Dienstag, 3. Januar 2012

26. Oktober

Mozart KV 522 Ein musikalischer Spaß (Dorfmusikanten-Sextett)

Odyssee 20, 1- 32

Die Königin sagt dem Fremdling gute Nacht, Odysseus legt sich im Vorsaal auf Schafspelzen schlafen. Lang wälzt er sich schlaflos; die schändlichen Mägde stürmen unter Scherz und Gelächter an ihm vorüber zu den Freiern, dass sie ihm das Herz im Innersten empören.
Aber der Held schlägt sich an seine Brust: "Dulde es, mein Herz, hast du doch schon Härteres ertragen! Weißt du nicht mehr, wie du beim Zyklopen saßest und ihm zusehen musstest, wie das Ungeheuer deine Genossen fraß? Dulde!"
So bezwingt er sein Herz; doch wirft er sich noch lange hin und her, auf Rache gegen die Freier sinnend.


Begleitmusik für die "schändlichen Mägde" liefert dieses Sextett in F-Dur KV 522, das Mozart 14. Juni 1787 aus der Sicht eines fingierten, zwar wenig begabten, aber umso entschlosseneren Komponisten komponiert, dem bei seinem ehrgeizigen Versuch, eine viersätzige Sinfonie zu schreiben, immer wieder klägliche, dilettantische Fehler unterlaufen. Schon die Satzfolge mit dem Menuett vor dem langsamen Satz entspricht kaum dem üblichen Verfahren. Grobe formale Schnitzer baut Amadé nicht nur in den ersten Satz ein, dessen Hauptthema mit seinen drei Viertelschlägen eher für den Schluss des Satzes als für seine Eröffnung geeignet scheint. Mit den gräulich falschen Soli der Hörner im Menuett, der Violine im überlangen Trio und der Violinkadenz im dritten Satz verleiht er dem Werk nicht ganz zu Unrecht den Beinamen "Dorfmusikantensextett". Wenn auch diese Stellen, vor allem die Doppelgriffe und die hohen Lagen in der Violinkadenz, spieltechnisch kaum von durchschnittlich begabten Dorfmusikanten zu bewältigen sind. Zum krönenden Abschluss erlaubt Mozart jedem Musiker ein Finale in seiner eigenen Tonart.
Am 28. Mai 1787 ist Leopold Mozart in Salzburg gestorben, fürsterzbischöflicher Kapellmeister, Komponist, Produzent von Wunderkindern und Verfasser der berühmtesten Violinschule seiner Zeit.  Kein Wort des Sohnes zum toten Vater, stattdessen ein "musikalischer Spass", ein Divertimento Leopolds? Verunglimpft er darin das vergebliche Bemühen eines Komponisten um ein kunstvolles Nichts?
Für den Tod hat Mozart nur noch Ironie übrig. Denn als Endzweck des Lebens, das er als ständiges Abschiednehmen erfahren hat, ist der Tod die letzte Konsequenz, die radikalste Antwort auf die Absurditäten des Lebens, die Amadé immer den Stoff liefern für seinen Spott auf das Kleine, was groß und das Große, was erhaben sein will...

KV 522 1. Allegro
KV 522 2. Menuetto. Maestoso
KV 522 3. Adagio cantabile
KV 522 4. Presto


 

























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