Dienstag, 3. Januar 2012

14. September

Mozart KV 476 Das Veilchen "Ein Veilchen auf der Wiese stand"

Odyssee 17, 247 - 289

Odysseus und der Sauhirt vor dem Königspalast.
Auf dem Weg zum Palast streiten der Sauhirt und Ziegenhirt Melanthios.
"Du Hund" sagt der Ziegenhirt, "wärest wert, dass man dich auf den Inseln drüben als Sklave verkaufte und ein gutes Stück Geld aus dir löste. Möchte doch der Bogen Apollos oder der Dolch der Freier deinen Telemach treffen, auf welchen du pochest, dass er zugrunde ginge wie sein Vater!"
Melanthios setzt sich im Palast mitten unter die Freier dem Eurymachos gegenüber an die Tafel; denn dieser hatte ihn gern, er wurde immer bewirtet.
Als Odysseus sein Haus nach so langer, langer Zeit wieder erblickt, bewegt sich ihm das Herz im Leibe. "Das muss die Wohnung des Odysseus sein! Welch ein Palast, welch eine Reihe von Gemächern! Wie wohl umschlossen ist der Vorhof mit Mauern und mit Zinnen; welch mächtige Torflügel bilden den Eingang; wahrlich, diese Burg ist unbezwinglich!"
Der Sauhirt will vorangehen und sich für den Bettler/Odysseus im Saal umsehen, dieser soll solange vor dem Tor warten.


Das sich stiegernde Tempo in der Schilderung der Heimkehr und des Aufeinanderzu-Bewegens von Telemach und Odysseus zeigt, dass Homer im Herzen ein Dramatiker ist, ebenso wie dies wohl kein anderes Lied als das vom Veilchen (1785) besser belegt. 

Aus den drei Strophen des Textes aus Goethes Singspiel 'Erwin und Elmire' formt Amadé eine kleine Szene, die an Spannung nichts zu wünschen übrig ließ. Dazu trägt nicht nur der durchkomponierte Textvortrag bei, in dem Mozart der achtlosen Schäferin das fröhlich-pastorale G-Dur und dem sehnsuchtsvollen Veilchen g-Moll zuweist, sondern auch die Klavierbegleitung, die gleichsam die Rolle des Kommentators übernimmt – das gebückte Veilchen in den abwärts gerichteten Sechzehntelakzentuierungen zu Beginn, der Gesang der Schäferin zwischen erster und zweiter Strophe, die schicksalsschweren punktierten Akkorde, als die unachtsame Schäferin das Veilchen "ertritt", und schließlich die chromatisch absinkende Melodie beim Tod des Veilchens.
Amadé hat das Lied durch eine Sammlung Deutscher Lieder entweder von J. A. Steffan oder Carl Friberth kennen gelernt. 

KV 476

Das Veilchen
Ein Veilchen auf der Wiese stand,
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzigs Veilchen.

Da kam eine junge Schäferin
Mit leichtem Gang
und munterm Sinn
Daher, daher,
die Wiese her und sang.


Ach! denkt das Veilchen,
Wär' ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt,
Und an dem Busen matt gedrückt!

Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!
Ach! aber ach!


Das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm;
Ertrat das arme Veilchen.

Es sank und starb
und freut' sich noch:
Und sterb' ich denn,
So sterb' ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch.




















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