Dienstag, 3. Januar 2012

12. September

Mozart KV 474 Die betrogene Welt "Der reiche Tor, mit Gold geschmückt" 

Odyssee 17,  182 - 214

Odysseus auf dem Weg zu seinem Palast.
Unterdessen haben sich von der Hütte des Eumaios er und sein Gast zum Weg in die Stadt aufgemacht; Odysseus der Bettler hat den hässlichen geflickten Ranzen umgeworfen und der Sauhirt ihm den Stab in die Hand gegeben. Sie kommen am Stadtbrunnen vorbei, den Vorfahren des Odysseus schön in Felsen fassten; ein Pappelhain ist rundum gepflanzt, aus den Steinen springt hohes, helles Wasser. Hier treffen sie den Hirten Melanthios, der den Freiern die besten Ziegen aus der Herde zum Schmaus in die Stadt hineintrieb.

C. F. Weiße
Wer Weißes Text liest und Mozarts Schicksal kennt ... hat sich etwas geändert seit Odysseus' Zeiten? Amadé komponiert das Lied 1785 in Wien für eine Singstimme und Klavier nach dem Text von Christian Felix Weiße. Bei "bald hinkt die Reue hinterdrein" trübt er die Melodie durch verminderte Akkorde sowie einen Umbruch in die Molltonika ein.

KV 474

Die betrogene Welt

Der reiche Tor, mit Gold geschmücket
Zieht Selimenens Augen an:
Der wack’re Mann wird fortgeschicket
Den Stutzer wählt sie sich zum Mann.
Es wird ein prächtig Fest vollzogen,
Bald hinkt die Reue hinterdrein.
Die Welt will ja betrogen sein,
Drum werde sie betrogen!


Beate, die vor wenig Tagen
Der Buhlerinnen Krone war
Fängt an, sich violett zu tragen,
Und kleidet Kanzel und Altar.
Dem äußerlichen Schein gewogen,
Hält mancher sie für engelrein.
Die Welt will ja betrogen sein,
Drum werde sie betrogen!


Wenn ich mein Karolinchen küsse,
Schwör’ ich ihr zärtlich ew’ge Treu;
Sie stellt sich, als ob sie nicht wisse,
Daß außer mir ein Jüngling sei.
Einst, als mich Chloe weggezogen,
Nahm meine Stelle Damis ein.
Soll alle Welt betrogen sein,
So werd' auch ich betrogen!

(Christian Felix Weiße)

C. F. Weiße (1726 - 1804) war ein sächsicher Schriftsteller und Pädagoge, bedeutender Vertreter der Aufklärung und Begründer der Kinder- und Jugendliteratur. Als Hauslehrer beim Grafen von Geyersberg, Gesellschafter des Grafen Schulenburg, Kreissteuereinnehmer, hatte er neben seiner Lyrik und seinen Dramen mit seiner Zeitschrift Der Kinderfreund, erste Kinderzeitschrift Deutschlands, großen Erfolg.















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