Dienstag, 3. Januar 2012

17. November

 Mozart KV 541 Ariette für Baß "Un bacio di mano"

Odyssee 21, 294 - 329

Antinoos beschimpft Odysseus/den Bettler, was er sich erlaube, den Bogen spannen zu wollen:
"Betört dich der Wein? Willst du Hader beginnen wie der Zentaur Eurytion auf der Hochzeit des Peirithoos? Bedenke, daß dieser zuerst das Verderben selbst fand, so soll auch dich das Unheil treffen, sobald du den Bogen spannst, und du wirst keinen Fürsprecher mehr unter uns finden!"
Penlope mischt sich ein:
"Antinoos, wie unziemlich wäre es, den Fremdling vom Wettkampf ausschließen zu wollen! Fürchtest du etwa, wenn es dem Bettler gelänge, den Bogen zu spannen, er würde mich als Gattin heimführen? Schwerlich macht er sich selbst diese Hoffnung. Bekümmere sich nur deswegen keiner von euch in seinem Herzen! Das wäre ja unmöglich!"
Eurymachos: "Nicht das fürchten wir, oh Königin, nein! sondern wir fürchten nur die Nachrede bei den Griechen, dass nur schlechte Männer, von denen keiner vermocht hat, den Bogen des unsterblichen Helden zu spannen, um seine Gattin geworben haben; zuletzt aber sei ein Bettler aus der Fremde gekommen, der habe den Bogen ohne Anstrengung gespannt und durch die Äxte geschossen!"





Amadé nimmt mit der Ariette - wie Homer in der Bogenschuss-Szene - etwas vorweg, nämlich ein Motiv des ersten Satzes seiner Jupiter-Sinfonie -->, die er einige Monate später komponiert. "Un bacio di mano” ist eine Einlagearie für die Opera buffa 'Le gelosie fortunate' von Pasquale Anfossi. Der Sänger der Wiener Aufführung ist Francesco Albertarelli, der erste Don Giovanni. Im Original-Libretto fehlt der Text der im Juni 1788 entstandenen Komposition. Vermutlich baute ihn Lorenzo Da Ponte in das Wiener Textbuch ein.


M. GIRÒ
Un bacio di mano 
Vi fa maraviglia, 
E poi bella figlia 
Volete sposar.
Voi siete un po'tondo, 
Mio caro Pompeo, 
L'usanze del mondo 
Andate a studiar.
Un uom, che si sposa 
Con giovin vezzosa, 
A certi capricci
Dee libere voglie 
Lasciar alla moglie, 
Dee sempre le porte 
Aperte Iasciar.
Dee chiudere gli occhi, 
Gli orecchi, la bocca, 
Se il re degli sciocchi 
Non vuole sembrar.




M. GIRÒ
Über einen Handkuß seid Ihr verwundert,
und ein schönes Mädchen wollt Ihr heiraten?
Ihr seid ein wenig naiv, mein lieber Pompeo.
Geht erst einmal, die Usancen
der großen Welt studieren.
Ein Mann, der sich mit einem 
reizenden jungen Mädchen verheiratet
muss auf gewisse Launen 
vorher verzichten.
Er muß der Gattin
den freien Willen
und immer die Türen
offen lassen.
Er muß die Augen,
die Ohren und den Mund schließen, 
wenn er nicht als der König der Narren
erscheinen will.

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