Dienstag, 3. Januar 2012

7. August

Mozart KV 436 Notturno "Mi lagnerò tacendo"

Odyssee 15, 160 - 191

Als Telemach sich in Sparta verabschiedet, geschieht ein Zeichen:
Ein Adler, eine zahme Gans in den Klauen, fliegt auf, von schreienden Männern und Weibern verfolgt. Alle freuen sich über dieses Zeichen und Helena deutet es:
"Wie der Adler, aus seinem Nest im Gebirge gekommen, die Gans weggerafft hat, die sich vom Fett unserer Wohnung mästete, so wird Odysseus nach langer Irrfahrt und Qual als Rächer in die Heimat zurückkehren, oder ist schon zurückgekehrt, den gemästeten Freiern zum Verderben!"
Telemach und Peisistratos eilen mit dem Wagen davon. Am Abend übernachten sie wieder, gastreich gepflegt, in der Burg Pherai bei Diokles.

So wie alle die beiden Jünglinge gastlich bewirten, ist auch Amadé bei Familie Jacquin immer willkommen.



Baron Niklaus Joseph von Jacquin ist ein berühmter Botaniker und Professor in Wien. Für musikalische Stunden, die Mozart im geselligen Kreis der Familie Jacquin verbringt, schreibt Amadé die Notturni, nicht für das große höfische Publikum. Carolinie Pichler in ihren Erinnerungen: "Schon seit sechzig bis siebzig Jahren genoß der Name Jacquin einen glänzenden Ruf in der Welt der Wissenschaft. Wenn die Gelehrten vor allem die Gesellschaft des Vaters und die seines ältesten Sohnes, Joseph Franz von Jacquin, suchten, der in seine Fußstapfen trat, scharten sich die Jüngeren um seine Schwester Franziska und den jüngsten Sohn Gottfried, der auf Grund seines wachen und kultivierten Geistes, seiner bemerkenswerten Begabung für die Musik und seiner schönen Stimme im Mittelpunkt der fröhlichen Gesellschaften stand, die jeweils Mittwoch abends stattfanden. Und während die Älteren sich im Arbeitszimmer des Familienoberhauptes    gelehrte    Wortgefechte    lieferten, scherzte und amüsierte sich die musikalische Jugend aufs prächtigste". 
Gottfried und Franziska, mit denen Mozart seit 1783 bis zu seinem Lebensende eine tiefe Freundschaft verbindet, sind ausgezeichnete Musiker. Franziska war Wolfgangs Schülerin, und für sie schreibt er 1786 den Klavierpart des Trios KV 498 mit Klarinette und Viola. Für Gottfried, zu dem er ein fast brüderliches Verhältnis hat, komponiert Mozart außer den Liedern auch Arien, die uns alle noch begegnen werden.
(Weil Gottfried in seinen Mußestunden komponierte, glaubte man übrigens lange Zeit, er sei der Schöpfer der Notturni.)

Wichtig in diesem Zusammenhang sind die Ähnlichkeiten zwischen den Notturni KV 437 und KV 438 (siehe 8. August -->) und der Gartenserenade aus Cosi fan tutte "Secondate, aurette amiche" (Akt II 21): Beim Hören dieser reinen, heiteren Musik fällt es uns leicht, das Glück Mozarts nachzuempfinden,  bei so lieben und teuren Freunden willkommen zu sein.

KV 437

Mi lagnerò tacendo
Della mia sorte avara;
Ma ch'io non t'ami, o cara,
Non lo sperar da me.


Crudele! in che t'offendo
Se resta a questo petto
II misero diletto
Di sospirar per te?



Schweigend beklage ich
mein grausames Schicksal;
aber hoffe nicht, meine Teure,
daß ich dich nicht liebe.


Grausame! Wie kann ich dich verletzen,
wenn in dieser Brust verbleibt
die traurige Freude,
wegen dir zu seufzen?














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