Dienstag, 3. Januar 2012

2. Juni

Mozart KV 366 Idomeneo, Rè di Creta

Odyssee 11, 170 - 203

Odysseus im Hades.
Die Seele seiner Mutter erzählte von Ithaka. Penelope warte auf Odysseus, Telemach bestelle sein Erbe und sein Vater Laertes komme aus Kummer über das Schicksal seines Sohns nicht mehr in den Palast, er schlafe winters bei den Knechten, sommers im Freien. Sie selbst sei aus Kummer über das Geschick ihres Sohnes Odysseus gestorben.


Autoskript

Odysseus/Idomeno und seine Gefährten: Der Chor der schiffbrüchigen Seeleute, Odysseus/Idomeneo fleht zu Poseidon/Neptun

Idomeno ist die große Wende in Amadés Leben.

Am 5. November 1780 sitzt Mozart in der Kutsche nach München. Der schlecht gefederte Postwagen holpert dermaßen über die hartgefrorenen Fahrrinnen, daß Mozart die halbe Reise auf beide Hände gestützt verbringt, um sein Hinterteil einigermaßen heil in die Isarstadt zu bringen. Für keinen der Passagiere ist an Schlaf während der Nachtfahrt zu denken, gegen Mittag trifft er übernächtigt, aber glücklich in der Residenzstadt ein.



Hier hält der ehemals in Mannheim residierende Kurfürst Karl Theodor Hof, mit ihm ist das Mannheimer Orchester übergesiedelt, an der Isar weht ein neuer Wind. Mozart soll Idomeneo als dreiaktige Opera seria neu komponieren.
Bei Vorbereitung und Durchführung beweist Mozart sein hohes stilistisches und technisches Vermögen. Er besteht auf Überarbeitung des Textes im Sinne seiner musikalischen Dramaturgie, Wünsche, denen Verfasser Varesco immer unwilliger nachkommt. Mozart nimmt eigenmächtig eine Reihe von Kürzungen vor, um den dramatischen Fluß zu gewährleisten. Er diskutiert mit dem Orchester kompositions- und spieltechnische Fragen, gibt Ballettmeister und Bühnenbildner notwendige Tips.
Der bangende Leopold ermahnt den "verlorenen Sohn"  brieflich, sich die Gunst der maßgebenden
Leute in München zu erhalten und auf seine Gesundheit zu achten. Als Vater und Schwester aus Salzburg zur Hauptprobe anreisen, treffen sie einen überarbeiteten, aber zutiefst befriedigten und der Obhut des Vaters entwachsenen Amadé an.
Am 29. Januar 1781 erklingt die Oper, als tosender Beifall aus Saal und Orchester einsetzt, sieht Leopold
Mozart: Sein Sohn hat den Schritt in eine Welt getan, in die ihm der 61jährige Vater nicht mehr folgen kann.



Die Beschränkungen, welche die Gepflogenheiten einem Komponisten 1780 auferlegen, nimmt Mozart als Herausforderung an. Sein Vokabular umfaßt nun italienische und französische Elemente, er zeigt den Kosmopoliten, der seine Reiselektionen gelernt hat. 
Die wichtigste Errungenschaft: Seine musikalischen Sprache verselbständigt sich vom Librettotext, eine Emanzipation nicht im Sinne von Entfernung oder Verleugnung der Dichterworte, sondern Reflexion des Textes mit muskalischen Mitteln.
Hans Neuenfels auf der Spur in das Unterbewußtsein der Mozartschen Figuren entdeckt hinter der bunten Barockfassade der Opera seria wahre Albtraumszenen eines tödlichen Vater-Sohn-Konflikts.


Handlung
Idomeneo erzählt die Geschichte des gleichnamigen Königs von Kreta, dessen Sohn sich in die Tochter seines Feindes Triamon verliebt hat. Nach etlichen Intrigen und Verwicklungen mahnt schließlich ein Orakelspruch den König, diese Liebe anzuerkennen, worauf dieser den beiden Liebenden großmütig seinen Thron überläßt.


Coro
CORO VICINO
Pietà! Numi, pietà!
Aiuto oh giusti Numi!
A noi volgdte i lumi...

CORO LONTANO
Pietà! Numi, pietà!
II ciel, il mare, il vento
Ci opprimon di spavento...

