Dienstag, 3. Januar 2012

23. September

Mozart KV 486 Der Schauspieldirektor Komödie mit Musik

Odyssee 17, 542 - 573

Penelope schickt nach dem Bettler
Penelope muss lächeln, weil Telemach nieste:
"Hörst du, wie mein Sohn mir zuniest, ist das nicht eine gute Vorbedeutung? Rufe mir geschwind den Fremdling herbei!"
Penelope - so der Bettler - solle sich bis Sonnenuntergang gedulden, dann ihn nah ans Feuer setzen, er friere in seinen Lumpen.



Amadé hätte die Szene Penelope/Bettler ebenfalls vertonen können. Wie die Freier um Penelope buhlen, so wetteifern die Sängerinnen um die Stelle in der Wandertruppe. Mozart schreibt 1785 zu einem Text von Hofschauspielleiter Gottlieb Stephanie d. J. aber den Schauspieldirektor, ein einaktige Schauspiel mit Musikeinlagen für ein höfisches Fest.
Den Auftrag hat er von Kaiser Joseph II. anlässlich des Besuchs des niederländischen Generalgouverneurs bekommen, dieser ist mit der Erzherzogin Marie Christine verheiratet. Das „Frühlingfest an einem Wintertage“ findet in der Schönbrunner Orangerie statt. Die Idee zur Handlung - eine Komödie über das Theater und seine Stars - stammt angeblich vom Kaiser selbst, um dem deutschen Singspiel zu mehr Renommee zu verhelfen. Das Stück wird gemeinsam mit Antonio Salieris Oper "Prima la musica e poi le parole" uraufgeführt, die ein ganz ähnliches Thema behandelt (und den Vorzug des Publikums genoss).
Die Handlung spielt im Zimmer von Schauspieldirektor Frank, der seine Wandertruppe vergrößern will. Diverse Bewerber versuchen mit verschiedenen Szenen ihr Können zu beweisen und Mitbewerber auszustechen. Besonders hart ist die Rivalität zwischen Primadonna Madame Herz mit ihrer empfindsamen Arie im italienischen Stil ("Da schlägt die Abschiedsstunde") und Mademoiselle Silberklang, die eine anmutige und virtuose Arie im französischen Stil ("Bester Jüngling") vorträgt. Deren Arien folgt das musikalische Hauptstück des Werkes, in dem der Sänger Monsieur Vogelsang hinzutritt und in einem Terzett die beiden sich mit hohen Tönen übertreffenden und gegenseitig ins Wort fallenden Primadonnen zu beschwichtigen sucht. Das Stück endet mit einem Ensemble-Lied als Lobgesang auf die Moral der Künstler.
Der Musikanteil des Einakters ist verhältnismäßig gering. Neben der Ouvertüre finden sich vier Gesangsnummern (eine Arietta, ein Rondo, ein Terzett und der Schlussgesang), ansonsten überwiegen gesprochene Dialoge. Vor allem wegen der vielen Anspielungen auf inzwischen längst vergessene Theaterstücke der damaligen Zeit wird das Stück bei heutigen Aufführen meist komplett neugestaltet.

KV 486
KV 486 "Da schlägt die Abschiedsstunde"
KV 486 "Bester Jüngling"
KV 486 "Ich bin die erste Sängerin"


N.1 Ariette

MADAME HERZ
Da schlägt die Abschiedsstunde,
um grausam uns zu trennen.
Wie werd' ich leben können,
o Damon, ohne dich?
Ich will dich begleiten,
im Geist dir zur Seiten
schweben um dich.
Und du, und du,
vielleicht auf ewig
vergisst dafür du mich!
Doch nein!
wie fällt mir sowas ein?
Du kannst gewiss nicht treulos sein,
ach nein, ach nein.
Ein Herz, das so sehr Abschied kränket,
dem ist kein Wankelmut bekannt!
Wohin es auch das Schiksal lenket,
nichts trennt das festgeknüpfte Band.

N.2 Rondo

MADEMOISELLE SILBERKLANG
Bester Jüngling! Mit Entzücken
nehm' ich deine Liebe an,
da in deinen holden Blicken
ich mein Glück entdecken kann.
Aber ach! wenn düstres Leiden
unsrer Liebe folgen soll.
lohnen dies der Liebe Freunden?
Jüngling, das bedenke wohl!

