Dienstag, 3. Januar 2012

30. Juli

Mozart KV 430 (424a)  "Lo sposo deluso" Opera buffa (Fragment)

Odyssee 14, 442 - 471

Alle gehen zu ihrem Lager, gesättigt von Brot und Fleisch, um zu schlafen. Eine schlimme mondlose Nacht mit Westwind und Regen bricht an und Odysseus prüft den Hirten Eumaios, ob der ihm den eigenen Mantel gäbe.
Er/Bettler wird gesprächig,  schiebt es auf den genossenen Wein. Gemeinsam mit Odysseus und Menelaos lagen sie vor Troja auf der Lauer.



Odysseus muss sich im Märchenerzählen nicht mehr üben, wohl aber der Opernkomponist Mozart.

Seine beiden umfangreichen Fragmente L'oca del Cairo KV 422 (siehe 28. Juli -->) und Lo sposo deluso liefern Anschauungsmaterial. Bereits lange zuvor — 1774/75 — hat er eine Opera buffa, La finta giardiniera (siehe 18. März -->), für das Münchener Hoftheater komponiert. Nach dem Erfolg der Entführung im Jahre 1782 tritt der Direktor des Kaiserlichen Hoftheaters, Graf Orsini-Rosenberg, an Mozart mit der Bitte heran, eine Opera buffa für Kaiser Joseph II. zu komponieren, der wie Haydns Gönner Fürst Esterhazy die Opera buffa der Opera seria vorzieht. Mozart ist entzückt, besonders da die neue italienische Truppe den Wienern ungemein gefällt.
Im Mai schreibt er an seinen Vater, daß er noch immer nach einem geeigneten Libretto suche, nachdem er schon mehr als hundert gelesen habe. Ein gewisser Abate da Ponte habe ihm zwar eines versprochen, aber er arbeite gegenwärtig für Salieri, und so sei es unwahrscheinlich, daß er seine Zusage einhalten werde.
Der Untertitel vom getäuschten Bräutigam "La rivalità di tre donne per un solo amante" verrät den Inhalt der Handlung zur Genüge. Für keine der beiden Opern bekommt er einen Zusachlag. All diese scheinbar fruchtlose Arbeit lässt Mozart jedoch wertvolle Erfahrungen machen, die ihm drei Jahre später bei der Komposition von Nozze di Figaro zugute kommten sollen. Dieser absolute Höhepunkt in der Operngeschichte ist nach wie vor ein unerklärtes Wunder, aber es finden sich zumindest Hinweise und Andeutungen in Musik und Handlung der Fragmente. 
Mozarts und da Pontes Kenntnis von Paisiellos 'Re Teodora' und Bianchis 'Villanella rapita' könnte sie zu der Einsicht geführt haben, daß es bei der Oper im Grunde um Menschen und eine kritische Sicht der Gesellschaft und nicht um die Aneinanderreihung komischer Situationen geht. Außerdem lernt Mozart ständig mehr über das Theater, das er in Wien eifrig besucht, und somit auch über menschliche Verhaltensweisen.
Uraufgeführt wirde das Fragment, von dem zwei Akte erhalten sind, übrigens am 28. Februar 1929 in Gotha mit einem deutschen Text von Adalbert Schremmer.

PULCHERIO
Ah, ah, che ridere!
Voi siete sposo?

BOCCONIO
Che c'è da ridere, quale stupor?
Le frecce amabili del Dio bendato
m'hanno ferito, piagato il cor.

PULCHERIO
Povera giovane! Scusate amico!
Un sposo antico ritroverà.

BOCCONIO
Séguiti, séguiti, ch'è verità!

BETTINA, DON ASDRUBALE
Cervel più stolido, no, non si dà.

PULCHERIO
Povera giovane, mi fa pietà.

BOCCONIO
Ma lei mi secca; ehe cosa vuole?
Lei sprechi altrove le sue parole;
Con più chiarezza s'ha da parlar?

PULCHERIO
Bell'orologio! bello, bellissimo!
E quest'anello è pur ricchissimo:
Sara di Francia, cosi mi par.

