Dienstag, 3. Januar 2012

18. Juni

Mozart KV 375 Serenade Nr. 11 für Bläser Es-Dur

Odyssee 12,  1 - 30

Odysseus erzählt den Phäaken bis tief in die Nacht hinein weiter von seinen Irrfahrten.
Vom Hades fuhren er und seine Gefährten zurück zur Insel Aiaia, wo Kirke wohnt. Sie errichteten einen Scheiterhaufen, um den Leichnam Elpenors zu verbrennen und zu bestatten. Auf das Grab pflanzten sie sein schöngeglättetes Ruder, so wie es sich seine Seele im Hades gewünscht hat.
Kirke kam mit ihren Mägden herbei, bewirtete die Seefahrer reichlich mit Brot und Wein. Sie versprach, ihnen morgen früh, wenn sie in See stechen, den Kurs anzusagen. Odysseus und seine Gefährten labten sich den ganzen Tag an der Fülle des Fleisches und süßen Weins.




Mozart ist ebenfalls getrieben auf seinen Reisen heim zur Musik.
Im Komponieren verneint er das Widersprüchliche nicht, er nutzt es als kompositorische Substanz. Eben das ist der eigentlich künstlerische Prozeß, er entdeckt die Sprache der Musik und ihre dialektische Dimension.
Immer wieder dreht sich in Amadés Kopf das Kaleidoskop der vielfältigen Eindrücke, die er im Spiegel
der Musik zusammenfallen läßt, um stets neue Abbildungen seiner Lebensempfindung hervorzurufen: Die Empfindungen eines im wahrsten Sinne des Wortes bewegten Reise-Lebens.
Zentrales Motiv bei Mozarts Sozialisation ist  die Vernunft. Vater Leopold führt diesen Begriff bei den Ermahnungen des Sohnes - auch brieflich - so oft im Munde, dass er für den Sohn zur dogmatischen Glaubensgröße werden muss. Abstrakt, denn welches Kind kann Vernunft als Handlungsprinzip begreifen? Kinder sind nicht vernünftig, und die Welt, die Amadé reisend erlebt, erst recht nicht.
Schon frühkindliche Erfahrung: Unterwegssein; was stetige Veränderung der Umgebung, rasante
Abfolge immer neuer Eindrücke und vieler Widersprüchlichkeiten heißt. Kaum an die harte Kutschbank gewöhnt, sitzt er schon im weichen Audienzsessel bei Fürstens - nach Stallknecht- und Kutschergeruch im nächsten Augenblick parfümierte Küsse der Salondamen. Von lärmenden Schmuddelkindern zu in Kostüme gezwängten adligen Zöglingen, ein großer, von Selbstsicherheit und Omnipotenz strotzender Vater als devoter Bittsteller bei Hofe.
So sehr Vater sich um sein Wunderkind gesorgt, ihn vor dem Zubettgehen fest in seine Arme
geschlossen hat, so wenig hatte das Kind Geborgenheit und Ruhe, um zu sich selbst zu kommen. Soziales Lernen im Umgang mit Gleichaltrigen ist ihm weitgehend verwehrt geblieben, keine Schule. Oft genug empfindet der Sohn seine Abhängigkeit von der Instanz Vater, immer unverzichtbar, aber schmerzhaft.
Amadé Mozart sucht in der Musik nach Möglichkeiten, seine als Sammelsurium von Widersprüchen erfahrene W
elt in eine eigene Ordnung -  die der Töne - zu bringen.



Eines Tages steht er von der Bedienstetentafel auf, um den ungeliebten Dienst beim Fürsterzbischof Colloredo zu quittierten.
Häufig als Akt der Rebellion interpretiert, entspringt der Schritt vielmehr der Angst, mit dem Dienstherrn wieder
nach Salzburg zurückkehren, die Wiener Hoffnungen für immer begraben zu müssen. Deshalb erduldet er nach dem Abschiedsgesuch über einen Monat lang die Schmähungen und Repressionen des Fürsterzbischofs weiter, bis es zum berühmten Fußtritt in Mozarts Allerwertesten (nicht umgekehrt, wie häufig kolpotiert) kommt.
 
"Nun hat es der Herr Graf Arko recht gut gemacht! - das ist also die Art die Leute zu bereden, sie an sich zu ziehen schreibt er im Juni 1781 an den Vater. daß man aus angebohrner dumrnheit die Bittschriften nicht annimt, aus manglung des Muths und aus liebe zur fuchsschwänzerey dem Herrn gar kein Hort sagt. Jemand vier Wochen herum zieht, und endlich da derjenige gezwungen ist die Bittschrift selbst zu überreichen, anstatt ihm wenigstens den zutritt zu verstauen, ihn zur thüre hinaus schmeist, und einen tritt im Hintern gibt  - das ist also der Hof wo ich dienen soll - an welchem man Jemand, der um etwas schriftlich einkommen will, anstatt daß man ihm die Übergebung zuwege bringt, ihn also behandelt? - ich habe drey Memorial gemacht; habe sie 5 mal übergeben, und sind mir allzeit zurückgeschlagen worden. - ich machte also ein anders Memorial worinn ich ihm entdekte, daß ich schon bereits 4 Wochen eine bittschrift in bereitschaft hätte - für dieses memorial bekamm ich die entlassung meiner dienste auf die schönste art von der Welt. - denn wer weis ob es nicht auf befehl des Erzbischofs geschehen ist?"

Garf Arco (mit 13)

Von Tag zu Tag wird Mozarts Musik vollkommener. In der Serenade KV 375 wendet er den traditionellen Serenadencharakter in einen intimeren Kammerton um. Er behandelt die Instrumente stets solistisch, nicht thematisch paarweise, ordnet die Sätze symmetrisch-zyklisch in zwei schnelle Ecksätze - den Kopfsatz in Sonatensatzform, der Schlusssatz als Rondo - und zwei Menuette um einen langsamen Mittelsatz, der durch steten Klangfarbenwechsel, Ineinandergreifen der Stimmen und einen empfindsamen Ton eine einzigartige Wirkung entfaltet.

KV 375: Allegro maestoso
KV 375: Menuetto 1mo.
KV 375: Adagio
KV 375: Menuetto 2do
KV 375: Allegro

Der Hofmaler Josphe Hickel spielt übrigens die Serenade zu Mozarts Namenstag als Überraschung mit und eben dieser Hickel malt 1783 Mozart im Profil mit roter Jacke (35 mal 48 cm in Öl).













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