Dienstag, 3. Januar 2012

20. Juni

Mozart KV 382 Konzert-Rondo für Klavier

Odyssee 12, 59 - 100

Odyssus' Bericht geht weiter, er erzählt, was ihm Kirke in der Nacht vor dem Ablegen voraussgesagt hat.
Die Weiterfahrt nach den Sirenen gehe an überhängenden glatten Felsen mit hoher Brandung vorbei, die 'Irrende' heißen. Nur das Schiff 'Argo' habe es bisher als einziges geschafft, sie zu passieren, weil Here ein Freund des Jason war. Es gebe dort zwei Felsen und eine Höhle, wo die furchtbar bellende Skylla hause, mit 12 Füßen und sechs überlangen Hälsen und entsetzlichen Köpfen. Sie fische sich Delphine, Seehunde und noch größeres Meeresgetier. Kein Schiff sei heil vorbeigekommen.

Ob Mozart die Wiener Jahre heil übersteht?
Er wohnt jetzt im Haus von Fridolin Weber. Dieser und seine Tochter Aloysia (in die Amadé sich einst in Mannheim verliebt hatte - inzwischen verheiratet mit dem Hofschauspieler Joseph Lange) haben an der Wiener Hofburg Anstellung gefunden.
Die alte Madame Weber war so gütig mir ihr haus zu offriren — da habe ich mein hüpsches Zimmer;
bin her dienstfertigen Leuten, die mir in allen, was man oft geschwind braucht, und — wenn man allein ist nicht haben kann - an die hand gehen.

Antonio Salieri (1750 - 1825)
Der Untermieter ist nur selten zu Hause. An den Vormittagen unterrichtet er seine Schülerinnen, die er zur Sicherung seiner Existenz - und Reputation, so es sich um Gräfinnen handelt - annehmen muß. Nachmittags ist er regelmäßiger Gast der Wiener Aristokratie, für die er am Abend gegen gutes Honorar in geschlossenen Akademien oder öffentlichen Soireen aufspielt.
Mozarts Konzerttätigkeit, die ihm der Fürsterzbischof ehedem verboten hat, kommt wieder zum Blühen - nur der Kaiser hält sich in der Protektion des jungen Komponisten, der ihm etwas zu unkoventionell ist, vornehm zurück. Er bescheidet sich mit seinem Hofmusikus Antonio Salieri, dem 32jährigen Italiener.
Neun Jahre nach der Fertigstellung seines ersten selbst komponierten Klavierkonzerts Nr. 5 KV 175 (siehe 28. Februar -->), für das Mozart eine lang anhaltende Vorliebe hat, gibt Amadé diesem im März 1782 einen neuen Schlusssatz. Er wählt ambitioniert die brillante Tonart D-dur und große Orchesterbesetzung (Streicher, Oboen, Hörner, Trompeten und Pauken), handhabt die Form meisterhaft und originell worin er bereits seine vorklassischen Vorbilder übertrifft: im ausbalancierten Wechselspiel zwischen Solo und Orchester, in der Orchestrierung (besonders des Andante ma unpoco Adagio) und in der Art, wie er die musikalischen Gedanken miteinander in Beziehung setzt. Der unkonventionellste Satz ist zweifellos das Finale, ein Sonatensatz, der das Werk mit einer überraschenden, halb ironischen Kombination »gelehrter« und »galanter« Stilelemente krönt. Er beginnt mit einem kanonisch geführten Hauptthema, gefolgt von einer tänzerisch-synkopierten Überleitung und einem ganz buffonesken Seitensatz. Das Spiel mit verschiedenen Stilhaltungen und getäuschten Hörerwartungen bestimmt den Verlauf des ganzen Satzes.Der Meister hat uns ein ungemein pointiertes Werk hinterlassen, mit dem wir genussvoll und sicher zwischen den Kritikern und Virtuosen hindurchschiffen, wie Odysseus zwischen Skylla und Charybdis ...
Mit einhelliger Empörung erblicken Kritiker darin eine Kapitulation des Künstlers vor dem Geschmack des Wiener Publikums — merkwürdigerweise sogar Alfred Einstein, obwohl er dieses Stück zutreffend als »ein kleines humoristisches Wunderwerk« bezeichnet.

Amadé schickt es seinem Vater, "welches ich zu dem Concert ex D gemacht habe, und welches hier so grossen lärm macht. — dabey bitte ich sie aber es wie ein kleinod zu verwahren — und es keinem Menschen (...) zu spiellen zu geben. — ich habe es besonders für mich gemacht — und kein Mensch als meine liebe schwester darf es mir nachspiellen."


KV 382












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