Nichts ist mir so wert und teuer
als dein Herz und deine Hand;
voll vom reinsten Liebesfeuer
geb' ich dir mein Herz zum Pfand.

N.3 Terzett

MADEMOISELLE SILBERKLANG
Ich bin die erste Sängerin.

MADAME HERZ
Das glaub ich ja,
nach Ihrem Sinn.

MADEMOISELLE SILBERKLANG
Das sollen Sie mir nicht bestreiten!

MADAME HERZ
Ich will es Ihnen nicht bestreiten.

MONSIEUR VOGELSANG
Ei, lassen sie sich doch bedeuten!

MADEMOISELLE SILBERKLANG
Ich bin von keiner zu erreichen,
das wird mir jeder zugestehn.

MADAME HERZ
Gewiss, ich habe Ihresgleichen
noch nie gehört, und nie gesehn.

MONSIEUR VOGELSANG
Was wollen Sie sich erst entrüsten,
mit einem leeren Vorzug brüsten?
Ein jedes hat besondern Wert.

MADAME HERZ
Ich bin die erste Sängerin.

MADEMOISELLE SILBERKLANG
Ich bin die erste Sängerin.

MONSIEUR VOGELSANG
Ei, ein, was wollen Sie sich erst entrüsten,
mit einem leeren Vorzug brüsten?

MLLE SILBERKLANG, MME HERZ
Mich lobt ein jeder, der mich hört.

MONSIEUR VOGELSANG
Ei, ei, ein jedes hat besondern Wert.

MADAME HERZ
Adagio, adagio!

MADEMOISELLE SILBERKLANG
Allegro, allegrissimo!

MONSIEUR VOGELSANG
Pian, piano, pianissimo! Pianississimo!
Kein Künstler muss den andern tadeln,
er setzt die Kunst zu sehr herab.

MADAME HERZ
Wohlan, nichts kann die Kunst mehr adeln.

MADEMOISELLE SILBERKLANG
Ganz recht, nichts kann die Kunst mehr adeln.

MADAME HERZ
Ich steh' von meiner Ford'rung ab.

MADEMOISELLE SILBERKLANG
Ich stehe ebenfalls nun ab,
von meiner Ford'rung ab.

MADAME HERZ
(leise zu Mlle. Silberklang)
Ich bin die erste!

N.4 Schlußgesang

MADEMOISELLE SILBERKLANG
Jeder Künstler strebt nach Ehre,
wünscht der einzige zu sein;
und wenn dieser Trieb nicht wäre,
bliebe jede Kunst nur klein.

ALLE DREI
Künstler müssen freilich streben,
stets des Vorzugs wert zu sein,
doch sich selbst den Vorzug geben,
über andre sich erheben,
macht den größten Künstler klein.

MONSIEUR VOGELSANG
Einigkeit rühm' ich vor allen
andern Tugenden uns an,
denn das Ganze muß gefallen,
und nicht groß ein einz'lner Mann.

ALLE DREI
Künstler müssen freilich streben,
stets des Vorzugs wert zu sein,
doch sich selbst den Vorzug geben,
über andre sich erheben,
macht den größten Künstler klein.

MADAME HERZ
Jedes leiste, was ihm eigen,
halte Kunst, Natur gleich wert,
laßt das Publikum dann zeigen,
wem das größte Lob gehört.

ALLE DREI
Künstler müssen freilich streben,
stets des Vorzugs wert zu sein,
doch sich selbst den Vorzug geben,
über andre sich erheben,
macht den größten Künstler klein.

BUFF
Ich bin hier unter diesen Sängern
der erste Buffo, das ist klar.
Ich heiße Buff, nur um ein O
brauch' ich den Namen zu verlängern,
so heiß' ich ohne Streit: Buffo.
Ergo bin ich der erste Buffo;
und daß wie ich kein's singen kann,
sieht man den Herren doch wohl an.

ALLE DREI
Künstler müssen freilich streben,
stets des Vorzugs wert zu sein,
doch sich selbst den Vorzug geben,
über andre sich erheben,
macht den größten Künstler klein.











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