Dienstag, 3. Januar 2012

2. Oktober

Mozart KV 492  Le nozze di Figaro: Cavatina Porgi amor qualche ristoro 
                            Arie Venite, inginocchiatevi

Odyssee 18, 243 - 280

Penelope bei den Freiern.
Eurymachos, trunken vom Anblick der reizenden Königin:
"Ikarios' Tochter, wenn dich alle Achaier in ganz Griechenland sehen könnten, wahrhaftig, es erschienen morgen noch viel mehr Freier zum Schmause: so weit übertriffst du alle Weiber an Gestalt und Geist!"
"Ach, Eurymachos, meine Schönheit ist dahin, seit mein Gemahl mit den Griechen gen Troja fuhr! Als Odysseus das Ufer verließ und mir zuletzt die Hand reichte, da sprach er: ›Liebes Weib, die Griechen werden, denk ich, wohl nicht alle gesund von Troja heimkehren: die Trojaner sollen des Streites kundige Männer sein, treffliche Speerschleuderer, Bogenschützen, Wagenlenker. Wenn dein Sohn herangewachsen ist und ich nicht mehr heimkehre, dann magst du dich vermählen.‹ 
Weh mir, der entsetzliche Tag der Hochzeit naht heran, und unter welchem Kummer gehe ich ihm entgegen! Denn diese Freier sind furchtbar. Wenn andere eines ansehnlichen Mannes Tochter zum Weibe begehren, so bringen sie Rinder und Schafe zum Schmause mit und Geschenke für die Braut und verprassen nicht fremdes Gut ohne alle Entschädigung!"


Zu den Affektthemen Rache und Sehnsucht nach erfüllter Liebe in der Odyssee kommt in Mozarts Oper  Le nozze di Figaro ein weiteres  hinzu: das Erwachen erotischen Verlangens. Um alle drei Themen drehen sich die meisten Arien. Revolutionär ist "Figaro" an unscheinbaren Stellen, so im 2. Akt in der Cavatina der Contessa (Nr. 10 "Porgi amor") und in der Arie der Susanna (Nr. 12 "Venite, inginocchiatevi"). Letztere charakterisiert sowohl Susannas patente Geschäftigkeit, als auch kommt in ihr die Einzigartigkeit Amadés zum Vorschein, einzelne Affekte oder Emotionen und rein physisches Agieren und Interagieren zu beschreiben.
Und könnte die Aria Susannas (Nr. 13) nicht auch von Penelopes Lippen klingen?


Ungewöhnlich ist, dass im "Figaro" ein Finale zweimal vorkommt. Das erste, quasi vorläufige Finale schließt den zweiten Akt ab, das zweite, endgültige, folgt nach dem vierten Akt.

Inhalt 2. Akt: 
Zimmer der Gräfin. Sie drückt ihren Schmerz über die Untreue des Gatten aus. Mit Susanna und Figaro werden Pläne erwogen, dem Grafen die Einwilligung zur Hochzeit von Figaro und Susanna abzulisten und ihm selber einen Denkzettel für seine Untreue zu verpassen. Figaro wird ihm ein Briefchen zuspielen, mit dem er auf ein Stelldichein der Gräfin hingewiesen wird. Gleichzeitig soll Cherubino, der noch immer im Schloß weilt, als Susanna verkleidet den Grafen im Garten treffen. Cherubino darf der Gräfin seine Kanzone vortragen; dann wird seine Verkleidung ausprobiert. Plötzlich verlangt der Graf Einlass ins Zimmer. Cherubino schlüpft eilig ins Kabinett. Während der Graf mit der Gräfin fortgeht, um Werkzeug zu holen, mit dem er die Türe des Kabinetts aufbrechen will, springt Cherubino aus dem Fenster in den Garten, wobei er sein Offizierspatent verliert, und Susanna, die sich währenddessen im Alkoven versteckt gehalten hatte, geht für ihn ins Kabinett. Dort findet sie der Graf anstelle des Cherubino. Almaviva entschuldigt sich, bekommt aber schon bald heraus, dass das Briefchen für das Stelldichein von Figaro stammt. Gerade versucht dieser, die prekäre Situation zu meistern, als der Gärtner Antonio berichtet, er habe jemanden aus dem Fenster springen sehen. Figaro behauptet, er sei es gewesen und habe dabei auch das Offizierspatent Cherubinos verloren, auf dem noch das Siegel fehlt. Der Graf scheint überlistet. Als Bartolo und Marcellina erscheinen und die Erfüllung des Hciratsversprcchens fordern, schiebt der Graf bis zur Klärung der Angelegenheit die Hochzeit weiter hinaus.
Arie: „Porgi, amor, qualche ristoro“ – „Heil'ge Quelle reiner Triebe“: Zimmer der Gräfin. Die Gräfin beklagt des Grafen Untreue.
Arie (Susanna) : „Venite, inginocchiatevi“ – „Komm näher, kniet vor mir“: Sie frisieren Haare.

Die Aufnahme der Oper in Prag ist von Begeisterung getragen. Sie trifft auf ein revolutionäres Bewusstsein, das sich hier im ständigen Kampf gegen deine Feudalherrschaft herausgebildet hat, die ihre ökonmische Maht noch tief bis 18. Jahrhundert hinein mittels Leibeigenschaft aufrechterhält. Und seit dem 30jährigen Krieg ist das Verhältnis zu Wien getrübt. Adel und Bürgertum haben im engen Verbund mit der Kirche eine eigene Kultur entwickelt, die die tschechische Metropole zu einem europäischen von Geiseswissenschaften und Musik werden ließ.
KV 492 Nr. 10
KV 492 Nr. 12 (1:17)



10. Cavatina
LA CONTESSA
Porgi amor, qualche ristoro
al mio duolo, a'miei sospiri:
O mi rendi il mio tesoro,
O mi lascia almen morir.

GRÄFIN
Gewähr, Amor, einigen Trost!
Meinem Schmerz, meinen Seufzern:
Gib mir meinen Liebsten zurück
Oder lass mich sterben.


12. Aria
SUSANNA
Venite... inginocchiatevi...
Restate fermo li...
Pian piano, or via giratevi...
Bravo... va ben cosi.
La faccia ora volgetemi,
Olà! quegli occhi a me...
Drittissimo... guardatemi...
Madamaqui non è.
Più alto quel colletto,
Quel ciglio un po’più basso
Le mani sotto il petto ...
Vedremo poscia il passo
Quando sarete in pie.
Mirate il bricconcello,
Mirate quanto è bello,
Che furba guardatura.
Che vezzo, che figura!
Se l’amano le femmine,
Han certo il lor perché.

SUSANNA
Kommt her... kniet nieder...
Bleibt dort...
Langsam nun dreht Euch ...
Ausgezeichnet... so geht ’s gut.
Zeigt mir das Gesicht,
Holla! Die Augen zu mir...
Ganz gerade... schaut mich an ...
Die Herrin ist nicht hier.
Den Kragen etwas höher,
Die Brauen etwas tiefer.
Die Hände unter die Brust...
Wir sehen, wie Ihr schreitet,
Wenn Ihr Euch erhebt.
Bewundert den Schelm,
Staunt, wie schön er ist,
Welch kecker Blick,
Wie zart, welche Figur!
Wenn die Frauen ihn lieben,
So wissen sie warum.














.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen