Dienstag, 3. Januar 2012

15. Juli

Mozart KV 416 "Mia speranza adorata" - "Ah, non sai, qual pena sia"
                             Rezitativ und Arie für Sopran und Orchester

Odyssee 13,  416 - Ende

Athene plant mit Odysseus auf Ithaka die Heimkehr auf seine Burg.
Odysseus fragt die Göttin, warum sie Telemach nicht gesagt habe, dass er, sein Vater heimkehre. Soll dieser etwa auch sich verirren auf dem Meer und Leiden erdulden? 
Athene beruhigt Odysseus: Sie wache stets über Telemach, selbst wenn junge Leute ihm auflauerten. Dann berührt die Göttin Odysseus mit ihrem Stab, er verwandelt sich in einen zerlumpten Greis. Sie hängt ihm noch ein kahles Hirschfell und einen garstigen Ranzen um, dann entschwindet sie nach Sparta ...




Auch Mozart spürt, wie schwer es ist, anzukommen. Seine in Wien erworbene Freiheit verkehrt sich in Zwang. Das Buhlen um die Gunst seiner Auftraggeber, das reibungslose Funktionieren als Genius der Salons, die unaufhörliche  Kunstproduktion ermüdet und beängstigt ihn. Unruhe ergreift ihn, er denkt zurück an die Reisen mit dem Vater.


Das Zimmer am Graben, das er seit September 1781 bewohnt, gibt er auf, um mit Constanze, der jüngsten Webertochter, fernab familiärer Querelen im "Roten Säbel" unterzukommen. Mit der "Entführung" startet Mozart eine neue Offensive gegen die Konventionen einer Gesellschaft, deren Beharrungsvermögen ihm nun erst recht zuwider ist.
Dem Wohnungswechsel werden in den nächsten zwei Jahren fünf weitere folgen, immer stehen die Reisekoffer bereit
für einen Auslandsauftrag, der diesem ewigen Umsichselbstdrehen ein Ende bereiten würde.


Vor lauter Verpflichtungen und Kompositionsaufträgen weiß Mozart oft nicht, wo ihm Kopf und Herz stehen.
Gewiß, wie sie auch alle heißen, Gräfin Thun, Baronin von Waldstätten, van Swieten, Graf Kaunitz - alle schätzen den höflichen Galan, den witzigen Unterhaltungskünstler, dessen bezaubernde Musik dem Ambiente ihrer Gesellschaft einen Anstrich größter Kunstbeflissenheit verleiht, sehen in ihm den virtuosen Klavierspieler und Lebenskünstler. Und er fügt sich in seine Rolle bis zur Selbstverleugnung.
Wie geht es dem Menschen Mozart? Der tanzt bis zur Besinnungslosigkeit im absurden Maskenball des gesellschaftlichen Lebens.

Ich kann wohl sagen, daß ich ein recht glücklicher und unglücklicher Mensch bin! — unglücklich seit der Zeit da ich Euer Gnaden so schön frisirt auf dem Ball sah! - denn - meine ganze Ruhe ist nun verloren! — nichts als Seufzen und Aechzen! — die übrige Zeit, die ich noch auf dem Ball zubrachte, konnte ich nichts mehr tanzen — sondern sprang — daß soupee war schon bestellt — ich aß nicht — sondern ich fraß — die Nacht durch anstatt ruhig und sanft zu schlummern — schlief ich wie ein Ratz, und schnarchte wie ein Bär! - und (ohne mir viel darauf einzubilden) wollte ich Fast darauf wetten daß es Euer Gnaden à proportion eben auch so gieng! — Sie lächeln? — werden roth? — o ja — ich bin glücklich?




Nein, glücklich ist er nicht.
… diesen Abend muß ich noch für meine schwägerin Lange ein Rondò fertig machen, welches sie Samstag in einer großen Academie auf der Mehlgrube singen wird.



Mia speranza adorata - Ah, non sai, qual pena schreibt er für Aloysia Lange, der Text der Komposition vom Januar 1783 stammt aus Gaetano Sertors 'Zemira'. In die Aufführungen dieser Oper im Januar und März 1783 im Wiener Burgtheater wird KV 416 als Einlagearie eingefügt.
Mozart fühlt mit.

KV 416: Recitativo Andante
KV 416: Rondeau

GANDARTE
Mia speranza adorata!
Ah, troppo e a noi l'ira del ciecl f'unesta!
L'ultima volta è questa,
Ch'io ti stringo al mio seno! Anima mia,
lo più non li vedrò.
(a Sarubes)Deh, tu l'assisti,
Tu per me la consoli.
(a Zemira)Addio, Zemira,
Ricordati di me!
(a Zama)
Senti...
(a Zemira)Che vedo!
Tu piangi, o mio tesoro! Oh, quanto accresce
Quel pianto il mio martir!
Chi prova mai
Stato peggior del mio!
Addio per sempre, amata sposa, addio!


Ah non sai qual pena sia
II doverti, oh Dio, lasciar,
Ma quel pianio, anima mia,
Fa più grave il mio penar.
(a Akbar)Deh, m i lascia ... oh fier momento!
(a Zemira)Cara sposa!... Ah, ch'io mi sento
Per l'affanno il cor mancar.
A quai barbare vicende
Mi serbaste avversi Dei!
Dite voi se i casi miei
Non son degni di pictà.


GANDARTE
Du meine angebetete Hoffnung,
ach zu sehr sehr schwebt über uns
der düstere Zorn des Himmels!
Dies ist das letzte Mal,
daß ich dich an meine Brust drücke. Mein Leben,
ich werde dich nicht Wiedersehen.
(zu Sarabes)

Ach, steh du ihr bei,
du tröste sie für mich.
(zu Zemira)

Leb wohl Zemira.
Erinnere dich an mich.
(zu Zama)

Höre...
(zu Zemira)
Was sehe ich!
Du weinst, o mein Kleinod. Ach wie vermehren
diese Tränen meine Qual!
Wer ist je in einem schlimmeren
Zustand gewesen als ich?
Leb wohl für immer, geliebte Braut, leb wohl!
Ach mein Gott, du kennst die Qual,
dich verlassen zu müssen, nicht.
Aber diese Tränen, du mein Leben,
machen meine Leiden noch schwerer.
(zu Akbar)

Ach laß mich ... O grausamer Augenblick!
(zu Zemira)
Teure Braut... Ach wie fühle ich
vor Schmerz mein Merz stocken!
Welch grausames Geschick
habt ihr für mich bestimmt, ihr feindlichen Götter?
Sagt doch, ob mein Unglück
nicht des Mitleids würdig ist.










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