Dienstag, 3. Januar 2012

15. September

Mozart KV 478 Klavier-Quartett g-moll

Odyssee 17, 280 - 310

Odysseus als Bettler vor seinem Palast.
Während er und Eumaios noch miteinander sprechen, hebt ein alter Haushund an der Türe Kopf und Ohren: Argos. Odysseus selbst zog ihn noch auf, ehe er gen Troja zog. Er begleitete sonst die Männer auf die Jagd, jetzt aber liegt err verachtet auf einem Düngerhaufen, mit Ungeziefer bedeckt. Als dieser den Odysseus bemerkt, erkennt er ihn, senkt die Ohren und wedelt mit dem Schwanz; aber näher kommen kann er vor Schwäche nicht. Heimlich wischt Odysseus sich eine Träne aus dem Auge.


1785 ist ein unglaublich produktives Jahr, wie schafft ein Mensch das? 6 Streichquartette für Joseph Haydn erscheinen, die Oper Le nozze di Figaro entsteht, das Es-Dur Konzert geistert in Amadés Kopf herum, er schreibt die Maurerische Trauermusik nieder und komponiert das erste Klavierquartett in g-Moll KV 478.
Und er schafft eine neue Gattung: Das Klavierquartett. Entstanden vielleicht als eine Erweiterung des Klaviertrios bietet sich Mozart hier ein Experimentierfeld, auf dem er durch die Gegenüberstellung von Klavier- und Streicherpart kammermusikalische mit konzertanten Ideen verbinden kann. Wegen ihres Umfangs und hohen musikalischen Anspruchs stoßen die Quartette (KV 478 und 493) beim Wiener Publikum auf geringes Interesse, obwohl es "Kurz-leicht-popular" sein sollte, "damit es die großbürgerlichen und adeligen Dilettanten eifrig kaufen und in ihren Salons zum Besten geben". Doch diese Erwartungen seines Verlegers Franz Anton Hoffmeister kann er nicht erfüllen. Das Quartett ist für den Hausmusikgebrauch viel zu anspruchsvoll, für die neue Gattung gibt es keine Gelegenheit, sich zu etablieren. Deshalb zieht der Verleger aus Sorge um sein Geld den Auftrag zurück. Von den drei Klavierquartetten, die er drucken wollte, kommt nur eines heraus. Den Vorschuss schenkt er Mozart, das zweite Quartett überlässt er gönnerhaft der Konkurrenz und ein Drittes hat Mozart nie komponiert. Schon allein die Tonart des ersten Klavierquartetts verursacht beim Verleger Bauchgrimmen: g-moll ist nicht geeignet zur Untermalung eines gemütlichen Diners.
Auch wenn die vornehme Gesellschaft das g-moll Quartett nicht selbst in Hausmusiken spielen konnte - es gibt drastische Zeitzeugenberichte darüber, wie furchtbar die Laiendarbietungen geklungen haben - verbreitet es sich dennoch in rasantem Tempo. Und heute steht es in der Hitliste Mozartscher Kammermusik weit oben.
Stehen sich alter Herr und alter Hund (Klavier und Streicher) vor dem Palast in Ithaka gegenüber?
Am g-Moll-Quartett ist neben der ungewöhnlichen Tonart Amadés Versuch hervozuheben, die im ersten und letzten Satz weitgehend unvereinbar erscheinenden Antipoden Klavier und Streicher im zweiten Satz mehr und mehr miteinander in Einklang zu bringen.
.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen