Dienstag, 3. Januar 2012

31. Oktober

Mozart KV 527 Don Giovanni - 9. Quartett: Non ti fidar, o misera



Odyssee 19, 177 - 207

Melanthios, der Hüter der Geistrift, spricht zum Bettler/Odysseus.
"Alter Bettler, bist du immer noch da und weichst nicht von der Türe? Wir nehmen wahrscheinlich nicht Abschied voneinander, bevor du meine Fäuste gekostet! "
Nun kommt Philoitios, der den Freiern ein Rind und gemästete Ziegen mit der Fähre vom Festland bringt. Er fragt Eumaios, wer der Fremdling sei? Er gleiche an Gestalt ganz ihrem König Odysseus. Dann begrüßt er den verkleideten Helden mit Handschlag:
"Fremder Vater, so unglücklich du scheinest, so möge es dir wenigstens in Zukunft wohlergehen! Mich überlief der Schweiß, als ich dich sah, und Tränen traten mir in die Augen, denn ich musste an Odysseus gedenken, der jetzt wohl auch, in Lumpen gehüllt, in der Welt umherirrt, sollte er noch leben!"


Philoitios, Anna und Ottavio haben einen Verdacht.
Der nächste Versuch Don Juans: Don Giovanni gefällt unter einer bäuerlichen Hochzeitsgesellschaft die Braut Zerlina, er lockt den Bräutigam Masetto weg. Als er mit Zerlina allein ist, beginnt er sofort mit seinen Verführungskünsten. Elvira kommt hinzu, aber Don Giovanni beantwortet ihre Vorwürfe, indem er Ottavio und Anna andeutet, dass beide, Zerlina und Elvira, geistesgestört seien. Anna glaubt, in Don Giovanni den Mörder ihres Vaters zu erkennen, und Ottavio entschließt sich, ihn zu beobachten.

KV 527 9. Quartett

Nr. 9 - Quartetto DONNA ELVIRA a Donn'Anna
Non ti fidar, o misera,
Di quel ribaldo cor;
Me già tradì quel barbaro,
te vuol tradir ancor.

DONNA ANNA e DON OTTAVIO
(Cieli, che aspetto nobile,
Che dolce maestà!
II suo pallor, le lagrime
M'empiono di pietà.)

DON GIOVANNI
a parte; Donna Elvira ascolta
La povera ragazza
È pazza, amici miei;
Lasciatemi con lei,
Forse si calmerà.

DONNA ELVIRA
Ah non credete al perfido!

DON GIOVANNI
È pazza, non badate.

DONNA ELVIRA
Restate ancor, restate!

DONNA ANNA e DON OTTAVIO
A chi si crederà?

DONNA ANNA, DON OTTAVIO, DON GIOVANNI
Certo moto d'ignoto tormento
Dentro l'alma girare mi sento
Che mi dice, per quell'infelice,
Cento cose che intender non sa.

DONNA ELVIRA
Sdegno, rabbia, dispetto, spavento
Dentro l'alma girare mi sento,
Che mi dice, di quel traditore,
Cento cose che intender non sa.

DON OTTAVIO
a Donn'Anna
Io di qua non vado via
Se non so com'è l'affar.

DONNA ANNA
a Ottavio
Non ha l'aria di pazzia
II suo tratto, il suo parlar.

DON GIOVANNI
(Se m'en vado, si potrìa
Qualche cosa sospettar.)

DONNA ELVIRA
a Donn'Anna e Ottavio
Da quel ceffo si dovrìa
La ner'alma guidicar.

DON OTTAVIO
a Don Giovanni
Dunque quella?...

DON GIOVANNI
È pazzarella.

DONNA ANNA
Dunque quegli?...

DONNA ELVIRA
È un traditore.

DON GIOVANNI
Infelice!

DONNA ELVIRA
Mentitore!

DONNA ANNA e DON OTTAVIO
Incomincio a dubitar.
Passano dei contadini

DON GIOVANNI
Zitto, zitto, che la gente
Si raduna a noi d'intorno;
Siate un poco più prudente,
Vi farete criticar.

DONNA ELVIRA
forte, a Don Giovanni
Non sperarlo, o scellerato,
Ho perduta la prudenza;
Le tue colpe ed il mio stato
Voglio a tutti palesar.

DONNO ANNA e DON OTTAVIO
a parte, guardando Don Giovanni
Quegli accenti sì sommessi,
Quel cangiarsi di colore,
Son indizi troppo espressi
Che mi fan determinar.

Donn'Elvira parte

DON GIOVANNI
Povera sventurata! I passi suoi
voglio, seguir; non voglio
che faccia un precipizio:
perdonate, bellissima Donn'Anna;
se servirvi poss'io,
in mia casa v'aspetto. Amici, addio!

 



ELVIRA
Traue dem glatten Heuchler nicht,
So schmeichelnd er dir naht!
Mich schon verriet sein falsches Herz,
So droht auch dir Verrat.

DONNA ANNA UND DON OTTAVIO
Himmel, welch' edles Frauenbild,
Welch' holde Majestät!
Wie mir ihr Schmerz, ihr Tränenblick
Tief in die Seele geht.

DON GIOVANNI
Das arme, gute Mädchen,
Ihr Freunde, ist von Sinnen!
Ich bitte, geht von hinnen,
Dann wird sie ruhig sein.

DONNA ELVIRA
O glaubt dem frechen Heuchler nicht!

DON GIOVANNI
Von Sinnen ist die Arme! O eilet!

DONNA ELVIRA
Verweilet hier, verweilet!

