnt. Die aus biblischen und antiken Legenden zurechtphilosophierten Allegorien haben ihn auf der Suche nach dem Menschen und seinen Empfindungen nicht viel weitergebracht.
Wandertruppen, die in Wien gastieren, greifen mit ihren Stücken ins Leben. Amadé begegnet Shakespeare, Lessing, Goethe. Singspiele beeindrucken ihn nachhaltig.
Die Spielstätten, allen voran das Burgtheater, unterhalten eigene Ensembles und ein breitgefächertes Repertoire. Die Bühne drückt den gesellschaftlichen Umbruch aus, der traditionelle Autoritäten in Frage stellt, neuen Idealen den Weg bahnt.

 

Mozart - weder zum Revolutionär geboren noch zum Rebellen erzogen, sein Selbstbewußtsein definiert sich seit seiner jüngsten Kindheit über den Vater, gibt dessen Abwesenheit die Chance, sich seiner Individualität bewußt zu werden, aber auch der Abhängigkeit von autoritären Instanzen, die ihn als bürgerlichen Musiker in die Untertanenpflicht nehmen.
Wenn er diese verweigert, kann das wirtschaftlichen Ruin bedeuten und Verstoß gegen das väterliche Programm.

Er beginnt mit Klavierunterricht.

Die Variationen KV 352 verbinden pianistisch-pädagogische Absichten mit Virtuosität.
In den 1781 komponierten Acht Variationen über das damals sehr beliebte Chorstück "Dieu d’amour" aus André-Ernest-Modeste Grétrys Oper 'Les Mariages Samnites' spiegelt sich ein Nachklang jener Eindrücke wider, die Mozart von der französischen Opéra comique empfangen hat. Dafür spricht vor allem die lebhafte 4. Variation, ein von Trillern begleiteter Marsch.
In der 1. Variation formt Mozart mit Unterstützung des Basses das Thema um. In der 2. verbindet er die motivische Weiterbildung mit Sechzehnteln und in der 3. arbeitet er mit Oktaven, färbt die Harmonik chromatisch ein und läßt überraschend den verminderten Septakkord erklingen. In Nr. 4 intoniert Amadé einen Marsch mit Terzen, den quasi Trommelwirbel und Piccoloflöten in langen Trillern begleiten. Nach der 5. voller kammermusikalischer Intimität (Minore) verfolgt die 6. mit der Kreuzung der Hände mehr pianistisch-pädagogische Ziele. Die 7.(Adagio) ist ein Gesang im Mannheimer Gout. Die letzte Variation läßt beschwingt im 3/8-Takt die gelungene, jeglichen Virtuosenzierats abholde Folge ausklingen.














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