Dienstag, 3. Januar 2012

14. November

Mozart KV 540 Adagio für Klavier H-moll

Odyssee 21, 199 - 230 

Vor dem Bogenschiessen.
Odysseus hat dem Rinder- und Sauhirten die Treuefrage gestellt.
Als sie diese positiv beantworten, gibt Odysseus sich zu erkennen. 
"Nach unsäglichen Leiden komme ich im zwanzigsten Jahr zurück in meine Heimat, und ich sehe, daß ich euch beiden willkommen bin, euch allein unter allem Gesinde; denn keinen unter allen hörte ich jemals um meine Wiederkehr zu den Göttern flehen. Dafür will ich auch jedem von euch, wenn ich die Freier bezwungen habe, ein Weib geben, Äcker schenken, Häuser bauen, ganz nahe bei meinem Hause, und Telemach soll euch behandeln wie seine leiblichen Brüder."
Er zeigt ihnen seine Narbe. Beiden Hirten beginnen zu weinen, umschlingen ihren Gebieter, küssen ihm Gesicht und Schultern. Auch Odysseus küsst die treuen Knechte. Dann sollen sie  einzeln, einer nach dem andern, in den Saal gehen.


Penelope, Eurykleia, Telemach und die treuen Hirten sind oft in den 20 Jahren Abwesenheit von Odysseus in solche Adagio-Tongefilde gefallen - KV 540: Ein "Karfreitagssatz" oder ein "Tombeau", ein Stück zur Erinnerung an einen lieben Verwandten.
Über seine Entstehung ist nichts bekannt. Das vollendeste Adagio in Moll seiner Art, zugleich auch das Trostloseste, was Amadé je komponiert hat. Es muss ihm am 19. März 1788 in einer ernsten, schweren Stunde aus der Feder geflossen sein.

In dem sonatisch gestalteten Satz konfrontiert er die schmerzerfüllte, ausducksvolle Klage mit einem lichteren zweiten Thema. Mozart verarbeitet Vorhalte, Seufzer, Stimmtausch und Kontrapunkt, bestimmt damit Klang- und Satzbild. Mit der unerhört kühnen Harmonik des Druchführungsteils gleitet er in weit entfernt liegende Tonartenbereiche.
Die Coda schließt nach der Darstellung von so viel Leid in H-dur.

Wessen Mozart so eindringlich in Tönen gedachte, das wird wohl immer sein Geheimnis bleiben. Das Stück wird erst 1796 postum veröffentlicht; es weist auf Schubert voraus.

KV 540












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