CORO VICINO
Pietà Numi, pietà.
In braccio a cruda morte
Ci spinge l'empia sorte...

Recitativo
IDOMENEO
Eccoci salvi alfin.

Oh voi, di Marte,
E di Nettuno all'ire,
Alle vittorie, ai stenti
Fidi seguaci miei,
Lasciatemi per poco
Qui solo respirar, e al ciel natio
Confidar il passato affanno mio.

Tranquillo è il mar, aura soave spira
Di dolce calma, e le cerulee sponde
II biondo Dio indora, ovunque io miro,
Tutto di pace in sen riposa, e gode.
Io sol, io sol su queste aride spiagge
D'affanno, e da disagio estenuato
Quella calma, oh Nettuno, in me non provo,
Che al tuo regno impetrai.

Oh voto insano, atroce!
Giuramenlo crudel! ah qual de' Numi
Mi serba ancora in vita,
Oh qual di voi mi porge almen aita?

Aria
IDOMENEO
Vedrommi intorno
L'ombra dolente,
Che notte, e giorno:
Sono innocente
M'accennerà.

Nel sen trafitto,
Nel corpo esangue
II mio deliuo,
Lo sparso sangue
M'additerà.

Qual spavento,
Qual dolore!
Di tormento
Questo core
Quante volte
Morirà!



Chor der schiffbrüchigen Seeleute
CHOR IN DER NÄHE
Erbarmen! Götter, Erbarmen!
Gerechte Götter, helft!
Wendet uns eure Blicke zu ...

CHOR IN DER FERNE
Erbarmen! Götter, Erbarmen!
Himmel, Meer und Sturm
werfen uns mit Entsetzen nieder...

CHOR IN DER NÄHE
Erbarmen! Götter, Erbarmen!
Einem grausamen Tod in die Arme
treibt uns das bösartige Schicksal...

Pantomime
(Neptun erscheint auf dem Meer. Er gibt den Winden ein Zeichen, sich in ihre Höhlen zurückzuziehen. Das Meer beruhigt sich allmählich. Idomeneo erblickt den Meeresgott und ruft seine Macht an. Neptun richtet einen finsteren und bedrohenden Blick auf ihn und taucht in die Wellen zurück.)




Rezitativo
IDOMENEO
Endlich sind wir gerettet.

Ihr, meine treuen Gefährten,
wenn Mars und Neptun tobten,
im Sieg und in der Not,
laßt mich hier
ein wenig Atem schöpfen
und dem heimatlichen Himmel
mein überstandenes Leid anvertrauen.

Still ist das Meer, ein sanfter Wind atmet
süße Ruhe, und der blonde Gott färbt
die bläulichen Gestade golden: wohin ich blicke,
ist alles in Frieden geborgen und glücklich.
Nur ich, o Neptun, nur ich, erschöpft von Leid und Kampf
an diese wilde Küste geworfen,
verspüre diese Ruhe nicht in mir,
die ich von deinem Reich erflehte.

Unbedachtes, gräßliches Gelübde,
grausamer Schwur! Ach, wer von euch Göttern
steht mir im Leben bei,
wer von eucht bringt mir wenigstens Hilfe?

Arie
IDOMENEO
Schon sehe ich,
wie der schmerzerfüllte Schatten
mich Tag und Nacht umschwebt.
»Ich bin unschuldig«,
wird er mir bedeuten.

Mit durchbohrter Brust
und blutlosem Körper
wird er an mein Verbrechen,
an das vergossene Blut
mich gemahnen.

Welch Entsetzen,
welch ein Schmerz!
Wie oft soll
vor Qual
dieses Herz
noch sterben?

Aria
ILIA
Se il padre perdei,
La patria, il riposo,
Tu padre mi sei,
Soggiorno amoroso
È Creta per me.
Or più non rammento
L'angoscie, gli affanni,
Or gioia e contento,
Compenso a miei danni
Il cielo mi diè.

Wenn ich den Vater verlor,
die Heimal, den Frieden,
so bist du mir jetzt Vater,
und liebevolle Bleibe
ist mir Kreta.

Jetzt denke ich nicht mehr
an die Ängste und Qualen,
jetzt gab mir der Himmel
zum Ausgleich für meine Leiden
Freude und Glück.
















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