DONNA ANNA UND DON OTTAVIO
Auf wen ist hier zu baun,
Wem sollen wir vertraun?
Wie ergreift mich unnennbares Bangen!
O wie fühlt sich die Seele befangen!
Was in mir für die Arme sich reget,
Ach, zu deuten vermag ich es nicht,
Nein, nein!

DON GIOVANNI
Es ergreift mich ein seltsames Bangen!
O wie fühlt sich die Seele befangen!
Was in mir für die Arme sich reget,
Ach, zu deuten vermag ich es nicht,
Nein, nein!

DONNA ELVIRA
Ha, vor Abscheu, Verachtung und Bangen
Fühl' ich ganz meine Seele befangen!
Was noch hält mich, den Frevler zu schonen?
Ach, zu deuten vermag ich es nicht.
Nein!

DON OTTAVIO
beiseite
Nein, nicht eher will ich weichen,
Bis mir Klarheit wird und Licht.

DONNA ANNA
beiseite
Nein, für Wahnsinn spricht kein Zeichen.
Aus dem edlen Angesicht.

DON GIOVANNI
Um dem Argwohn zu entweichen,
Gilt es kecke Zuversicht.

DONNA ELVIRA
zu Donna Anna und Don Ottavio
Glaubt ihm nicht, sein falsches Auge
Kündet Euch den Bösewicht.

DON OTTAVIO
zu Don Giovanni
Sie von Sinnen?

DON GIOVANNI
Ja, ganz von Sinnen.
Unglücksel'ge!

DONNA ANNA
zu Donna Elvira
Also Jener?

DONNA ELVIRA
Ist ein Verräter, Missetäter,
Missetäter, frecher Lügner!

DONNA ANNA UND DON OTTAVIO
Zweifel regen sich in mir.

DON GIOVANNI
zu Donna Elvira
Stille, still, es nahen Leute,
O versuche dich zu fassen!
Lässt du nicht von diesem Streite,
Drohet dir und mir Gefahr.

DONNA ELVIRA
Nicht mehr schweig' ich, du Vermessner,
Hoffe nichts, du Ehrvergessner,
Mein Geschick und dein Verbrechen,
Allen mach' ich's offenbar!

DON GIOVANNI
Leise, leise, nur gelassen,
O versuche dich zu fassen,
Lässt du nicht von diesem Streite,
Drohet dir und mir Gefahr.

DONNA ANNA UND DON OTTAVIO
Dieses Flüstern, dieses Flehen,
Sein Erröten, sein Erbleichen,
Alles ist ein sichres Zeichen:
Seine Schuld, sie wird uns klar.

DONNA ELVIRA
Schweige, schweige, du Vermessner,
Hoffe nichts du Ehrvergessner.
Mein Geschick und sein Verbrechen
Allen werd' es offenbar.
Wird von Don Giovanni weggeleitet.

Rezitativ

DON GIOVANNI
zurückkommend
O, die arme Betörte!
Sie zu beschützen, folg' ich ihr nach,
Wie leicht könnt' ein Unglück sie ereilen:
Drum vergebt mir, schöne Donna Anna,
Kann ich jemals Euch dienen,
Nahe bei ihr
So erwart' ich Euch in meinem Hause!
Lebt wohl denn, ihr Freunde!

Geht ab.


DREIZEHNTE SZENE
Donna Anna. Don Ottavio.

Nr. 10 - Rezitativ

DONNA ANNA
Ach, Ottavio, ich sterbe!

DON OTTAVIO
Was erschreckt dich?

DONNA ANNA
Hab' Erbarmen, o rette mich!

DON OTTAVIO
Geliebte, Mut nur und Fassung!

DONNA ANNA
O Himmel! Er ist der Mörder meines Vaters!

DON OTTAVIO
Was hör' ich?

DONNA ANNA
O, zweifle länger nicht;
Die letzten Worte, die dieser Freche sprach,
Haltung und Stimme, alles weckt die Erinnrung
An den Frevler, der jüngst in meiner Wohnung.

DON OTTAVIO
O Gott, wärs möglich,
Dass unterm heil'gen Mantel treuer Freundschaft ...
Doch was geschah?
Erzähle mir den unerhörten Vorgang!

DONNA ANNA
Schon warf die Dämmrung ihren Schleier hernieder,
Als in meine Gemächer, wo ich zu meinem Unheil völlig allein war,
Ein Mann hereintritt, gehüllt in einen Mantel.
Im ersten Augenblicke wähnt' ich dich, Freund, mir nahe,
Doch nur zu bald erkannt' ich die schreckliche Täuschung.

DON OTTAVIO
Himmel, vollende!

DONNA ANNA
Schweigend schleicht er mir näher,
Schlingt um mich seinen Arm;
Ich will entfliehen,
Er hält mich fester, ich rufe!
Doch niemand kommt...
Mit einer Hand versucht er,
Meine Rufe zu hindern,
Mit der andern umschlingt er heftiger mich,
Schon glaubt ich mich verloren.

DON OTTAVIO
Schändlicher! Und dann?

DONNA ANNA
Die Todesangst,
Der Abscheu vor dem furchtbaren Frevel,
Erhöhte so mir meine Kräfte,
Dass ich mich durch heft'ges Ringen,
Sträuben und Entwinden
Endlich befreite.

DON OTTAVIO
Ich atme auf, vollende!

DONNA ANNA
Auf's neu' nehm' ich alle Kraft zusammen,
Rufe nach Hilfe. Er aber floh:
In flammender Empörung folg' ich ihm nach bis auf die Strasse,
So wurde aus der Verfolgten eine Verfolg'rin.
Mein Vater tritt dazwischen, stellt zur Rede ihn,
Doch der Bube, überlegen an Kräften dem schwachen Greise,
Häuft noch das Mass des Frevels, raubt ihm das Leben!

 

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