Dienstag, 3. Januar 2012

18. November

Mozart KV 542 Trio für Klavier, Violine und Violoncell

Odyssee 21, 330 - 360

Penelope spricht für den Bettler, er soll den Bogen spannen dürfen: 
 "Der Fremdling ist nicht so schlecht, als ihr wähnet, sehet ihn nur recht an, wie groß und gedrungen sein Gliederbau ist! Auch er rühmt sich eines edlen Mannes als Erzeuger. So gebet ihm denn den Bogen! Spannt er ihn, so soll er nichts weiter von mir haben als Mantel und Leibrock, Speer und Schwert und Sohlen unter die Füße. Damit mag er hinziehen, wohin sein Herz begehrt."  Telemach fällt ihr ins Wort:
"Mutter, über den Bogen hat kein Achaier zu gebieten als ich, und keiner soll mich mit Gewalt davon abhalten, und wollte ich ihn dem Fremdling auf der Stelle schenken, damit in die weite Welt zu gehen. Du aber, Mutter, geh in dein Frauengemach zu Webstuhl und Spindel, das Geschoss gebührt den Männern."
Staunend fügt sich Penelope der entschlossenen Rede des verständigen Sohnes.
Nun bringt der Sauhirt den Bogen, während die Freier ein wütendes Geschrei erheben.    


Die Dramatik des Trios begleitet den Disput der Freier, der ihrem Untergang vorhergeht ...
Die Musikgelehrten streiten, ob das Trio KV 542 vom 23. Juni 1788 oder KV 563 --> (oder beide) als "Puchberg-Trio" zu bezeichnen sind. Jedenfalls fragt Amadé im Juni 1788 bei seinem Freund Puchberg an, ob er nicht wieder eine kleine Musik in seinem Hause machen wolle: "Ich habe ein neues Trio geschrieben". Das war jedenfalls das E-dur-Trio.
Johann Michael Puchberg (geb. 1741) war ein Wiener Geschäftsmann, gehörte
verschiedenen Wiener Loge an und dürfte Mozart auch über die Freimaurer kennengelernt haben.
Mozart hat zahlreiche "Bitt- und Bettelbriefe" um größere oder kleinere Summen an ihn gerichtet - peinlich-demütigende Zeugnisse einer materiellen Not, in die er ab 1787 geraten war und deren Ursachen bis heute rätselhaft gebliebene sind - bis zu Mozarts Tod war die geliehene Summe auf immerhin ca. 1.415 Gulden (etwa 60.000 €) angewachsen.

Constanze übrigens, Mozarts Witwe, hat diese Schulden an Puchberg nach und nach zurückbezahlt, als sich für den edlen Gönner das Blatt gewendet hatte: Puchberg stirbt verarmt 1822.
Es ist das bedeutendste Klaviertrio, das Mozart geschrieben hat, zeitlich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den drei großen letzten Symphonien. Gleich im Hauptthema des ersten Satzes führt Mozart eine charakteristische chromatische Wendung ein, und das zweite Thema legt in seiner Behandlung plötzlich einen ganz überraschenden kontrapunktischen Tiefsinn an den Tag. Der zweite Satz ist ein zierliches Andante grazioso in A-dur, mit reizvoller Melodik, die sich in seltsam fremd anmutenden Molltrübungen verliert. Als Schlußsatz schreibt Mozart, wie in den Konzerten, ein großangelegtes Rondo mit durchaus ins Virtuose gesteigerten Formabschnitten, wo sich Violine und Violoncello gelegentlich gegen das Klavier zusammenschließen, besonders in einigen prägnanten parallelen Oktavgängen zum Ende des Werkes.













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