Dienstag, 3. Januar 2012

4. November

Mozart KV  530 Traumbild "Wo bist du, Bild"

Odysseus 20, 303 - 337

Telemach rügt den Ktesippos mit drohenden Worten.
Er solle sich glücklich schätzen, den Fremdling nicht getroffen zu haben. Sonst hätte er ihm die Lanze durch den Leib gestoßen. Keiner solle sich mehr eine Ungebühr in seiner Wohnung erlauben! 
Alle verstummen. Agelaos spricht:
"Telemach hat recht! Aber er und seine Mutter sollen jetzt ein Wort in Güte mit sich reden lassen. Solange noch irgendeine Hoffnung vorhanden war, dass Odysseus jemals in seine Heimat zurückkehren könne, so war es begreiflich, wenn man die Freier hinhielt. Jetzt aber ist es keinem Zweifel unterworfen, dass jener niemals zurückkommt. Wohlan denn, Telemach, tritt zu deiner Mutter, bestimme sie, den Edelsten unter uns Freiern und der die meisten Gaben bietet, zu wählen, damit du selbst hinfort ungeschmälert dein väterliches Erbe genießen kannst!"



Der Text, den Amadé vertont, stammt von Hölty, von ganz anderem Stil als die unmissverständliche Aufforderung von  Agelaos an Penelope.
Wie KV 529 --> komponiert Mozart das Lied für eine Singstimme mit Klavier 1787 in Prag für seinen Frund Emilian Gottfried von Jacquin in Wien. Er durchbricht bewusst das formale Regelmaß durch geringfügige asymmetrische Veränderungen.

KV 530


Wo bist du, Bild, das vor mir stand,
Als ich im Garten träumte,
In's Haar den Rosmarin mir wand,
Der um mein Lager keimte?
Wo bist du, Bild, das vor mir stand,
Mir in die Seele blickte,
Und eine warme Mädchenhand
Mir an die Wangen drückte?
Nun such' ich dich, mit Harm erfüllt,
Bald bei des Dorfes Linden,
Bald in der Stadt, geliebtes Bild,
Und kann dich nirgends finden.
Nach jedem Fenster blick' ich hin,
Wo nur ein Schleier wehet,
Und habe meine Lieblingin
Noch nirgends ausgespähet.
Komm selber, süßes Bild der Nacht,
Komm mit den Engelsmienen,
Und in der leichten Schäfertracht,
Worin du mir erschienen!
Bring' mit die schwanenweiße Hand,
Die mir das Herz gestohlen,
Das purpurrote Busenband,
Das Sträußchen von Violen.
Dein großes blaues Augenpaar,
Woraus ein Engel blickte;
Die Stirne, die so freundlich war,
Und guten Abend nickte;
Den Mund, der Liebe Paradies,
Die kleinen Wangengrübchen,
Wo sich der Himmel offen wies:
Bring' alles mit, mein Liebchen!














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