BOCCONIO
O Francia, o Tunisi, lo lasci stare!
(Costui qua viene per criticare
E già la bile saltar mi fa).

PULCHERIO
Signor, correte subito, l
a sposa arriva già.
BOCCONIO
Finitela, sbrigatevi!
I miei brillanti qua!

DON ASDRUBALE
Amico, io parlo chiaro:
Se più civil non siete,
La sposa annoiarete,
Disordin vi sarà.

BOCCONIO
Andate tutti al diavolo.
Presto la spada qua!

BETTINA
Se ora non mi date
Io sposo a genio mio,
gran chiasso,
signor zio,
La sposa troverà.

BOCCONIO
Nipote del demonio...
Presto la spada qua!

PULCHERIO
Se voi non la finite,
Se voi non vi sbrigate,
Se incontro non le andate,
la sposa griderà!

BOCCONIO
Che seccature orribili!
Uomini incivilissimi
Servi maledettissimi,
Presto la spada qua!



PULCHERIO
Ach, wie komisch! Ihr seid verlobt?

BOCCONIO
Was ist daran komisch? Was erstaunt Euch daran?
Cupidos Liebespfeile haben mich getroffen,
haben mein Herz verwundet.

PULCHERIO
Die arme junge Frau! Vergebt mir, Freund!
Einen Bräutigam von beträchtlichem Alter wird sie vorfinden.

BOCCONIO
Fahrt fort, es ist ja die Wahrheit.

BETTINA, DON ASDRUBALE
Ein noch beschränkteres Gehirn, nein, das gibt es nicht.

PULCHERIO
Die arme junge Frau! Ich habe Mitleid mit ihr!

BOCCONIO „l
Und Ihr fallt mir lästig; was wollt Ihr eigentlich?
Vergeudet sonstwo Eure Worte;
muß ich noch deutlicher sprechen?

PULCHERIO
Eine sehr schöne Uhr! Schön! Sehr schön!
Und dieser Ring ist doch überaus kostbar:       
Er dürfte aus Frankreich sein, will mir scheinen.

BOCCONIO
Entweder aus Frankreich oder Tunis, laßt ihn liegen!
(Dieser Mensch kam hierher, um zu kritisieren,
und mir läuft gleich die Galle über).

PULCHERIO
Herr, beeilt Euch, schnell!
Die Braut kommt gleich an

BOCCONIO
Macht Schluß,
beeilt euch,
meine Diamanten her!

DON ASDRUBALE
Freund, ich will ein offenes Wort sprechen:
wenn Ihr Euch nicht etwas gesitteter verhaltet,
werdet ihr der Braut lästig fallen,
und Eure Ordnung wird gestört werden.

BOCCONIO
Schert euch alle zum Teufel!
Schnell, mein Schwert her!

BETTINA
Wenn Ihr mich nicht augenblicklich
dem Bräutigam meiner Wahl zuführt,
Herr Oheim, welch großen Lärm
findet die Braut hier vor!

BOCCONIO
Teufelsweib!
Schnell, mein Schwert her!

PULCHERIO
Wenn Ihr damit nicht Schluß macht,
wenn Ihr Euch nicht beeilt,
wenn Ihr ihr nicht entgegengeht,
wird die Braut Euch eine Szene machen!

BOCCHONIO
Was für schreckliche Quälgeister!
Menschen ohne jedes Benehmen!
Vermaledeite Diener!
Schnell, mein Schwert her!

Aria
EUGENIA
Nacqui all'aura trionfale
Del Romano Campidoglio,
E non trovo per le scale
Chi mi venga ad incontrar?

Ah, son qual furia delirante,
Quest'ingiuria non sopporto
E al Tarpeo vuo' sull'istante
Per le poste ritornar.


EUGENIA
Geboren bin ich in der triumphalen Aura
des römischen Kapitols,
und niemand finde ich auf der Treppe vor,
der mir bei der Ankunft entgegenkommt?

Ach, ach, ich bin wie eine rasende Furie!
Diesen Schimpf kann ich nicht ertragen
und werde augenblicklich mit der Eilpost
zum Tarpejischcn Felsen zurückkehren!















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